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Schräger Witz trifft auf tollen Gesang

LaLeLu in der Waggonhalle Schräger Witz trifft auf tollen Gesang

Seit mehr als zwei Jahrezehnten begeistert das Hamburger A-cappella-Quartett "LaLeLu" die Kleinkunstszene. Dabei bedient es sich bei Melodien von bekannten Hits und garniert sie mit witzigen Texten. So auch im neuen Programm „Muss das sein?“

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Urkomisch gerät die „Sieben-Minuten-Oper“ des A-capella-Quartetts „LaLeLu“ über die Liebeswirren zwischen Prinzessin, Königin, Herzog und einem Minnesänger.Foto: Benjamin Kaiser

Marburg. Die Programme von „LaLeLu“ sind eine wilde Mixtur aus Musik und Humor auf hohem Niveau. Grund dafür, dass die Musikgruppe schon seit über 20 Jahren beste Unterhaltung bietet, ist die schier unerschöpfliche Kreativität.

Das äußert sich etwa beim Song „Hallo“, für den der Welthit „Hello“ der englischen Sängerin Adele herhalten musste.­ Jan Melzer mimt einen Call-Center-Mitarbeiter, der am Telefon Kunden mit „Knallerangeboten“ locken will. Im Hintergrund sorgen Sanna Nyman, Tobias Hanf und Frank Valet mit ihren Stimmbändern für die musikalische Untermalung. Instrumente gibt es bei „LaLeLu“ natürlich nicht.

Von großer Kreativität zeugt auch die „Sieben-Minuten-Oper“, bei der es um die Liebeswirren zwischen Prinzessin, Königin, Herzog und Minnesänger geht. Das Genre des Dramas wird herrlich parodiert und überzeichnet. „Wir sind ja alle Opernfans. Aber das Problem ist, dass sie immer zu lange dauern“, erklärt Tobias Hanf grinsend. Besonders Jan Mälzer strapaziert die Lachmuskeln als liebestolle Prinzessin mit wallendem Haar. Natürlich gibt es unter den 14 Songs von „Muss das sein?“ stärkere und schwächere Stücke. So ist beispielsweise „Kratzen im Hals“ zu sehr auf Ulk getrimmt. Stark ist das Qualitätsgefälle der Lieder allerdings nicht.

Lindenberg gegen Jürgens

Sanna Nymans angebliche Lieblingssendung im Fernsehen ist „Sing meinen Song“. Ein Format, bei dem Kandidaten die Songs von anderen Musikern singen. Die Urheber der Songs bilden dabei die Jury und bewerten die Nachahmer. ­Nyman zeigt sich entzückt, als ­ihre Kumpane Frank Valet und Jan Melzer als Udo Jürgens und Udo Lindenberg auf die Bühne­ stiefeln. Während Jürgens als selbstherrlicher Filou in Bademantel umherstolziert und aus voller Kehle singt, nuschelt sich Lindenberg, mit Zigarre in der Hand und Sonnenbrille auf der Nase, eins in den nicht vorhandenen Bart. Die Zuschauer kringeln sich regelrecht vor Lachen.

Neben einer nicht zu unterschätzenden Portion an Sexappeal und sehr progressiver Kleidung hat die großgewachsene Finnin Sanna Nyman auch eine starke Sopran-Stimme vorzuweisen, deren Volumen sie insbesondere bei dem indianischen Volkslied „Oneida“ einzusetzen weiß. Das hat zwar wenig mit Trend zu tun, klingt dennoch stark.

Als die Hamburger die Bühne­ zum ersten Mal verlassen, ahnen sie bereits, dass das Publikum nach mehr giert. Zweimal kommt die Gruppe erneut auf die Bühne und stillt den Hunger der Zuhörer in der ausverkauften Waggonhalle.

Und das Finale hat es in sich: Sanna Nyman, in Männerklamotten und mit angeklebtem Schnurrbart als Freddy Mercury verkleidet, serviert ein „Best of“ der Gruppe „Queen“. Den Blick lenkt sie gekonnt auf ihre enge Radlerhose. Im Angesicht dieser Darbietung halten sich einige Beobachter vor Scham lachend die Hand vor den Mund.

Doch bei „LaLeLu“ geht es nicht nur um Sopran, Beats und Takt. Neben seinem Gesang überzeugt Bass Tobias Hanf als Imitator von Promis und Politikern, die er charmant und urkomisch der Lächerlichkeit preisgibt.

Neben Boris Becker, Jogi Löw und Jürgen Trittin und vielen anderen hat Hanf natürlich auch Angela Merkels Stimme auf Lager und wirft einen Blick in die Zukunft: „Ich bin jetzt schon seit zwölf Jahren im Trend. Ein Leben ohne mich ist möglich aber sinnlos“, lässt der 45-Jährige die Bundeskanzlerin mit Blick auf die Bundestagswahl sagen.

von Benjamin Kaiser

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