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Schöner Spuk im Gießener Stadttheater

„Die weiße Dame“ Schöner Spuk im Gießener Stadttheater

Ein wenig schaurig ist es im Augenblick schon im Stadttheater. Denn derzeit spukt „Die weiße Dame“ von François-Adrien Boieldieu über die Bühne im Großen Haus.

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Die Inszenierung besticht durch den Gegensatz von puristischem Bühnenbild und teils aufwendigen Kostümen.

Quelle: Rolf K. Wegst

Gießen. Ein verwunschenes Schloss. Ein Gespenst, ein gieriger Verwalter und ein strahlender Held, der alles letztlich in Ordnung bringt. Nein, besonders stark ist der Plot der komischen Oper „Die weiße Dame“ von François-Adrien Boieldieu nach dem Libretto von Eugène Scribe nicht.

Aber darum geht es auch nicht. Sondern? Ganz klar: um Emotionen, die Regisseur Dominik Wilgenbus gekonnt in Szene setzt, indem er seinem Personal vertraut. Hier wird geliebt, gehofft und gefürchtet bis sich die Balken biegen, wohlgemerkt: alles unterlegt mit einer komischen Note.

Und es wäre kaum zu hoch gegriffen, von einem im ursprünglichen Wortsinn wunderbaren Abend zu sprechen, der bei den Zuschauern auch emotional zündet. Kein Wunder, denn Gesang, Instrumentalklänge und bemerkenswerte darstellerische Fähigkeiten des Ensembles gehen eine berauschende Symbiose ein, die vermutlich niemanden kalt lässt.

Puristische Bühnenoptik und farbenfrohe Kostüme

Viel Kulisse braucht der Regisseur dafür nicht: Lukas Noll hat ein mit Grabplatten versehenes, Rasen bewachsenes Rondell geschaffen, auf dem der überwiegende Teil der Handlung spielt. Im Hintergrund ist das Ganze durch große Vorhänge abgeschlossen, deren Transparenz jedoch erahnen lässt, was schließlich kommt: Etwa nach der Hälfte der Spielzeit weitet sich der Raum für Augenblicke zu einem großen Schlosskeller, der mit Elementen romantischer Symbolik spielt.

Dieses Bühnenbild, bei dem Noll sein beachtliches Gefühl für die Wirkung symbolischer Reduktion demonstriert, ist für sich genommen ein Augenschmaus. Ihre volle Wirkung entfaltet die puristische Bühnenoptik in der Wechselwirkung mit den ebenfalls von Noll gestalteten höchst farbenfrohen Kostümen, die den zentralen Ansatz des Regisseurs voll unterstützen: Musik, Chor und Solisten stehen im Zentrum des Abends.

Und die wussten bei der Premiere am Samstag auf ganzer Linie zu überzeugen: Bravo-Rufe schallten durchs Haus für die exquisiten Leistungen der Solisten um Tomi Wendt, Naroa Intxausti und Clemens Kerschbaumer, die von Chor und Extrachor eindrucksvoll unterstützt wurden.

Ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk

Auf der Gesangsebene kann man von einem Fest sprechen, das seine volle Blüte jedoch erst in der Interaktion von Stimmen und Instrumentalklängen entfaltet. Denn die Musik des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Hoffmann illustriert die Bühnenhandlung, indem sie das emotionale Bühnengeschehen leicht und schwungvoll sehr unmittelbar spiegelt.

Die Gießener Inszenierung von „Die weiße Dame“ ist ein stimmungs- und eindrucksvolles Gesamtkunstwerk der Gefühle mit karikaturhaften Zügen, das Freunde des Musiktheaters nicht verpassen sollten.

  • Die nächsten Aufführungen sind am 21. Februar, 11. und 18. März, 16. April und 5. Mai jeweils um 19.30 Uhr sowie am 10. April um 15 Uhr im Großen Haus. Zudem überträgt hr2-kultur die Inszenierung am 20. Februar um 20.05 Uhr, Deutschlandradio Kultur am 27. Februar um 19.05 Uhr.

von Stephan Scholz

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