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Schöne neue Welt, Schrecken der Zukunft

Junges Stück im G-Werk Schöne neue Welt, Schrecken der Zukunft

Auf der Suche nach der Welt von morgen sind die Jugendlichen im Theaterstück „Tomorrow’s Parties“, das im G-Werk Premiere hatte. Das Publikum kann dabei eine Menge über die Welt von heute herausfinden.

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Die jungen Darsteller des Stücks „Tomorrow‘s Parties“ begeisterten mit ihrem Zukunfts-Stück im G-Werk.

Quelle: german stage service

Marburg. „Wir wollten es wissen“, erklären die sieben jugendlichen Darsteller dem Publikum. Wissen, wie die Erwachsenen sich die Zukunft vorstellen. Und dafür haben sie sie belauscht, haben sich in Kneipen neben sie gesetzt, sich unter dem Bett versteckt, in Tagebüchern geschnüffelt.

Und nun haben sie sich wiedergetroffen, in einem Raum, in dem anscheinend vor längerer Zeit ein „Büro für Zukunftsfragen“ zur Diskussion mit Politikern aller Parteien geladen hatte. Dass dabei etwas herausgekommen ist, mag man angesichts des verkommenen Zustands des Raums bezweifeln. Etwa so viel wie bei den diversen Klimakonferenzen wahrscheinlich.

Zukunftsvisionen

Das junge Ensemble, mit dem die Theaterformation „german stage service“ schon zum dritten Mal zusammenarbeitet, konfrontiert sein Publikum nun mit all den Zukunftsvisionen, die es auf seiner Reise erlauscht hat. Schöne neue Welten und apokalyptische Szenarien.

Das Regieteam aus Rolf Michenfelder und Anna Krauß lässt die sieben Darsteller bei der Kooperation mit dem Landschulheim Steinmühle, allein vier der Akteure gehen dort zur Schule, das Publikum die ganze Zeit direkt ansprechen. So fühlt man sich bemüßigt, diese Visionen mit den eigenen abzugleichen. Was hält man für möglich, was für völlig unwahrscheinlich? Wird alles besser oder katastrophal schlecht? Warum nur kann man sich eine Welt, auf der es keine Kriege mehr gibt, so gar nicht vorstellen?

Wird es auf der ganzen Welt so überfüllt sein wie heute in der Londoner U-Bahn? Werden wir uns von irgendeiner Nährpampe ernähren? Nur noch in virtuellen Welten leben? Uns klonen? Die angeblich erlauschten Vorstellungen drehen sich um die Zukunft der Natur, Sexualität, um Rassismus und Identität.

Was für eine Zukunft werden wir unseren Nachkommen zumuten? Und haben wir überhaupt Einfluss darauf? Die jungen Leute auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, die die Zukunftsvisionen mal nachdenklich, mal beiläufig, mal vorwurfsvoll formulieren, scheinen keine davon zu bevorzugen.

Themenvielfalt

Und obwohl die sehr gleichförmige Aneinanderreihung eine gewisse Monotonie mit sich bringt und die Möglichkeiten, den Text in Szene zu setzen einschränkt, so sorgen die Vielfalt der Themen und das präzise, authentische Spiel des Ensembles doch dafür, dass die anderthalb Stunden Theater enorm rasch vorbeigehen.

Wenn am Ende jeder Darsteller seine eigene, ganz persönliche Zukunftsvision für das eigene Leben präsentiert, ist man berührt ob des Mutes, sich angesichts so vieler Unwägbarkeiten so klar der Zukunft zu stellen. Das Publikum bedankte sich dafür mit riesengroßem Applaus.

von Heike Döhn

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