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Schöne Bilder ohne Leben

Premiere am Theater Marburg Schöne Bilder ohne Leben

Nach dem Regiewechsel und der damit verbundenen „Notoperation“ am Hessischen Landestheater bleibt festzuhalten: Der Patient „Revue“ lebt, aber zum Lachen ist ihm nicht zumute.

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Gergana Muskalla und Jürgen Helmut Keuchel bewohnen eines der Zimmer in der Revue „Nacht und Träume“.

Quelle: Ramon Haindl

Marburg. Zwei Wochen blieben Intendant Matthias Faltz, den neun Darstellern und der vierköpfigen Band, eine aufwändige Revue-Produktion zu retten.

Vorab: Das von dem geschassten Regisseur Lars Reichow entwickelte und von Fred Bielefeldt umgesetzte Bühnenbild ist eindrucksvoll. Es zeigt ein Haus mit sechs Zimmern, unten in der Mitte residiert hinter einem Gaze-Vorhand die Band. In den Zimmern stehen Betten, wechselnde Stimmungen werden durch eine ausgeklügelte Lichtregie erzeugt, die Tapeten mit 70er Jahre-Muster, Wald oder Alptraumsequenzen an die Rückwände projiziert.

Die Band ist fantastisch: Sven Demandt, Jens Dörr, Olaf Roth und Christian Schiller spielen souverän alles, was man von ihnen erwartet: Rolling Stones-Hits, Beatles-Klassiker, Kurt Weill oder Frank Sinatra.

Die Frauen im Ensemble – Oda Zuschneid, Franziska Knetsch, Gergana Muskalla und Claudia Mau – singen toll, die Männer – Tobias M. Walter, Jürgen Helmut Keuchel, Martin Maecker, Johannes Hubert und Alexander Piskorz – nicht. Selbst die grippe-geplagte Oda Zuschneid, die in Black Rider eine grandiose Teufelin gibt, steckte sie bei der Premiere am Freitag vor 340 Zuschauern in der Stadthalle locker in die Tasche.

Aber Schauspieler müssen nicht notwendig singen können – doch bei dieser Produktion bleibt ansonsten nicht mehr viel. Da Lars Reichow nach seiner Kündigung verboten hatte, seine Texte zu verwenden, war die Not groß. Was bei Reichow in den Zimmern passiert wäre, weiß das Publikum nicht. Bei Faltz passiert dort jedenfalls so gut wie nichts. Es gibt keine erkennbare Dramaturgie. Die Schauspieler rezitieren Shakespeare-Sonette, Texte von Erich Kästner, Hermann Hesse und Heinz Erhardt. Die Moderatoren Stefan Alexander Piskorz und Oda Zuschneid verknüpfen die Musiknummern mit Erkenntnissen aus Schlaflabors: So erfährt der Zuschauer, dass der Deutsche statistisch um 21.46 Uhr schlafen geht und ein Drittel seines Lebens schlafend verbringt.

Unterhaltung geht anders.

„Nacht und Träume“ ist am 15. und 22. Februar, jeweils ab 19.30 Uhr in der Stadthalle zu sehen.

von Uwe Badouin

Mehr lesen Sie am Montag in der Printausgabe der OP.

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Morgen Abend feiert das Hessische Landestheater um 19.30 Uhr in der Stadthalle Premiere mit der Revue „Nacht und Träume – Musik im Licht der Dunkelheit“. Man darf gespannt sein, ob der Regiewechsel Früchte trägt.

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