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Schnelle Linien entfalten große Kraft

Ausstellung von Klaus Schlosser Schnelle Linien entfalten große Kraft

Nach drei Jahren Pause kehrt der Kunstverein in die Stadthalle zurück. Den Auftakt machen schnell gezeichnete Blickfänger von Klaus Schlosser aus Acryl und Graphit.

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Klaus Schlosser mit seiner Zeichnung "Sieger und Verlierer" (2017).

Quelle: Viet Duc Le

Marburg. Die Ehre, den Kunstverein als erster im neuen Erwin-Piscator-Haus zu repräsentieren, hat seit Mittwoch der Maler Klaus Schlosser. Im Mittelpunkt seiner Ausstellung steht der Mensch. Auffällige Farben aus Acryl, leichte Konturen und der flüchtige Auftrag zeichnen seinen Stil aus. Was auf den ersten Blick gegenstandslos und durcheinander erscheint, zeigt beim näheren Hinsehen Personen und Ereignisse.

„Für mich muss die Figur immer mit dabei sein“

Es gibt zwar absolut gegenstandslose Bilder anderer Künstler, die Schlosser für hervorragend hält, doch für seine eigenen Zeichnungen benötigt er stets Protagonisten. ,,Der Mensch ist fehlerhaft, hat Schwächen und ist militant. Wir sind von Problemen geplagt, oft werden wir fehlgeleitet“, sagt er. Nicht selten sind Bilder aus dem Tagesgeschehen und der Zeitung Anregungen für seine Zeichnungen und Malerei. Dabei schreckt er nicht davor zurück, ernste Themen auf die Leinwand zu bringen.

Das auf Platte gezeichnete und gemalte Bild „Aleppo“ (2017) stellt mit dem aggressiven Einsatz von Rot- und Gelbtönen sowie auf den ersten Blick wirren Linien beispielhaft das Chaos im von Kriegen erschütterten Nahen Osten dar. Die Silhouetten, die offenbar Menschen verkörpern, spiegeln die Verlierer des Krieges wider.

Trotz der negativen Energie, die in seine Bilder floss, ist Klaus Schlosser optimistisch. Beispielsweise sieht er den heutigen Populismus bloß als vorübergehende Erscheinung.

„Die Linie gibt meinen Bildern Halt“

Im Kontrast zu der harten Realität stehen allerdings auch Zeichnungen Schlossers, die die Leichtigkeit und die Freuden des Lebens darstellen. Eine eher zwanglose Zeichnung ist „Egon lässt grüßen“(2015), eine Hommage an den österreichischen Maler Egon Schiele.

In der Kunst definiert man mit der Linie Objekte. Sie ist jedoch mehr als nur ein Werkzeug, das Dinge kennzeichnet und abgrenzt. Für Schlosser ist sie, ähnlich wie in der Grafik, das Grundgerüst für seine Bilder. „Während des Zeichnens und des Studiums habe ich gemerkt, dass Spannungen entstehen, wenn man Linien einsetzt“, erklärt Schlosser. „Die Linie entfaltet eine große Kraft, wenn man sie skizzenhaft, wie beim Schreiben, einfach laufen lässt.“ Meist male er zuerst eine kleine Skizze, bevor sie groß ausgeführt werde, sagt er über den Prozess. Dabei scheut sich Schlosser nicht zu experimentieren.

Die Kunst besitze allerdings auch Grundwahrheiten, die man nicht vergessen sollte. Dazu zählt er zeichnerische und bildnerische Qualitäten sowie die Abbildung der Natur.

Als Vorbilder nennt Klaus Schlosser neben expressionistischen Künstlern wie Dix, Grosz oder Baselitz vor allem die Alten Meister. Dürer oder Rembrandt bewundert er besonders.

von Viet Duc Le

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