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Schlaue Diebin trifft bornierten Amtsrat

Der Biberpelz am Hessischen Landestheater Schlaue Diebin trifft bornierten Amtsrat

Eine „Diebskomödie“ hat Gerhart Hauptmann sein 1893 uraufgeführtes naturalistisches Drama „Der Biberpelz“ genannt. In Marburg holt es Regisseur Marc Wortel ein Stück weit in unsere Zeit. Premiere ist am Samstzag, 26. Oktober.

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Der bornierte Amtsvorsteher von Werhahn (Sebastian Muskalla, Mitte hockend) sucht einen Dieb und erkennt ihn nicht: Harmlos verfolgt die Frau Wolff (Christine Reinhardt, 2. von rechts), die echte Diebin, seine fruchtlosen Bemühungen.Foto: Christian Buseck

Quelle: Christian Buseck

Marburg. Der Schlesier Gerhart Hauptmann (1862 - 1946) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Naturalismus. Um die Jahrhundertwende war der 1912 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnete Autor einer der produktivsten deutschen Dramatiker mit einem bis heute wohl kaum erreichten Rekord: Im Jahr 1893 erlebten gleich drei große Stücke von ihm in Berlin ihre Uraufführung - „Die Weber“, „Der Biberpelz“ und „Hanneles Himmelfahrt“.

Heute sind die meisten seiner 44 (!) Stücke in Vergessenheit geraten - Ausnahmen sind „Die Weber“, „Die Ratten“ und eben „Der Biberpelz“, den das Landestheater jetzt als vierte Produktion der laufenden Spielzeit auf die Bühne bringt.

„Blinde Kaisertreue trifft auf kriminelles Potenzial, adeliger Baron auf einfache Waschfrau - so fasst das Landestheater die Geschichte prägnant zusammen. Im Mittelpunkt steht die arme Waschfrau Wolff, die ihrem Glück mit kleinen Gaunereien nachhilft. Mal einen gewilderten Rehbock verkauft, mal Holz unterschlägt und schließlich einen Biberpelz stiehlt und ihn verkauft. Sie landet vor Gericht und setzt sich mit ihrer derb-schmeichelnden Art durch.

Bis heute gilt „Der Biberpelz“ als eine der wenigen großen deutschen Komödien, bis heute ist die Rolle der Mutter Wolffen bei Charakterdarstellerinnen ungemein begehrt. In Marburg schlüpft Christine Reinhardt in die große Rolle. Jürgen Helmut Keuchel spielt ihren Mann, einen gutmütigen Trottel. Den Wolff-Nachwuchs spielen die Schauspieler Julia Glasewald und Ogün Derendeli. Als kaisertreuer, bornierter und ziemlich betriebsblinder Baron von Werhahn ist Sebastian Muskalla zu sehen. Werhahn verfolgt lieber Freidenker, Sozialdemokraten und Liberale, als die Diebstähle wirklich aufzuklären. Ein Freibrief für die gute alte Mutter Wolffen. Thomas Huth, Thomas Streibig, Tobias M. Walter sowie der Gastschauspieler Fabian Baumgarten und Johannes Hubert komplettieren das Ensemble.

Inszeniert wird die Komödie von Marc Wortel, der in Marburg bislang zwei zeitgenössische Stück auf die Bühne gebracht hat: „Solange du lügst“ und „Aus der Mitte der Gesellschaft“. Der Niederländer Wortel, der 2010 sein Regiestudium an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch” in Berlin abschloss, bringt den Naturalisten Hauptmann aber keineswegs naturalistisch auf die Bühne. Man darf gespannt sein auf seinen Hauptmann.

Wortel arbeitet mit dem international tätigen Ausstatter Donald Becker zusammen. Und bei ihm gibt es keine ärmliche Wohnstube oder 19.-Jahrhundert-Amtsstube sondern eine aufklappbare überdimensional große Zielscheibe, einen Einsatzwagen und Kostüme und Masken, die den Figuren auf der Bühne eine gewisse Skurrilität verleihen sollen.

Der Biberpelz“ hat am Samstag, 26. Oktober, um 19.30 Uhr auf der Bühne des Landestheaters Premiere. Danach macht sich die Komödie rar. Weitere Aufführungen sind am 14. November und am 28. Dezember sowie um 16 und 20 Uhr an Silvester. Der Grund: Im November und Dezember ist die Bühne im Theater am Schwanhof durch das Weihnachtsstück „Momo“ fast durchgehend blockiert.

Karten gibt es an der Theaterkasse in der Galerie Classica sowie auf der Theaterhomepage unter www.theater-marburg.de

von Uwe Badouin

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