Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Schicksalsgöttin kommt nach Marburg

SSO führt Carmina Burana auf Schicksalsgöttin kommt nach Marburg

Mutig und für Marburger Musikfans großartig ist das Vorhaben des SSO und des Konzertchors: Die Schlossparkbühne wird am Samstag und Sonntag, 5. und 6. Juli, Bühne für einen Meilenstein der Musik

Voriger Artikel
Der verbotene Traum von der Freiheit
Nächster Artikel
Blasmusik trifft Kunst

Das Studenten-Sinfonie-Orchester präsentiert zum Semesterabschluss gemeinsam mit dem Marburger Konzertchor Carl Orffs Meisterwerk „Carmina Burana“.Foto: Peter Müller

Marburg. Die „Carmina Burana“, die „weltlichen Gesänge für Soli und Chor mit Begleitung von Instrumenten und mit magischen Bildern“ machten 1937 einen bis dahin weitgehend unbekannten Komponisten schlagartig berühmt: Carl Orff ahnte wohl schon kurz nach der Uraufführung am 8. Juni 1937 in Frankfurt, dass sein Meisterwerk über den ewigen Kreislauf des Lebens ein Erfolg werden würde: „Alles, was ich bisher geschrieben und Sie leider gedruckt haben, können Sie nun einstampfen! Mit Carmina Burana beginnen meine gesammelten Werke!“, schrieb er an seinen Frankfurter Verleger.

Dem Konzert von SSO und Marburger Konzertchor vorangegangen waren heftige Querelen in der Marburger Musikszene. Ursprünglich sollte die „Carmina Burana“ am 20. Juni zum Abschluss des Marburger Theatersommers mit verschiedenen Marburger Chören aufgeführt werden. Doch die Kurhessische Kantorei und die Kantorei der Elisabethkirche stiegen aus.

Nun kommt sie doch, als großes Semesterabschlusskonzert des SSO gemeinsam mit dem renommierten Marburger Konzertchor. Die Leitung hat SSO-Dirigent Ulrich Manfred Metzger, Solisten sind Katharina Borsch (Sopran), Michael Elliscasis (Tenor) und Martin Schmidt (Bariton).

Im vom SSO geplanten Ablauf gibt es noch eine weitere Änderung: Am Samstag, 5. Juli, war die „Carmina Burana“ eigentlich auf dem Markplatz geplant, weil die Schlossparkbühne von der Band „Garden of Delight“ belegt war. Nach der Absage dieses Konzerts finden beide „Carmina Burana“-Aufführungen auf der großen Freilichtbühne im Schlosspark statt.

Bis heute ist die „Carmina Burana“ Orffs mit Abstand populärstes Werk. Es wird häufiger aufgeführt als etwa Beethovens Neunte oder Händels „Messias“.

Carl Orff war eher zufällig in einem Antiquariatskatalog auf die Lieder aus Benediktbeuern gestoßen. Kaum hatte er die Ausgabe des Münchner Bibliothekar Andreas Schmeller aus dem Jahr 1847 mit seinen mittelalterlichen Liebes-, Trink- und Spielerliedern in den Händen, war der Komponist hin und weg: „Bild und Worte überfielen mich. Orff wählte aus der Sammlung 24 Kantaten aus, die er zu einem dreiteiligen Werk zusammengestellt hat rund um die Schicksalsgöttin Fortuna: Im „Frühling“ geht es um Frühlingserwachen und erotisches Begehren, in dem Teil „In Taberna“ ironisiert er Völlerei und Glücksspiel, im drittel Teil „Cour d‘amour“ geht es um Wollust. All dies wird in lateinischen, mittelhochdeutschen und altfranzösischen Texten erzählt und begleitet durch bisweilen archaisch wirkende Klänge. Den nationalsozialistischen Machthabern gefiel das Werk keineswegs, sein Siegeszug war aber nicht aufzuhalten: Der Gesang zu Ehren der Schicksalsgöttin „O fortuna“ wurde mehr als 60 Mal für Film- und Fernsehproduktionen verwendet.

Die Aufführungen sind am Samstag, 5. Juli, um 16.30 Uhr und am Sonntag, 6. Juli, um 20.30 Uhr auf der Schlossparkbühne. Karten gibt es im Musikhaus am Biegen, an der Touristeninformation sowie in den Mensen (20 Euro/ermäßigt 10 Euro). Am Mittwoch, 2. Juli, findet um 18 Uhr im Hörsaal 00/0070 des Hörsaalgebäudes, Biegenstraße 14, ein Einführungsvortrag zu den Schriften der Carmina Burana statt. Die Dozenten sind Professorin Monika Rener und Dr. Panja Mücke.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr