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Scherzartikel-Verkäufer suchen Glück

„Eine Taube sitzt ...“ Scherzartikel-Verkäufer suchen Glück

Beim Filmfest Venedig gewann „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ den Hauptpreis – tatsächlich ist dies eine Satire von außergewöhnlichem Format.

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Sie möchten helfen, Spaß zu haben: Jonathan (Holger Andersson, links) und Sam (Nils Westblom) auf ihrer glücklosen Mission als Vertreter für Scherzartikel.

Quelle: Neue Visionen Filmverleih

Der schwedische Regisseur Roy Andersson ist für seinen lakonischen, trockenen Humor bekannt. Auch mit seinem aktuellen Spielfilm lädt der 71-Jährige die Zuschauer zu absurdem Theater ein. Dutzende Episoden um arme Würstchen und reiche Schnösel, Kneipenmelancholie, Altenheimfrohsinn und gesellschaftliche Missstände wirken alle wie kleine Auszüge aus großen Theateraufführen der exzentrischen Art. Dabei wird allerdings ganz handfest das ganze Welttheater gespiegelt. Beim Filmfest Venedig gab es für das Werk im September den begehrten Goldenen Löwen.

Durch die Episoden führen die Versuche zweier Scherzartikel-Verkäufer, die ihre Lachsäcke, Monstermasken und Vampirzähne gewinnbringend verkaufen wollen. Doch niemand greift zu. Das Geschäft geht den Bach runter. Dabei wird schnell klar, dass Andersson mit allem skurrilen Witz darauf anspielen will, wie wichtige ethische und soziale Maßstäbe von der Profitgier der bürgerlichen Gesellschaft missachtet werden.

Bilder weit weg vom Kinoalltag

Der seltsame Titel des Filmes bezieht sich auf den ebenso seltsamen Auftritt eines kleinen Mädchens bei einer Schulaufführung. Andere Momentaufnahmen zeigen einen aus der Vergangenheit im Heute auftauchendenKönig, eine Tanzlehrerin, einen vergeblich Liebenden und viele andere groteske Figuren. Sie alle leben in einer Welt, die wie gemalt aussieht. Da wirken die zwei Scherzartikelverkäufer gelegentlich wie die Führer in einer Gemäldegalerie.

Die Bilder, die Roy Andersson mit großem theatralischen Ges­tus ausstellt, sind weit entfernt von dem, was im Kinoalltag dominiert. Filmfans, die opulente Action und trickreiche Effekte lieben, werden nicht bedient. Stattdessen legt der Regisseur perfekt durchchoreografierte Szenen vor, jede aus einer festen Perspektive mit einer starren Kameraeinstellung gefilmt. In mühevoller Arbeit bis zur Perfektion geprobt, wird jede Sequenz ein Kunstwerk für sich. Andersson wendet sich damit an Freunde des Kunstvollen. Sie werden jubeln.

  • Der Film läuft ab 1. Januar im Filmkunsttheater.

von Peter Claus

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