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Schauspielerin bewegt das Publikum

Nina Hoger bei Marburger Schlosskonzerten Schauspielerin bewegt das Publikum

40 Jahre „Marburger Schlosskonzerte“ wurden am Samstagabend im Schloss mit einem feierlichen Empfang und einem anschließenden Jubiläumskonzert gefeiert.

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Die Schauspielerin Nina Hoger las Texte von Else Lasker-Schüler, das Ensembie um den Klarinettisten Reinald Noisten spielte dazu mitreißende Klezmer-Musik. Fotos: Bernshausen

Quelle: Benedikt Bernshausen

Marburg. Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel, Schirmherr der Marburger Schlosskonzerte, würdigte die Arbeit der Marburger Musikfreunde, allen voran ihre Vorsitzende Claudia Nehrig, für ihr Engagement und ihren Beitrag zur Kulturlandschaft der Region.

Der Verein hatte für das Jubiläumskonzert im Fürstensaal besondere Gäste eingeladen: Die Schauspielerin Nina Hoger, bekannt aus „Tatort“ und zahlreichen weiteren TV-Produktionen, und das Klezmer-Ensemble Noisten. Das Ensemble setzen sich zusammen aus Reinald Noisten an der Klarinette, Andreas Kneip am Kontrabass und der Ukulele, Claus Schmidt an Gitarre und Bouzouki und Shan Devagurparan an der Tabla und anderen indischen Schlaginstrumenten.

Bereits die Instrumentierung deutet es an: Das Ensemble mixt Traditionen der jüdischen Volksmusik mit anderen musikkulturellen Einflüssen.

Reizvolle Kontraste

Das musikalisch-literarische Erlebnis setzte sich zusammen aus Gedichten der deutsch-jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler (1869-1945), von Nina Hoger gelesen und eingebettet in Anekdoten aus deren Leben, und den musikalischen Kommentaren und Ergänzungen des Ensemble Noisten.

Die Werke Lasker-Schülers zeichnen sich aus durch eine teils kindliche Leichtigkeit, sie gleichen zuweilen märchenhaften Erzählungen. Dieser Eindruck wird gekontert durch Werke von tiefer Melancholie und Trauer. Denn neben Prinzen und Prinzessinnen aus einer bunten Märchenwelt erzählt Else Lasker-Schüler von dunklen Nächten und gibt von tiefer Trauer getrieben preis: „Hinter meinen Augen stehen tausend Wasser, die muss ich alle weinen.“

Nina Hoger berührte das Publikum mit ihrer warmen, tiefen Stimme, ihrer klaren Sprache und ihrem einfühlsamen Vortrag. Sie setzte die starken Emotionen, die Lasker-Schülers Texten innewohnen, mit großem Einfühlungsvermögen um. Mit Erzählungen und Anekdoten aus dem Leben Lasker-Schülers ließ sie die Dichterin an diesem Abend greifbar werden.

Das Ensemble Noisten ergänzte Hogers Vortrag mit einer Synthese aus jüdischem Klezmer und Einflüssen unter anderem aus indischer, spanischer und griechischer Folklore. Mit ihrer einfühlsamen Interpretation und der gelungenen und stimmigen Vermischung diverser musikkultureller Einflüsse ergänzten die vier Musiker die facettenreichen und tiefsinnigen Gedichte und Anekdoten perfekt. Das Quartett berührte und betörte das Publikum mit musikalischer Präzision, virtuosem Können und großer Spielfreude.

Publikum ist begeistert

Mit häufigen Tempo- und Rhythmuswechseln und spannender Dynamik erzeugten sie eine reizvolle Klangerfahrung. Die tiefen Emotionen der Gedichte beantworteten sie mit passendem musikalischen Ausdruck und schafften mit ihrer musikalischen Mixtur einen exotischen und reizvollen Kontrast zur europäisch-historischen Kulisse des Fürstensaals.

Die etwa 130 Veranstaltungsbesucher bedankten sich mit langanhaltendem, begeisterten Schlussapplaus und erbaten sich eine Zugabe.

von Sabrina Ilona Teufel

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