Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Schaufenster der lokalen Kunstszene

Kunst in Marburg Schaufenster der lokalen Kunstszene

Der Kunstverein hat Mut: Deutschland spielt am Freitag im Viertelfinale der Fußball-WM gegen Frankreich, wenn er um 18 Uhr die Ausstellung „Kunst in Marburg“ eröffnet. Der Termin steht allerdings schon seit eineinhalb Jahren fest.

Voriger Artikel
Nachhaltiger Einsatz für das Theater
Nächster Artikel
Kirsten Fründt: „Landkreis sagt Danke“

Angelika Bernhammer vom Kunstverein richtet die großformatigen Fotografien von Florian Conrads (oben) und Heike Heuser (unten) aus. Mit dem Zollstock werden die Abstände zwischen den Bildern überprüft. Der in Lohra lebende Künstler Jan Luke (links) hat seine Installation „Feuerstelle“ eine Woche lang vorbereitet. Sabine Funk (unten Mitte) präsentiert Masken aus Wolle.
Fotos: Tobias Hirsch (3) / privat

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Fünf Tage lang hat Jan Luke an seiner Feuerstelle in Lohra verbracht. Fünf Tage, in denen er nachgedacht hat über seine Installation, über die „transformatorische Kraft des Feuers“, über Nahrung, Wärme, Leben und Tod. All dies ist für den 34-jährigen Keramiker mit Feuer eng verknüpft. Genauso wie Brot: Luke hat sehr ursprüngliches Brot gebacken und aus diesem Brot Masken hergestellt.

Die Feuerstelle hat der 34-Jährige, der in der Keramik-Meisterklasse von Professor Frank Louis in Linz und ab 2007 an der Kunsthochschule Kassel studierte, als Installation in den Kunstverein gebracht. Sie sind dort gemeinsam mit den Brotmasken und Bildern, die das Feuer auf Papier „gemalt“ hat, zu sehen.

Jan Luke ist einer von 23 Künstlerinnen und Künstlern, die eine Jury zu der Ausstellung Kunst in Marburg eingeladen hat. Die Juroren und Kuratoren der Ausstellung waren die Künstlerinnen und Künstler Ursula Eske, Ulrich Harder, Helmi Ohlhagen, Beate Seibel und Edgar Zieser. Sie zeichnen für die Auswahl verantwortlich. Dieses Procedere ist neu beim Kunstverein.

„Kunst in Marburg“ hat eine lange Geschichte. Es ist über die Jahrzehnte für die heimische Kunstszene die wohl wichtigste Ausstellung, die aber auch stets Kontroversen auslöste. „Kunst in Marburg“ ist das Schaufenster der heimischen Kunstszene. Und dieses Schaufenster wird immer wieder neu bestückt.

Seit 2002 findet „Kunst in Marburg“ in der großzügigen Ausstellungshalle des Kunstvereins am Gerhard-Jahn-Platz statt. Jeder Künstler, der dort ausstellen darf, ist begeistert von den fast museal wirkenden Räumen. Heimische Künstler haben nur selten die Chance, dort auszustellen, denn man braucht ein großes, aussagekräftiges Werk, um diese Hallen zu bespielen.

Eine Ausnahme ist „Kunst in Marburg“. Dort ist man nicht alleine mit den langen hohen Wänden, den großen Flächen.

Der Kunstverein hat alles Mögliche versucht, die Gruppenausstellung in Bahnen zu lenken.In der Vergangenheit konnten sich Künstlerinnen und Künstler bewerben, sandten drei oder vier oder mehr Arbeiten ein und eine Kunstvereins-Jury wählte dann die Künstler und deren Arbeiten aus. Eine Mammutaufgabe für die Jury. Sie musste hunderte Arbeiten sichten und dennoch gab es enttäuschte Gesichter bei denen, die abgelehnt wurden, weil der Platz oder die Qualität dann doch nicht reicht.

Aufgrund dieser Erfahrungen hat der Vorstand des Kunstvereins 2013 beschlossen, zu jeder Ausstellung eine neue Jury einzusetzen, die wiederum Künstlerinnen und Künstler anspricht und einlädt. Weil die Jurys wechseln werden, hofft der Vorstand um den Vorsitzenden Dr. Gerhard Pätzold, dass durch die unterschiedlichen Kunstauffassungen und Kriterien der wechselnden Juroren über die Jahre die Vielfalt in der heimischen Kunstszene abgebildet wird und gleichzeitig interessante und spannende Ausstellungen präsentiert werden.

Der Start macht neugierig. Zu sehen sind in einer spannenden Schau von Freitag an Malerei und Grafik, Skulpturen und Installationen, viele Fotoarbeiten und Fotoradierungen sowie Animationsfilme und Strickobjekte von folgenden Küstlerinnen und Künstlern:

Renate Brühl, Tim van den Bovenkamp, Xiuyuan Chen, Boyun Choi, Florian Conrads, Nasim Fattahi, Sabine Funk, Christina Geiger, Sonja Hauptmannl, Heike Heuser, Quitan Huang, Reinhard Keller, Jan Luke, Birka Machmor, Masanobu Mitsuyasu, Susanne Neuner, Tanja Reitz, Susanne Saker, Burgi Scheiblechner, Juan Miguel Restrepo Valdes, Gerda Waha und Angela Weber.

Zu dieser Gruppe gehören Künstlerinnen und Künstler, die ihre Wurzeln in Marburg, aber auch anderenorts in Deutschland haben. Andere kommen aus Österreich, China, Japan, Kolumbien, Südkorea, aus den Niederlanden und dem Iran, leben, arbeiten oder studieren derzeit aber in Marburg.

Die Altersspanne reicht von Mitte 20 bis Mitte 70. Einige sind Studenten, einige Dozenten. Andere sind von Beruf Theatermalerin und Buchbinderin, Architekt oder Steinmetzmeister.

Die Ausstellung wird morgen um 18 Uhr eröffnet. Zur Eröffnung spricht das Jurymitglied Edgar Zieser. Die Ausstellung ist bis zum 21. August zu sehen, geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr.

Zu der Ausstellung „Kunst in Marburg 2014“ ist ein Katalog mit Werkbeispielen und Künstlerbiografien erschienen. Er kostet 10 Euro.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr