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„Schau mich an und nicht auf meine Augen“

Theatergruppe NachtSicht „Schau mich an und nicht auf meine Augen“

Mit „Blick:Fang“ hat die Theatergruppe NachtSicht ein beeindruckendes Stück auf die Bühne gebracht. Am Donnerstagabend war Premiere in der Waggonhalle.

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Eine Szene aus der Produktion des Theaterstückes „Blick:Fang“.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Die Theatergruppe der Blindenstudienanstalt Marburg hat mit „Blick:Fang“ ein ebenso nachdenkliches wie unterhaltsames Stück inszeniert. Dabei bewegen sich die selbst verfassten Texte und Lieder ganz nah an der Lebenswelt der Studierenden.

Viele der Szenen drehen sich um das Thema Liebe. „Wie sieht er aus, der Geliebte?“, fragt eine junge Frau und lässt bei der Beschreibung ihrer Fantasie freien Lauf. „Wie sehe ich aus? Habe ich eine Chance bei der Angebeteten?“, überlegt ein junger Mann. Und: „Wie erkenne ich sie bei unserem 
ersten Date im Café?“

Sehr selbstbewusst thematisieren die Darstellerinnen und Darsteller ihre vielschichtigen Erfahrungen und machen klar, wie schwierig der Alltag für sie oft ist. Da geht es um Arztbesuche und Kontaktanzeigen, um Hoffnungen und Ängste, um schöne Träume und den Wunsch, akzeptiert zu werden. „Schau mich an und nicht auf meine Augen“, heißt es da. Und weiter: „Viele denken, sehbehindert ist gleich unterbelichtet.“

Tolle Ideen und talentierte Darsteller

Neben ernsten Tönen gibt es auch viel Humorvolles und viel Selbstironie in dem Stück. Herrlich ist die Szene, in der zwei Frauen einen überdrehten Werbespot für Blindenstöcke spielen. Weil die Leute auf der Straße einfach nicht aus dem Weg gehen wollen, hat dieses spezielle Stockmodell Stacheln am unteren Ende. Damit kann man die lästigen Passanten wunderbar ins Schienbein stechen und zur Seite schubsen.

Überhaupt lebt das Stück vor allem von den tollen Ideen und den vielfältigen Talenten der Schauspielerinnen und Schauspieler. Durchweg spielen und singen alle sehr gekonnt und sind mit viel Engagement dabei. Zum Gelingen der Inszenierung tragen auch die Musik und das Bühnenbild bei (Regie: Karin Winkelsträter). Die Studierenden sitzen an Caféhaus-Tischen mit kleinen Lämpchen und 
alten Schreibmaschinen drauf.

Auf den Schreibmaschinen werden sehr effektvoll rhythmische Klänge erzeugt, die Lämpchen häufig ein- und ausgeschaltet. Viele Szenen sind nur spärlich beleuchtet oder spielen ganz im Halbdunkeln, so dass sich die Zuschauer ein bisschen besser in die Welt der Sehbehinderten einfühlen können. Am Schluss der eindrucksvollen und fantasievollen Inszenierung gab es bei der Premiere am Donnerstag vergangener Woche stürmischen Beifall und etliche 
Bravorufe.

Weitere Aufführungen sind für den 14. und 15. Juni jeweils ab 20 Uhr vorgesehen. Schulvorstellungen sind auf Anfrage 
am 14./15. Juni vormittags möglich (Anmeldung bis 1.6., 06421/83902). Die Theatergruppe NachtSicht der Blindenstudienanstalt spielt in Kooperation mit dem ACTeasy Jugendtheaterclub Marburg bereits seit 19 Jahren unter professioneller Leitung Theater.

von Bettina Preussner

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