Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Schattentiere und Himmelszelte

Anzefahrer Hans Schohl stellte in Japan aus Schattentiere und Himmelszelte

Die Japaner lieben offensichtlich die kinetischen Objekte des in Anzefahr lebenden Künstlers Hans Schohl. Er wurde zu zwei großen Ausstellungen eingeladen – in Ube und in Nakanojo.

Voriger Artikel
„Softeis“ will Burgruine Mellnau rocken
Nächster Artikel
The Wall kommt ins Kino

Der „Bildhauer und Maschinenbauer“ Hans Schohl wurde wieder zu Ausstellungen nach Japan eingeladen. Er zeigt seine Objekte in Ube und Nakanojo.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Hans Schohl ist fasziniert von Japan, von der Kultur, dem Essen, den Menschen. „Vieles kommt Europäern sehr fremd vor, vieles aber ist auch fast wie bei uns“, sagt der 62-Jährige, der einer der bekanntesten heimischen Künstler ist. Er ist begeistert von der Hilfsbereitschaft und der Höflichkeit der Menschen im Land der aufgehenden Sonne, das zudem sehr friedlich sei, wie er betont.

Obwohl er am kommenden Freitag zu seiner siebten Reise nach Japan aufbricht, inzwischen viele Monate in dem Land verbracht hat und in den vergangenen Jahren viele Kontakte vor allem zu Künstlern aufgebaut hat, weiß er: „In Japan bleibt man ein Fremder.“ Ein Gaijin, ein „Mensch von draußen“. Hans Schohl will wieder gut zwei Monate in Japan verbringen. Seinen Pilgerstab mit den Bärenglocken nimmt er ebenso mit wie sein Pilgerbuch, um das Land und seine Kultur weiter zu erkunden.

2007 hat diese besondere Beziehung zu Japan begonnen. Damals bewarb er sich mit seinen kinetischen Objekten erstmals für eine Ausstellung in Ube, einer Küstenstadt im Südwesten der Hauptinsel und wurde prompt zur Biennale eingeladen. Mit seinen ebenso ungewöhnlichen wie faszinierenden Arbeiten gewann er gleich den „excellent prize“ und den Publikumspreis der großen Gruppenausstellung.

Himmelszelte brachten Preis ein

Es folgten Einladungen zur 1. und 2. internationalen Biennale in der Großstadt Kobe – wieder gewann Schohl Preise. Die Japaner mochten seine irritierend-witzigen Vulkane, aus deren Kratern Pilze aufstiegen. Es waren nicht die einzigen internationalen Anerkennungen für Schohl:

2010 wurde er bei der Ausstellung artelaguna im venezianischen Arsenal als bester ausländischer Künstler ausgezeichnet. Dort präsentierte er seine „Himmelszelte“, die jetzt auf dem Weg ins japanische Ube sind, wo sie vom 4. Oktober bis 29. November bei einem internationalen Skulpturen-Wettbewerb gezeigt werden.

Ganz neu und doch ganz im Schohl‘schen Stil sind seine „Animal Shadows“, die er bei der Biennale in Nakanojo vom 12. September bis 12. Oktober zeigen wird. Nakanojo ist eine Stadt etwa 200 Kilometer nordwestlich von Tokio gelegen. Die Region ist bekannt für ihre Onsen, wie Japaner ihre heißen Quellen nennen.

300.000 Besucher kamen laut Schohl zur letzten Biennale in dem Bergstädtchen, das vom Tourismus lebt. Mehr als 130 Künstlerinnen und Künstler stellen dort aus. Den Kontakt zur Biennale in Nakanojo stellte die japanische Künstlerin Juko Ono her.

Aus dreien wird eins – dann wieder drei

„Maschinen“ nennt Schohl seine Objekte. Stahldrähte werden in seinen drei „Animal Shadows“ in einem etwa 50 mal 100 Zentimeter großen Eisenrahmen von einem kleinen Elektromotor angetrieben. An ihren Enden hängen verkümmerte, gekrümmte menschliche Figuren. Angeleuchtet werden sie von einer kleinen Lichtquelle und so als Schatten extrem vergrößert.

Diese Figuren bewegen sich langsam aufeinander zu – bis sich ihre Schatten zu einer neuen Gestalt vereinen. Zu Tieren. Ein Schwein, ein Rind, ein Huhn. Danach trennen sie sich wieder, um sich schließlich wieder zu Tieren zu formieren. Umkreist wird das Schattengebilde von Schohls typischen Himmelskörpern, die er ebenfalls aus Stahldraht gebogen hat.

Der 1952 in Landstuhl geborene Künstler, der Germanistik, Politik und Kunst studierte und viele Jahre lang als Lehrer an der Blista arbeitete, betrachtet sich als „Bildhauer und Maschinenbauer“. Schohl, Mitglied der Künstlergruppe Werkstatt Radenhausen, arbeitet mit Eisen, das eine rostige Patina haben sollte, und anderen Materialien wie Holz, Federn oder Papier, die er zu Skulpturen mit einer klaren, einfachen Mechanik zusammenfügt. Von zentraler Bedeutung sind der kleine Motor und die Lichtquelle, die die faszinierenden Schattenspiele ermöglicht. Die Schatten sind wesentliche Bestandteile seiner Objekt-Inszenierungen.

Auf Japaner üben sowohl seine handwerklichen Mechaniken als auch die Schatten eine besondere Faszination aus. Schatten, sagt Schohl, hätten in der Zen-Kultur Japans eine große Bedeutung. Auch die Langsamkeit seiner Mechaniken hat etwas Meditatives.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr