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„Sammlung hat meine Kindheit geprägt“

Ausstellung im Unimuseum „Sammlung hat meine Kindheit geprägt“

Seit Jahren schlummern die Kunstwerke der „Sammlung Hilde Eitel“ im Magazin des Kunstmuseums der Philipps-Universität. Eine Ausstellungsreihe im Schloss will den Vorhang lüften.

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Zahlreiche Besucher kamen am Dienstag zur Eröffnung der ersten Ausstellung zur Sammlung Eitel in das Landgrafenschloss, um sich Kunstwerke wie den „Mini Crazy Bird“ von Niki de Saint Phalle anzusehen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Am Dienstagabend wurde im Landgrafenschloss die Ausstellung „Abenteuer der Kunst – Sammlung Hilde Eitel­ #1“ eröffnet. Es ist der Auftakt einer vierteiligen Ausstellungsreihe, die den Schleier um die Sammlung der Marburger Unternehmerin ein wenig lüften soll. Unipräsidentin Professorin Katharina Krause sprach vor zahlreichen Gästen im Fürstensaal von einem „großen Geschenk, auf dessen Gesamtentfaltung wir noch etwas warten müssen“.

Die Kunstsammlung der Marburger Unternehmerin Hilde Eitel gilt als eine der größten Kunststiftungen an das Marburger Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Seit den 1950er-Jahren hat Hilde Eitel moderne Kunst gesammelt. Die Gründe waren vielfältig, wie ihr Sohn Ullrich Eitel verdeutlichte: So war Kunst für Hilde Eitel Ins­piration für ihrer Tätigkeit als ­Koloristin im Familienunternehmen, der Marburger Tapetenfabrik.

Verliebt in Gerhard-Richter-Bild

So hatte er einige Tapeten-Kollektionen in den Fürstensaal mitgebracht, für die seine Mutter verantwortlich zeichnete. „Die Sammlung hat meine Kindheit geprägt, ich darf sie jetzt zum ersten Mal nach sechs Jahren im Depot sehen“, sagte der Geschäftsführer der Tapetenfabrik und Vorsitzende der von seiner Mutter gegründeten Bertram-Schaefer-Stiftung, die die Sammlung betreut.

Einen Wermutstropfen erwähnte er: Den Tausch eines großformatigen Gemäldes des heutigen Malerstars Gerhard Richter, dessen Bilder für viele Millionen Euro gehandelt werden, gegen andere Werke. „Meine Mutter hatte den Richter zu einer Zeit gekauft, als er noch recht unbekannt war. Die ganze Familie war verliebt in das Bild.“

Die frühe Entscheidung für das Richter-Gemälde mit dem Titel „1024 Farben“ belegt auch das Gespür der Sammlerin. Die 57 Kunstwerke aus ihrer Sammlung hat sie bereits 1995 dem Marburger Universitätsbund vermacht mit einer Maßgabe: Die Gemälde, Grafiken, Zeichnungen und Plastiken von Künstlern wie Josef Albers, Jean Dubuffet, Yves Klein, Ernst Wilhelm Nay oder der Feministin Niki de Saint Phalle sollten angemessen im Kunstmuseum in der Biegenstraße ausgestellt werden.

Das Museum aber ist seit November 2011 geschlossen – erst wegen der Sanierung der Außenhaut, nun wegen der aufwändigen Sanierung der Innenräume. Außer Freunden der Marburger Unternehmerfamilie Eitel kennen nur wenige Vertraute die Kunstwerke. Auch der prächtige Katalog, der am 31. Oktober 2012 im Unimuseum vorgestellt wurde, kann den Blick auf die Originale nicht ersetzen.

Drei weitere Ausstellungen folgen

So war das Interesse an der ersten öffentlichen Präsentation eines Teils der Sammlung am Dienstagabend im Landgrafenschloss groß. In einer kleinen Kabinett-Ausstellung im Wilhelmsbau des Schlosses sind zehn Werke aus den Jahren 1934 bis 1990 zu sehen – Arbeiten von Horst Antes, Max Ernst, Rupprecht Geiger, einem Freund der Sammlerin, Günther Haese, ­Niki de Saint Phall, Emil Schumacher, Fred Thieler, Cy Twombly und Hans Uhlmann.

Die Ausstellung ist der Auftakt einer Reihe von vier Ausstellungen, die Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck gemeinsam mit Ludwig Rinn plant. Im sanierten Museum in der Biegenstraße soll dann die Ausstellung zur Wiedereröffnung komplett präsentiert werden, bevor insbesondere die empfindlichen Arbeiten auf Papier wieder im Magazin eingelagert werden, erklärte Otterbeck. Er hofft, dass das Museum noch vor den Sommerferien 2018 öffnet. Bis dahin allerdings muss die Uni ihre Spendenkampagne noch einmal forcieren: Rund 1,25 Millionen Euro will die Uni an Spenden sammeln, bislang ist etwa die Hälfte der Summe erreicht.

Ludwig Rinn, der Hilde Eitel beim Aufbau der Sammlung beraten hat, sagte: „Ich freue mich, dass die Sammlung Eitel zum ersten Mal öffentlich zu sehen ist. Endlich.“ Die Arbeiten, die jetzt gezeigt werden, seien dem abstrakten Expressionismus ­zuzuordnen. Hilde Eitel habe ­
zu allen Künstlern eine enge Verbindung aufgebaut, und, wie Otterbeck betonte, gerade zu Beginn ihrer Sammlertätigkeit „ganz frische Kunst“­ 
erworben.

  • Die Ausstellung „Abenteuer der Kunst – Sammlung Hilde Eitel #1“ ist bis zum 26. Februar 2017 im Landgrafenschloss zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

von Uwe Badouin

Ullrich Eitel präsentierte von Künstlern inspirierte oder entworfene Tapetenkollektionen. Foto: Nadine Weigel
 
 
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Unimuseum stellt „Sammlung Hilde Eitel“ vor

Unter dem Motto „Abenteuer der Kunst - Sammlung Hilde Eitel #1“ ist seit Dienstagabend im Marburger Landgrafenschloss der erste Teil einer vierteiligen Ausstellungsreihe zu sehen, die zeitgenössische Kunstwerke aus der Sammlung Hilde Eitel (1915-2010) präsentiert.

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