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„Runterzieher“ ohne Rasierklinge

Kulturladen KFZ „Runterzieher“ ohne Rasierklinge

„Ausverkauft“ prangte am Dienstagabend das schnell gemalte Schild über dem Eingang des Kulturladens KFZ in der Schulstraße. Bis in die letzte Ecke drängten sich die Fans des Liedermachers Götz Widmann.

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Götz Widmann füllt die Bühne und das KFZ ganz alleine. Der Liedermacher hat in Marburg eine riesige Fangemeinde. Da reicht es auch für zwei KFZ-Konzerte.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Mit etwas Verspätung und ohne große Begrüßung stieg der etwas zerknautscht aussehende Widmann (späterer Kommentar: „Ich habe gestern bis spät in die Nacht gesoffen!“) auf die Bühne und startete mit „Der Tag des Herrn 2“ und „Die zwei Trauben“ den ersten Teil seines eher melancholischen Programms. Widmann verpackt erlebte Situationen mit starken Bildern in seinen Liedern. Seine Texte haben Identifikations-Charakter, denn jeder war schon mal hoffnungslos verliebt oder frisch verlassen.

Vor dem Stück „Spiegelbild“, das in alten Joint Venture-Zeiten immer von seinem verstorbenen Partner Martin „Kleinti“ Simon solo gespielt wurde, gibt Widmann scherzend zu: „Ich musste tun, was wohl jeder macht, wenn er einen Joint-Venture-Song covert: erst mal auf meine eigene Homepage surfen und nachschauen, wie der Song überhaupt geht.“

Vor dem Lied „Meine nächste große Liebe“ macht er den Einsamen unter den Zuhörern Mut: „99 Prozent aller Anwesenden können sicher sein, eure nächste große Liebe lebt schon. Irgendwo!“ Weiter philosophiert er in einem Gedicht über die postnatale Depression des Mannes und entlockt seiner Harmonika passend zu „Tiefes Leiden“ den ein oder andern schiefen Ton. Großer Jubel kommt nochmal auf, als er gegen Ende den Zehn-Minuten-Klassiker „Die Wunderschlampe“ anstimmt.
„Balladen“ lautet der Titel seines aktuellen Doppel-Albums. Er selbst benennt die Zusammenstellung von ruhigeren und nachdenklicheren Liedern noch mit dem Untertitel „Greatest Hits of leise“.

Der erste Teil „Männer & Frauen“ handelt von der Liebe. „Alles wieder gut“ heißt die zweite CD. „Da ist der ganze Rest drauf, die Runterzieher“, wie Widmann schmunzelt. „Ich habe lange überlegt, ob ich der CD passenderweise eine Schachtel Rasierklingen beilege, aber nachher kapiert jemand nicht, dass das ein Witz ist.“

Unnötig schnulzig wirkt das Programm allerdings nicht, denn Widmann wäre nicht er selbst, wenn nicht doch Sex und Alkoholexzesse des Öfteren in seinen Liedern vorkommen würden. Er betrachtet die Welt eben auf seine spezielle Weise und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Support erhielt Widmann durch seinen ehemaligen Azubi und Nachwuchsliedermacher Kriss Cologne.

Der 27-Jährige präsentierte mit prägnanten Texten und groovigen Riffs einige Songs seiner in Kürze erscheinenden Scheibe „Reden und reden lassen“.

von Jan Bosch

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