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„Ruhm - ich halte mich da raus“

Andreas Steinhöfel liest in Marburg „Ruhm - ich halte mich da raus“

Seit drei Jahren lebt der Kinder- und Jugendbuchautor Andreas Steinhöfel wieder in seiner Heimatstadt Biedenkopf. Öffentliche Auftritte sind selten. Heimische Fans können ihn jedoch live erleben – bei gleich zwei Benefizlesungen.

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Der vielfach preisgekrönte Biedenkopfer Kinder- und Jugendbuchautor Andreas Steinhöfel hält zwei Benefizlesungen in Marburg.Foto: Carlsen-Verlag

Marburg. Andreas Steinhöfel ist einer der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren Deutschlands. Seine Auflage liegt nach Angaben des Carlsen-Verlag bei über zwei Millionen. Nicht viele schaffen das und bleiben dabei so unbeeindruckt vom Erfolg. Ruhm sei ihm sogar eher etwas unheimlich, sagt er im Gespräch im Kaminzimmer der OP. „Ruhm – ich mag ihn nicht. Ich halte mich da raus. Das ist ein Horror für die Marketingabteilung des Verlags“, weiß der 51-Jährige.

Vor den Gefahren des Ruhms versucht er auch immer wieder seine jungen Fans zu warnen. Er hat seine Erfahrungen gemacht: Immer wieder klingelten in seiner Berliner Zeit Fans an seiner Tür. Manche baten ihn sogar frech um eine kurze Zusammenfassung seiner Bücher für die Schule, erzählt er schmunzelnd. Versuchen kann man‘s ja mal.

Steinhöfel sitzt entspannt und plaudert bei einer Tasse Kaffee über seine Karriere, deren Erfolgsgeschichte noch lange nicht zu Ende ist: Gerade wurde der erste Teil seiner preisgekrönten Trilogie „Rico, Oscar und die Tieferschatten“ abgedreht – mit einer Starbesetzung: Katharina Thalbach, Tatort-Kommissar Axel Prahl, die Komikerin Anke Engelke, Karoline Herfurth und die von Steinhöfel seit vielen Jahren verehrte Ursela Monn spielen unter anderen mit. Im Sommer soll der Film nach dem Bestseller in die Kinos kommen, die beiden weiteren Rico- und Oscar-Bücher sollen ebenfalls verfilmt werden.

Der zurückhaltende Autor hat bislang zahlreiche Preise erhalten. Eigentlich hat er alles gewonnen, was in Deutschland zu vergeben ist: Angefangen bei Bestenlisten, über den Hans-im-Glück-Preis, den katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis, den Buxtehuder Bulle, den selten verliehenen Erich-Kästner-Preis, der ihn auf eine Stufe setzt etwa mit Loriot oder Robert Gernhardt, den Deutschen Jugendliteraturpreis für „Rico, Oscar und die Tieferschatten“ 2009. Und im Oktober erhielt er bei der Frankfurter Buchmesse noch den Deutschen Jugendliteraturpreis für sein Gesamtwerk. Gestern ist noch der Deutsche Kinderhörbuchpreis hinzugekommen. Steinhöfel wurde als Interpret ausgezeichnet. Nicht zum ersten Mal übrigens: 2009 war er etwa „Lesekünstler des Jahres“. Er ist also nicht nur ein toller Schreiber.

 Für Andreas Steinhöfel bedeutet dies: Öffentlichkeitsarbeit, Medientermine. Dabei macht er sich in der Öffentlichkeit bewusst rar. Weil er anders als viele andere Autoren das Geld von Lesungen nicht braucht, lehnt er bis auf Benefizanfragen und mit seinem Verlag vertraglich vereinbarte Lesungen alle kommerziellen Anfragen ab. „Ich wäre sonst nur noch unterwegs, hätte keine Zeit mehr für Freunde. Und was bleibt dann am Ende übrig, nur noch die Trophäen?“ Nein, auf Freunde will Steinhöfel nicht verzichten.

18 Bücher hat er bisher geschrieben. Hinzu kommen zahlreiche Übersetzungen aus dem Englischen. Steinhöfel, der an der Marburger Philipps-Universität Anglistik studiert hat, ist ein begehrter Übersetzer.

Zum Schreiben sei er eigentlich zufällig gekommen: „Ich habe mit über ein Kinderbuch geärgert, so eine scheißpädagogische Mutmach-Geschichte“, sagt er. Dann hat er sich hingesetzt und dem Verlag eine Kindergeschichte geschickt. „Gedacht war das als eine Art Wut-Ärger-Leserbrief.“ 1991 war das – „Dirk und ich“ hieß die Geschichte. Dirk ist sein Brüder, der heute ebenfalls Bücher schreibt. Prompt kam der Anruf aus Hamburg. Ob er mehr davon hätte. Hatte er. Seither geht es stetig bergauf. Sein Anspruch: „Ich bin selber Leser, ich will intelligent unterhalten werden.“

von Uwe Badouin

Die Lesungen

Andreas Steinhöfel tritt in den kommenden Wochen bei zwei Benefizlesungen in Marburg auf. Beide werden vermutlich schnell ausgebucht sein:

Donnerstag, 5. Dezember, 18 Uhr, im Bürgerhaus Michelbach. Eintritt Erwachsene 5 Euro, Kinder 3 Euro. Das Geld fließt komplett in eine Typisierungsaktion für die an Leukämie erkrankte Michelbacherin Birgit Götz (die OP berichtete). Karten an der Abendkasse.

Samstag, 14. Dezember, um 15 Uhr im TTZ. Veranstalter ist der Finanzdienstleister FinanzSozietät Marburg GmbH. Der Erlös geht komplett an den in Kirchhain ansässigen Verein Shining Orphans Children Home, der ein Kinderheim in Kashani (Kenia) betreibt. Anmeldungen zu der Lesung über Frank Wehrmann, Telefon 06421/590978-0. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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