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Zwischen Revolution 
und Resignation

Rudi Rhode singt Rio Reiser Zwischen Revolution 
und Resignation

„Junimond“ und „König von Deutschland“ hießen zwei seiner bekanntesten Hits. Das Leben von Rio Reiser, Frontmann der Kultband „Ton Steine Scherben“, war ein Auf und Ab.

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Rudi Rhode sang mit Akkordeon begleitet die Hits von Rio Reiser und bot Einblicke in dessen Biografie.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Schauspieler und Sänger Rudi Rhode sang nicht nur einfach Reisers Songs aus dessen Zeit bei der Kult-Band „Ton Steine Scherben“, die ihre Hochzeit in den 1970er-Jahren hatte, sowie als Solokünstler und spielte dabei ein bisschen Theater, sondern die Darbietung war eine handfeste theatermusikalische Biografie des enigmatischen Musikers. Der 49-jährige Schauspieler brachte sie auf die Bühne: Reisers Geschichte vom Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg, die die 110 Zuschauer im ausverkauften Club des KFZ miterlebten.

Für Stimmästheten war das Konzert nichts. Doch damit lag Rhode, der auch Akkordeon spielte, voll im Soll. Denn auch Reiser hatte keine schöne Stimme im konventionellen Sinne. Stattdessen eine markante, vom Drogenkonsum gezeichnete Stimme – gepflegte Grölerei in Bariton gegen Kapitalismus, Konsumgesellschaft, Kirche und natürlich den „Bullen“.

Schwuler Reiser fühlte sich „anders und einsam“

Rhode schlüpfte bei seinen Schauspieleinlagen in insgesamt acht Rollen. Unter anderem Udo Lindenberg, mit dem sich Reiser nach Herzenslust darüber in die Wolle kriegte, wer sich denn nun als Begründer des Deutsch-Rock ins rechte Licht rücken durfte. Dialoge mit viel Humor brachte der Schauspieler zustande. Das funktionierte vor allem, wenn Rhode die marxistischen Lehren absichtlich ad absurdum führte. Ganz nach der Devise: Was mein ist, ist dein. Alles müsse geteilt werden. „Kein Privateigentum, auch nicht die Freundin oder Frau“, lässt Rhode Reiser sagen.

Spätestens mit dem Album „IV“ von 1981 sagte sich die Band von linken Parolen los. Wenige Jahre später kam Rio Reisers Solokarriere in Fahrt. Eindrucksvoll bringt Rhode Reisers Innenleben zur Geltung, das eines homosexuellen Mannes. Denn trotz toleranten Mitmenschen in der linken Szene sah sich Reiser als „anders und einsam“.

Es waren diese unglücklichen Gefühle, die den gebürtigen Berliner bis zum Beginn seiner Solokarriere umtrieben. „Rio I.“ hieß das 1986 erschienene Album, das ein beeindruckendes Comeback bedeutete. Zehn Jahre später verstarb der erste „König von Deutschland“ am 20. August 1996, während der „Junimond“ bereits verblasst war.

von Benjamin Kaiser

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