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Rotkäppchen beißt zu

Märchenwettbewerb Rotkäppchen beißt zu

Grimm’sche Märchen gegen den Strich gebürstet. Bei der Preisverleihung des Märchenwettbewerbes von Arbeit und Bildung gab es eine äußerst ungewöhnliche Version vom Rotkäppchen zu sehen.

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Rotkäppchen angelt sich den Wolf in Dr. Ingeborg Grubas (rechts) Version des Grimm‘schen Märchenklassikers.Foto: privat / Angelika Fey

Marburg. „Die schönsten Märchen schreibt das Leben“ lautete das Motto des Märchenwettbewerbes, der von dem Verein Arbeit und Bildung anlässlich des Grimm-Jahres ausgerichtet worden war. Am Freitagabend vergab die Jury in der Blackbox des Hessischen Landestheaters die Preise an die besten der 137 eingesandten Märchen.

Bei den Geschichten handelt es sich um fantasiereiche Aktualisierungen der Grimm’schen Erzählungen. So verschmäht etwa in einem Märchen der Prinz Schneewittchen, Rapunzel und Aschenputtel, um stattdessen lieber mit dem Jäger durchzubrennen. In einer anderen Geschichte geht eine schwarze Katze auf Wanderschaft, weil sie beweisen will, dass sie kein Unglücksbringer ist.

In der ausverkauften Blackbox des Hessischen Landestheaters konnten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer live davon überzeugen, dass Rotkäppchen inzwischen ganz schön bissig geworden ist. „Rotkäppchen - Die Wölfin im Schafspelz“ heißt das Gewinnermärchen von Dr. Ingeborg Gruba. Es wurde anlässlich der Preisverleihung in einer professionellen Inszenierung von Harald Schwamm mit der Theatergruppe von Arbeit und Bildung aufgeführt. Rotkäppchen fällt hier nicht etwa dem Wolf zum Opfer - nein, die rote Kappe ist nur Tarnung und bevor er es sich versieht, ist der Wolf auch schon in die Falle getappt.

Die Figuren sind im Stück in die heutige Zeit versetzt: Der Wolf ist ein knackiger Student, trifft Rotkäppchen an der Supermarktkasse und mutiert im Verlauf der Handlung zum willenlosen Pantoffelhelden. Die Autorin nutzt die Märchen-Elemente geschickt dazu, ein modernes, ganz alltägliches Beziehungsdesaster psychologisch und komödiantisch anzureichern. Die Botschaft des Grimm’schen Märchens wird in ihr Gegenteil verkehrt.

Die Autorin Dr. Ingeborg Gruba sammelte in über 60 Jahren viel Lebenserfahrung. So war sie 14 Jahre als Professorin für Geologie an arabischen Universitäten tätig und konnte erleben, dass der Schein trügen kann. Denn sie meint, im Gegensatz zum westlichen Vorurteil seien es in der arabischen Kultur oftmals die Frauen, welche die Männer herum scheuchen.

Mit dem Wettbewerb wollten Magdolna Bezevèdy und Kerstin Warnecke, die Organisatorinnen, sowie Rainer Dolle, der Leiter von Arbeit und Bildung, dazu anregen, die eigene Fantasie kreativ zu nutzen. Und sie sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Der Wettbewerbs-Jury gehörten neben Dolle auch Professor Wilhelm Solms, ehemaliger Vizepräsident der Europäischen Märchengesellschaft, die Kulturwissenschaftlerin Professorin Marita Metz-Becker und Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach an.

von Angelika Fey

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