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„Rote Sahra“ trifft „schwarzen Peter“

Literarischer Frühling „Rote Sahra“ trifft „schwarzen Peter“

Wie man Kultur und Tourismus verknüpfen kann, zeigt beispielhaft der Literarische Frühling im Nachbarkreis Waldeck-Frankenberg. Drei Hoteliers haben ein hochkarätiges Festival etabliert.

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Literatur-Festival auf den Spuren der Brüder Grimm. Eine Initiative von Hotel Sonne Frankenberg, Hotel Schloss Waldeck, Landhaus Bärenmühle Katerina Poladjan rezitiert Jacob und Wilhelm Grimm in der Salonkutsche während einer Fahrt durch das Lengeltal, Landhaus Bärenmühle

Quelle: Katharina Jaeger

Frankenberg. 2012 feierte Hessen die Brüder Grimm: 200 Jahre Hausmärchen. Das Jahr war auch der Startschuss für den Literarischen Frühling, wobei die etwas abseits gelegene, idyllische Region zwischen Marburg und Kassel gleich zur „Heimat der Brüder Grimm“ gemacht wurde. Ein geschickter Schachzug von Christiane Kohl. Die langjährige Journalistin betreibt das Landhaus Bärenmühle in Frankenau. Gemeinsam mit ihren Kollegen vom Hotel Schloss Waldeck und Hotel die Sonne in Frankenberg brachte sie den Literarischen Frühling auf den Weg. Zahlreiche regionale Unternehmen wie Viessmann, Thonet oder FingerHaus wurden als Sponsoren gewonnen, Stars wie der Schauspieler Mario Adorf, der Georg-Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius, der in Korbach aufwuchs, übernahmen die Schirmherrschaft des Festivals und überzeugten andere von dem Konzept, hochkarätige Literatur fernab der Ballungszentren in der hessischen Provinz vorzustellen.

Das Konzept ging auf. Heute ist der Literarische Frühling in der Heimat der Brüder Grimm eines der sicherlich spannendsten Literaturfestivals in Deutschland, ein „Festival der besonderen Literaturereignisse“, wie die Macher betonen. In diesem Jahr werden vom 21. bis 30. April unter anderem Mario Adorf als Renaissance-Bischof im Rittersaal, Marianne Sägebrecht als Insektenforscherin im Alten Kuhstall, Autorinnen und Autoren wie Eva Gesine Baur, Friedrich Christian Delius, Christine Eichel, Anna Katharina Hahn, der Deutschen „Lieblings-Russe“ Wladimir Kaminer, Michael Krüger, Ilija Trojanow, Guntram Vesper und der Frankfurter Theater- und Aktionskünstler Michael Quast erwartet.

Politisch wird es bei einem Schlagabtausch zwischen der „roten Sahra“ Wagenknecht und dem „schwarzen Peter“ Gauweiler im Schloss Waldeck. Es gibt Wortgewitter nach Art von Luther, Geschichtsbetrachtungen im alten Marstall und Leseabenteuer in Küchen und literarische Kutschfahrten.

Reformation wird thematisiert

„Natürlich liegt im Lutherjahr 2017 auch ein gewisser Akzent auf der Reformation“, sagt die Schriftstellerin und Jour­nalistin Christiane Kohl: „Wir zeigen, wie sehr dieses epochale Ereignis Nachwirkungen ­zeitigt bis in unseren heutigen ­Alltag.“ Schon die Vor­eröffnung am Freitag, dem 21. April, um 19 Uhr im Landhaus Bärenmühle schlägt das Thema ­Reformation an. Friedrich ­Christian Delius erörtert im ­Gespräch mit Christine Eichel die kulturhistorische Wirkungsmacht des deutschen evangelischen Pfarrhauses - beide Autoren sind übrigens Pfarrers­kinder.

Und Mario Adorf präsentiert im Hotel Schloss Waldeck Ausschnitte aus dem ZDF-Film „König der letzten Tage“, in dem er Franz von Waldeck (1491-1553), der als Bischof von Münster 1534/35 mit einer fanatischen protestantischen Täufersekte konfrontiert war. Adorf wird über die Dreharbeiten für diesen Kostüm- und Kulissenfilm berichten und mit dem Journalisten Klaus Brill, der gerade ein neues Buch über die Reformation in Hessen veröffentlicht hat, über religiösen Wahn, irrationale Zukunftsängste und politische Verführbarkeit diskutieren.

Und auch für Kinder ist wieder ein mitreißendes Angebot im Programm: Am Samstag, dem 29. April, gastiert der Autor, Illustrator und Schauspieler Martin Baltscheit in Frankenberg mit seiner Lese-Löwen-Show.

Das komplette Programm gibt es im Internet unter www.literarischer-fruehling.de. Karten könnten dort direkt gebucht oder bei den drei veranstaltenden Hotels reserviert werden.

von Uwe Badouin

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