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OP-Buchtipp: Raif Badawi: „1000 Peitschenhiebe“ Mutige Texte gegen religiöse Intoleranz

Zehn Jahre Haft, eine hohe Geldstrafe und 1000 Peitschenhiebe: Diese drakonische Bestrafung des islamkritischen Bloggers Raif Badawi sorgte weltweit für Empörung. Zwölf seiner Online-Texte sind jetzt nachzulesen.

Das Cover des Buchs „1000 Peitschenhiebe – weil ich sage, was ich denke“ von Raif Badawi.

Quelle: Ullstein-Verlag

Marburg. Wieso die Texte von Raif Badawi so eine außerordentliche Sprengkraft haben, das erschließt sich dem westlichen Leser nicht auf Anhieb. Zwar kritisiert er in den zwischen 2010 und 2012 in arabischen Online-Medien erschienenen Texten durchaus mit drastischen Worten Auswüchse einer islamistischen Gesellschaft, die beispielsweise die Frauen hinter Schleier zwingt und selbst Weintrinken unter strenge Strafen stellt.

Doch solch ein gesellschaftspolitisches Klima, in dem diese trotz aller Radikalität noch relativ gemäßigte Wortwahl so überaus streng bestraft wird, kann man sich trotzdem bei uns im Westen schwer vorstellen. Die ersten seiner 1000 Peitschenhiebe hat Badawi bereits erduldet, sehr viele weitere sollen noch folgen.

„Leben und leben lassen“: Das ist die Devise, unter der der 31-Jährige seine kurzen Essays verfasst hat. Darin preist er Liberalismus und Meinungsfreiheit und wettert gegen religiöse Intoleranz. Er setzt sich für das öffentliche Miteinander von Frauen und Männern ein und verurteilt anlässlich des Jahrestags des Attentats auf die Zwillingstürme des World Trade Center in New York das Denken, das hinter dem islamistischen Terror steht.

Texte aus dem Knast geschmuggelt

Insofern sind diese Texte des 2012 verhafteten Bloggers, auch wenn sie manchmal etwas ungelenk geschrieben sind, wichtige Zeitdokumente der mutigen Auseinandersetzung mit verkrusteten Herrschaftsstrukturen. „Es kann uns nur Mut machen, dass sich junge Muslime wie Raif Badawi damit auseinandersetzen, wie friedliches Zusammenleben funktionieren kann“, schreibt Herausgeber Constantin Schreiber.

Badawi sieht sich selbst prosaischer, wie er in einem auch dem Buch beigefügten, aus dem Gefängnis geschmuggelten kurzen Text vom Februar dieses Jahres schreibt: „Ich selbst sehe mich einfach als jenen dünnen, aber zähen Mann, der auf so wundersame Weise 50 Peitschenhiebe überlebt hat“.

  • Raif Badawi: „1000 Peitschenhiebe – weil ich sage, was ich denke“, Ullstein-Streitschrift, 62 Seiten, 4,99 Euro. Der Erlös dieses „Non-Profit-Projekts“ geht direkt an den Autor.

von Manfred Hitzeroth

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