Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Rio, Amsterdam und Marburg

Weltweiter „Hieronymustag“ Rio, Amsterdam und Marburg

1991 wurde der 30. September erstmals zum „Hieronymustag“ erklärt, um die Arbeit von Übersetzern zu würdigen. In diesem Jahr finden auch in Marburg Veranstaltungen statt.

Voriger Artikel
Kumpel, Krieg und Kohle
Nächster Artikel
Lateinamerikanische Kultur im Blick

Die Marburgerin Birgit Salzmann übersetzt in erster Linie englische und US-amerikanische Kinder- und Jugendliteratur.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Rio, Kiew, Amsterdam und – Marburg. In 23 Städten weltweit gibt es am Donnerstag rund um den sogenannten „Hieronymustag“ Veranstaltungen für Übersetzer und ihre Leser.

Die „Weltlesebühne“ – ein loses Netzwerk von Veranstaltungsprojekten in Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Köln und Zürich – präsentiert in Marburg zwei „gläserne Übersetzer“ und der Verein „Kulturelle Aktion Marburg – Strömungen“ setzt seine Reihe „Vom Wert des Übersetzens“ mit einer Buchvorstellung fort.

Auch die Lesung von Malla Nunn und der Übersetzerin ­Else Laudan in Rahmen des Krimifestivals am Montag beschäftigte sich mit dem Thema des ­literarischen Übersetzens. Das ist nämlich nicht nur ein Dolmetschen zwischen verschiedenen Sprachen. Literaturübersetzer „machen die in diesen Sprachen eingeschlossenen kulturellen Welten füreinander lesbar“, heißt es auf der Homepage der „Weltlesebühne“. „Man übersetzt nicht Wort für Wort, sondern überträgt den Text in eine andere Sprache und schreibt so im Grunde eine Neufassung“, erklärt die Marburger Über­setzerin Birgit Salzmann.

Salzmann: Öffentlichkeit nimmt unsere Arbeit kaum wahr

Die 52-Jährige hat englische und deutsche Sprache und Literatur studiert und überträgt vor allem englische und amerikanische Kinder- und Jugendliteratur ins Deutsche. Zum „Hieronymustag“ liest sie in der Buchhandlung Lesezeichen aus dem Buch „Binny, streng geheim“ von Hilary McKay, das sie übersetzt hat. Um 17 Uhr gibt es passend zur „Tea Time“ stilecht Tee und englische Scones.

Bereits diesen Mittwoch stellt ihr Kollege Thomas Gunkel, der in Gilserberg lebt, den von ihm übersetzten Erzählband „Eine letzte Liebschaft“ von Richard Yates vor. Gunkel, der auch Autoren wie Stewart O’Nan und Paul Auster aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, wird auch über das Leben und das Gesamtwerk von Yates sprechen. Beide Veranstaltungen gehören zur Reihe der „Gläsernen Übersetzer“ der „Weltlesebühne“. Am Freitag lädt der Verein „Strömungen“ dann für 20 Uhr ins TTZ ein, wo der tschechische Autor Josef Formanek gemeinsam mit dem Übersetzer Mirko Kraetsch und dem Puppenspieler Miroslav Nebesky seinen neuen Roman „Die Wahrheit ­sagen“ präsentiert.

Für Birgit Salzmann ist ihr Beruf eine spannende Herausforderung. Dazu gehöre auch Recherche und dabei lerne man immer wieder Neues, sagt sie. Leider nähmen die Leser und die Öffentlichkeit diese Arbeit gar nicht richtig wahr. „Unsere Namen stehen inzwischen zwar auf dem Titelblatt im Buch, aber leider nicht mit auf dem Cover und bei Rezensionen werden wir oft nicht einmal erwähnt“, kritisiert Salzmann.

Um etwas für das Image der Übersetzer zu tun, wurde von der „Fédération Internationale des Traducteurs“ FIT der „Hieronymustag“ ins Leben gerufen – benannt nach dem Bibelübersetzer Hieronymus, dessen Gedenktag der 30. September ist.

  • Weitere Informationen zu Veranstaltungen, auch in anderen Städten, gibt es auf der Homepage www.weltlesebuehne.de.

von Nadja Schwarzwäller

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr