Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Rheinische Frohnatur ernstem Anliegen

Dr. Manfred Lütz in der Stadthalle Rheinische Frohnatur ernstem Anliegen

Wehe, wenn der losgelassen wird. Dr. Manfred Lütz ist eigentlich Psychiater und hat es sich zur Aufgabe gemacht humorvoll zu zeigen, dass man keine Angst vor diesem Thema haben muss.

Voriger Artikel
Stück setzt auf Erfahrung und eifrigen Nachwuchs
Nächster Artikel
Literaturpreis für Galsan Tschinag
Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Dr. Manfred Lütz (Foto: Michael Hoffsteter) gehört nicht zu den großen Comedians. Er läuft nicht wie ein Mario Barth die Bühne auf und ab und gestikuliert groß vor sich hin. Nein, Dr. Manfred Lütz stand den ganzen Abend ruhig bei seinem kleinen Bistrotisch auf der großen Bühne der Stadthalle und unterhielt mit Inhalten. Und es war unterhaltsam, dazu informativ und immer wieder erntete er für seine Meinung zustimmenden Applaus.

Es war deutlich zu spüren, dass es ihm mit seinem Anliegen ernst ist: Er möchte die Welt der Psychosen verständlich machen. In zwei Stunden wollte er das Publikum auf den Stand der Facharztreife bringen - am Ende waren es drei. Gerade bei Themen, die ihm am Herzen liegen, konnte er sich wahrlich in Rage reden und einer Geschichte aus der Praxis folgte die nächste. Dabei legt er die Rhetorik eines Büttenredners auf: Schnell, laut und auf die Pointe fokussiert. Das Marburger Publikum machte es ihm leicht.

Seine Geschichten ließen sich so gut vorausahnen, dass gelacht wurde bevor er zu Ende erzählt hatte. Dafür gab es Lob - der Intelligenzquotient scheint hier sehr hoch zu sein. Immer wieder erwähnte er auch das Marburger Bündnis gegen Depression, das ihn eingeladen hatte. Er betonte, dass die meisten Depressionen geheilt werden könnten und dass kein Angehöriger daran Schuld habe: „Eine Depression ist eine biologische Stoffwechselstörung“.

Auch beim Thema „Burn-Out“ kann sich der Psychiater wunderbar echauffieren. Der Begriff sei gut, um den Menschen die Hürde zu nehmen, zum Arzt zu gehen. Aber es ist keine Krankheit. Burn-Out gehört für ihn in die Z-Kategorie - wie auch das Falschparken.

Auch die psychiatrische Therapie wird genauer betrachtet im Auftritt des Buchautors. Eine Therapie soll sich am Patienten orientieren. Dazu erzählt er von einem anschaulichen Beispiel: Er kannte eine schizophrene Frau, die Stimmen hörte. Nachdem die Dosis der Medikamente erhöht wurde, waren die Stimmen weg. Das wollte die Frau aber nicht, denn sie hatte ihre Stimmen gern. Die Dosis wurde daraufhin verringert und die Patientin war glücklich.

Die Menschen sollen nicht leiden. Daher mache es auch keinen Sinn, bei Depressiven psychoanalytisch zu fragen: „Warum geht es Ihnen so schlecht?“. Man solle lieber fragen, wie es derjenige so lange ohne Hilfe ausgehalten hat. Verrückt sein ist im Endeffekt sowieso besser als Normalsein, denn dann könne man wenigstens helfen. Ein Mann wie Dieter Bohlen, der mit seinen Bindungsstörungen heiße Luft an die Bild-Zeitung verkauft, wird dies auch in vielen Jahren noch tun. Therapeutisch ist bei ihm nichts zu machen.

Das Programm von Dr. Manfred Lütz war wirklich unterhaltsam, auf die Dauer war das schnelle Mundwerk des Rheinländers allerdings auch etwas anstrengend. Am Ende der Vorstellung hingen einige im Publikum müde in ihren Sitzen. Und trotzdem konnte zum Schluss jeder bestätigen, dass er an diesem Abend etwas dazugelernt hat.

von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr