Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Reise durch die Welt des Kinos

Marburger Kammerorchester Reise durch die Welt des Kinos

Von Klassik, die auch in Filmen verwendet wurde bis hin zu Titelthemen, präsentierte das Marburger Kammerorchester am Sonntagabend eine Auswahl an Filmmusiken. Und am Ende gab es noch eine filmreife Zugabe.

Voriger Artikel
Konzert für Respekt und Toleranz
Nächster Artikel
Gutes Wetter für Freiluftkonzert

Das Marburger Kammerorchester musizierte gemeinsam mit Solisten vom hr-Sinfonieorchester in der Lutherischen Pfarrkirche.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Abwechslungsreich von der dramatischen Ouvertüre über den rasanten „Galopp“-Satz bis zum munteren „Volksfest“ erklang die „Gadfly“-Suite von Schostakowitsch zum gleichnamigen Film aus dem Jahr 1955, der heute allerdings eher unbekannt ist. Gefühlvoll spielte Karen Tanaka am Klavier mit dem Laienorchester beim zweiten Satz, dem Kontretanz – als wären es zwei Tanzpartner.

Dirigentin Karin Hendel, die auch durch das Programm führte, hatte sich intensiv mit dem Programm auseinandergesetzt. Als Solisten hatte Hendel, selbst seit 1984 Geigerin im hr-Sinfonieorchester, einige ihrer Kollegen gewinnen können.

Neben Karen Tanaka, trat ­etwa auch Klarinettist Jochen Tschabrunn mit dem Marburger Kammerorchester auf. Die 20 Laienmusiker konnten sich dabei wunderbar auf die Profis einstellen. Das Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert, das in „Jenseits aus Afrika“ verwendet wurde, interpretierten die ­Musiker wunderbar ausgedehnt, was durch die tolle Akustik der ­Lutherischen Pfarrkirche noch verstärkt wurde.

Kaum Musik aus Blockbustern

Michael Höfele, eigentlich ­Solo-Englischhornist beim hr-Sinfonieorchester und den Bayreuther Festspielen, faszinierte bei den langen, ruhigen Passagen von Ennio Morricones Stücken „Brothers“ und dem bekannten „Gabriel’s Oboe“ aus dem Film „The Mission“, der heute hauptsächlich für seine Filmmusik bekannt ist.

Große Musik aus amerikanischen Blockbuster-Filmen gab es allerdings nicht bei diesem Konzert, mit Ausnahme des Titelthemas aus „Schindlers Liste“, das Charys Schuler hinreißend kraftvoll interpretierte. Ebenso wie beim vierten Satz der „Gadfly“-Suite begeisterte­ der warme Klang ihrer Geige, die in den tiefen Lagen fast so weich wie eine Bratsche klang.

Es gab aber auch Musik abseits der Filmbranche, wie „Molly on the Shore“, das vor allem in Youtube-Videos auf viele verschiedene Arten interpretiert werde, wie Hendel in ihrer Moderation erzählte. Und mit der Titelmusik zu der populären TV-Serie „Downtown Abbey“ mache sie sich selbst eine Freude, gab Hendel zu.

Die Dirigentin hatte mit ihrem Orchester ein sehr abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Mit Kompositionen aus Charlie Chaplins „Der große Diktator“ und „Moderne Zeiten“ ging die musikalische Reise durch die Welt des Kinos sogar zurück in die Zeit des Stummfilms.

Klavierstück für Streicher umgeschrieben

Die Idee zur Musik stamme von Chaplin selbst, berichtete Hendel. Dieser habe zwar keine Noten lesen oder komponieren können, dafür habe er die Melodien den Profi-Musikern vorgesungen, die sie dann arrangiert hatten.

Für die Aufführung mit dem Marburger Kammerorchester­ hatte Dr. Justus Noll, vielen Marburgern als Pianist und Komponist bekannt, aus dem Klavierauszug ein Arrangement für das Streicherorchester erstellt, das sowohl die Atmosphäre und die Melodik der beiden Stücke „Falling Star“ und „Smile“ als auch den sinfonischen Klang hervor hob.

Am Ende gab es noch eine­ ­geradezu filmreife Zugabe. ­Gemeinsam mit dem Cellisten Gerd Schiebl an der Schreibmaschine, führte das Marburger Kammerorchester noch Leroy Andersons berühmtes „The Typewriter“ auf. Nacheinander standen die Zuhörer auf, um Schiebels lässiges Spiel mit der Tastatur sehen zu können. Das Publikum in der Pfarrkirche war begeistert und feierte die Musiker mit kräftigem und langem Applaus.

von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr