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Reise durch Zöllers Rock-Geschichte

Konzert im KFZ Reise durch Zöllers Rock-Geschichte

Jürgen Zöller ist seit 50 Jahren Teil der deutschen Rock-Geschichte, bei BAP saß er 27 Jahre am Schlagzeug. Jetzt hat er eine neue Band gegründet, gestandene Rockmusiker bei "Zöller & Konsorten" an Bord geholt.

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Für das Schlussstück „Da da da dam“ legte Jürgen Zöller die Drumsticks beiseite und sang an der Seite von Bassist Steffie Stephan.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Zwar blieb der Zuspruch mit 80 Zuhörern recht bescheiden, doch diese hatten zwei Stunden lang Spaß mit guter, handgemachter Rockmusik. „Das war wirklich ein tolles Konzert“, sagte einer der zumeist älteren Besucher, nachdem sich die fünf Musiker von der Bühne verabschiedet hatten.

Gespielt hatten „Zöller & Konsorten“ 13 der 14 deutschsprachigen Lieder vom Mitte September erschienenen Debüt-Album „Flucht nach Vorn“, sowie sieben weitere Stücke. Reifes handwerkliches Können, jahrzehntelange Bühnenerfahrung, dabei ungebrochene Spielfreude und pure Rock-‘n‘-Roll-Energie, die auch der 69-jährige Jürgen Zöller am Schlagzeug sitzend und singend immer noch versprüht.

Die Texte des Albums stellen einen kleinen Streifzug durch die Geschichte des Rock ‘n‘ Roll aus der Sicht Zöllers dar. Humorvoll und unterhaltsam erzählte er vor jedem dieser Lieder etwas zum Hintergrund. „Tanzmusik“ etwa gehe zurück in die Siebziger Jahre, als er beschloss, Berufsdrummer zu werden und bei einer Tanzband aus Wien einstieg, die „alles mögliche bis zu Deep Purple“ spielte. In seiner Zeit bei der Band Supermax sei jemand „auf die glorreiche Idee gekommen, LSD einzuwerfen“, vor dem Auftritt. Dann setzte die Wirkung ein. „Ich stand auf der Bühne neben mir, sah mir beim Spielen zu. Ich schwor mir, das machst du nie wieder, das könnte dein Karriereende sein“, erzählte Zöller schmunzelnd. „Nie wieder LSD“, hieß es dann im Refrain des mit langen, zerfließenden Klängen an die Psychedelic-Ära erinnernden Stücks.

Zöller singt von seiner Zeit bei den „Soul Sisters“

In „Dorthin, wo die Lautsprecher stehen“ bekannte Zöller: „Ich war schon als Kind nicht leise, leise sein fand ich immer scheiße“, beschrieb die nicht ungefährlichen Zustände in einer von einem Gangster geführten Disco im Taunus namens „Top Cat“ und erinnerte mit „Torremolinos“ an die Zeit 1968/69, als er von der Bundeswehr abgehauen war und sich nach Spanien abgesetzt hatte und bei der Frauenband „Soul Sisters“ im damaligen „Hippiezentrum der Welt“ eine klasse Zeit hatte, bevor die Guardia Civil begann, die Hippies rauszuschmeißen.

Zwischendurch übernahmen einige der Bandkollegen Führung und Gesang. Keyboarder Tony Carey, der unter anderem früher bei Ritchie Blackmore‘s Rainbow und mit Peter Maffay spielte, sang mit rauer Röhre sein Bluesrockstück „The Deal“, sowie seinen größten Hit, die Ballade „Room with a view“. Eine tolle Coverversion von Neil Youngs „Cinnamon Girl“ sang Carey zusammen mit Lyle Närvänen. Der Ex-Gitarrist der Leningrad Cowboys hatte seine Sternstunde, als er bei der vom Publikum bejubelten Rockversion von Chatschaturjans „Säbeltanz“ die Saiten zum Glühen brachte.

Steffie Stephan sang über das „Rauchen im Bett“

Steffie Stephan, seit über vierzig Jahren in Udo Lindenbergs Panikorchester, bediente nicht nur den Bass, sondern sang das etwas depressive, ein schlimmes Ende andeutende „Rauchen im Bett“ von Axel Schulz. Und Rhythmusgitarrist Christof Stein Schneider, früher bei Fury in the Slaughterhouse, erwies Hannes Wader mit „Heute hier, morgen dort“ die Ehre.

Zum Abschluss des Konzerts legte Jürgen Zöller die Drumsticks beiseite und sang „Da da da dam“, ein ruhiges, etwas wehmütiges Stück über seine Kindheit, bei dem auf dem Album - wie bei zwei weiteren Liedern - Wolfgang Niedecken (BAP) mitsingt.

von Manfred Schubert

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