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„Reiche Idioten“ und „heilige Kühe“

Roland Emmerich im OP-Interview „Reiche Idioten“ und „heilige Kühe“

Roland Emmerich wuchs in Sindelfingen auf, lebt aber seit Jahrzehnten in Los Angeles. Der 57-Jährige ist Experte für die kinogerechte Zerstörung von US-Eigentum - so wie jetzt in seinem neuen Actionspektakel, in dem eine Terroristenbande das Weiße Haus stürmt.

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Die US-amerikanischen Schauspieler Jamie Foxx (l) und Channing Tatum (r) sowie Regisseur Roland Emmerich am Montag in Berlin bei der Premiere von "White House Down".

Quelle: Britta Pedersen / dpa

Marburg. OP: Herr Emmerich, man könnte aus Ihrem Film schließen, dass der ärgste Feind Amerikas längst im eigenen Land steht.

Roland Emmerich: Nicht nur im eigenen Land, sondern im eigenen Haus. Als Obama 100 Tage im Amt war, habe ich einen klugen Zeitungsartikel gelesen. Da stand drin, dass es Obama schwerer haben würde als jeder andere Präsident, weil das große Geld gegen ihn steht. Und in den USA ist nun mal „All about Money“. Ich möchte nicht in seinen Schuhen stecken.

OP: Meinen Sie die Rüstungsindustrie? Emmerich: Oh ja, aber nicht nur die allein, es geht auch um Energie, Öl, alles. Deshalb wird der US-Wahlkampf auch immer schwieriger: Jede Firma kann heute in den USA so viel Geld, wie sie will, in den Wahlkampf pumpen. In Deutschland gibt es Beschränkungen - aus guten Gründen. Obama aber konnte die Wahl nur gewinnen, weil er die kleinen Leute hinter sich versammelte, die 10, 20 oder 50 Dollar spendeten.

OP: Ist Obama in Ihren Augen eine Lichtgestalt?

Emmerich: Für mich ist er ein großer Präsident. Er war der erste, der gesagt hat, dass er die Heirat unter Schwulen gut finde. Von Bush hätten Sie ewig auf so einen Satz warten können.

OP: Wir reden hier dauernd über Politik. Ihr Film ist doch typisches Popcorn-Kino. Oder etwa nicht? Emmerich: Zunächst mal muss ein Film spannend sein. Wenn man das schafft, kann man den Leuten auch verkaufen, was man vielleicht selber denkt. Das mache ich mit jedem Film. Es macht ja auch Spaß, so eine Message einzubauen.

OP: Verstehen Sie Ihren Film tatsächlich als eine Art Rückendeckung für Obama? Emmerich: Ob Rückendeckung oder nicht: Der Mann ist in seiner letzten Amtsphase. Ich hoffe, dass er wenigstens noch ein paar Dinge durchsetzen kann. Ich habe totale Angst, dass der nächste Präsident die Krankenversicherung für arme Leute wieder abschafft. Endlich gibt es die, und dann kommen diese reichen Idioten und wollen die Versicherung kassieren.

OP: Warum demolieren Sie eigentlich immer wieder das Weiße Haus? Warum nicht mal die Freiheitsstatue? Emmerich: Die Freiheitsstatue stand in amerikanischen Filmen immer schon im Blickpunkt. In einem meiner Lieblingsfilme, in „Planet der Affen“, sinkt Charlton Heston am Ende auf die Knie, als er die Reste der Freiheitsstatue im Staub entdeckt. Das Weiße Haus dagegen wurde früher nie als Symbol verwendet. Das ist sozusagen die letzte heilige Kuh, die man noch hat schlachten müssen.

OP: Wird es Ihnen als Zugewandertem übel genommen, dass immer Sie es sind, der die Kuh ins Schlachthaus führt? Emmerich: Die Amerikaner sagen ja nicht: Oh, der Regisseur ist ein Deutscher. Über dem Film steht: vom Regisseur von „Independence Day“, „The Day after Tomorrow“ und „2012“. Eher schon interessieren sich rechtsgerichtete Journalisten für meine Herkunft.

OP: Wird in den USA viel über den sogenannten militärisch-industriellen Komplex geredet, der in Ihrem Film das Zentrum des Bösen darstellt?

Emmerich: Ich glaube nicht, dass in Amerika noch freier Journalismus existiert. Es gibt schon noch ein paar Leute wie Jon Stewart oder Bill Maher, die die Wahrheit sagen. Aber die werden als Comedians bespöttelt.

Tatsächlich ist kaum etwas darüber zu lesen, welche Unsummen die USA ins Militär pumpen. Die Straßen in Amerika sind desolat, die Flughäfen sehen schlimmer aus als die in der Dritten Welt, und mit den Schulen geht es abwärts. Aber die besten Drohnen haben die Amerikaner schon.

OP: Dann müssen Sie enttäuscht gewesen sein, als Obama ankündigte, Syrien zu bombardieren.

Emmerich: Der Mann hat‘s schwer. Er kann gar nicht alle Erwartungen erfüllen. Das ist so, als wenn du einen Film bewirbst, und dann bleibt er hinter den Erwartungen zurück. Der Film ist vielleicht gut, aber nicht gut genug. Deshalb wird er runtergemacht.

OP: Hat Obama „White House Down“ gesehen?

Emmerich: Wir haben ihm eine DVD geschickt. Aber ich habe allen gesagt: Erwartet bitte keine öffentliche Äußerung von ihm. Der Mann kann sich ja kaum noch rühren. Kürzlich hat er einem seiner Marines die Hand geschüttelt und nicht salutiert, als er in den Hubschrauber stieg. Das hat einen Skandal ausgelöst. Alle haben geschrien: Was ist das für ein Präsident? Tja, das ist genau der Präsident, den ich haben möchte.

OP: Können Sie sich vorstellen, im Kino auch mal das Bundeskanzleramt zu zerstören? Und wer würde bei Ihnen Angela Merkel spielen?

Emmerich: Meryl Streep! Mit der wollte ich immer schon mal arbeiten. Allerdings ist die Zerstörung von Regierungsgebäuden im Kino eher eine amerikanische Angelegenheit. Das Bundeskanzleramt hat auch nicht diese Bedeutung.

Wenn jemand das Weiße Haus besetzt, löst er eine Weltkrise aus. Wenn jemand die Bundeskanzlerin kidnappt, ist das auch eine supergroße Geschichte, aber doch nicht ganz so groß. Das ist einfach so.

OP: Sie planen eine Fortsetzung von „Independence Day“. Muss das Weiße Haus schon wieder dran glauben? Emmerich: Wir fangen erst 2015 oder 2016 an zu drehen. Es gibt noch keine Anhaltspunkte.

von Stefan Stosch

Meinungen der OP-Vorpremierenbesucher zu White House Down:

„Action, Action, Action – ohne Kompromisse.“ Bernd Pfeiffer aus Kirchhain

„Großartiges Actionspektakel à la Roland Emmerich. Absolut sehenswert.“ Benjamin Dalwig (18) aus Lahntal

„Top Besetzung. Spannende Story. Actionreiche Handlung – was will man mehr?. Super sehenswert.“ Christian Köller aus Stadtallendorf

„Actiongeladenes Popcorn-Kino. Tatum und Foxx retten die Welt.“ Bastian Brehmer (29) aus Biedenkopf

„Typisch amerikanisch-patriotischer Streifen mit Vater-Tochter-Dramatik – aber extrem geile Action.“ Sam Schneider (27) aus Marburg

„130 Minuten Boom.“ Frank Zimmermann (32) aus Marburg

„Sehr gute Bilder, gelungene Action aber übertrieben kitschiger Patriotismus.“ Robert Stefeld aus Marburg

„Super Action-Highlight.“ Johannes Moser (25) aus Marburg

„Schönes Popcorn-Kino mit viel Patriotismus.“ Jochen Kraft (46) aus Stadtallendorf

„Viel, viel besser als erwartet.“ Katinka Tetzner aus Marburg

„Ordentliche Wumms. Für die große Kinoleinwand gemacht. Blockbuster-Potenzial.“ Claudia Koch (38) aus Marburg

„Neuer Lieblingsfilm.“ Christoph Brandt aus Cölbe

„Action-Spektakel des Jahres.“ Roxana Becker (25) aus Marburg

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