Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Regisseur blickt zurück in die 60er

Filmpremiere Regisseur blickt zurück in die 60er

Michael Wulfes hat einen neuen „Marburg“-Film gedreht: Am Dienstag, 2. Juli, hat um 19.30 Uhr im Cineplex „Je t’aime heißt: Ich liebe dich“ Premiere. Am 5. Juli läuft er ab 18.15 Uhr auf Arte.

Voriger Artikel
Junge Talente überzeugen Publikum
Nächster Artikel
Begeisterndes Konzert für guten Zweck

Regisseur Michael Wulfes (links) und sein Kameramann Volker Tittel beim Dreh am Marburger Hauptbahnhof.

Quelle: Ben Wangler

Matrburg. 2006 zeichnete der Münchner Filmemacher Michael Wulfes mit seiner Dokumentation „Der Tag, an dem die Beatles (beinahe) nach Marburg kamen“ ein liebevolles Porträt seiner Heimatstadt in den 1960er Jahren. Der Film wurde ein Riesenerfolg. Jetzt kehrt der 64-jährige Dokumentarfilmer mit einem neuen Film in die Stadt zurück, die er 1968 in Richtung München verlassen hat.
Und wieder spielt der Film in weiten Teilen in Marburg, wieder in dieser Zeit: „Je t’aime heißt: Ich liebe dich“ blickt zurück in die Zeit von 1963 bis etwa 1973. In dem vom Hessischen Rundfunk gemeinsam mit Arte produzierten Film beschäftigt sich Wulfes mit den Anfängen des deutsch-französischen Jugendwerks.

Wulfes ist in Marburg aufgewachsen

Vor 50 Jahren – am 5. Juli 1963 – wurde das deutsch-französische Jugendwerk gegründet. Nach den Élysée-Verträgen war es das zweite große Vertragswerk, das aus den ehemaligen Feinden Freunde machen sollte. Michael Wulfes hat in Marburg auch mit Hilfe des OP-Archivs recherchiert, um aus Sicht von Menschen aus der Universitätsstadt von den ersten Jahren dieser Annäherung in den 60er und frühen 70er Jahren zu erzählen.
Wulfes erinnerte sich bei seinen Planungen an seine Heimatstadt Marburg, die schon seit 1961 Partnerstadt des französischen Poitiers war. Er ist selbst in den 1960er Jahren hier aufgewachsen. Für ihn war die kleine, beschauliche Stadt an der Lahn „ein wahres ,Biotop‘, was den internationalen Schüleraustausch anging“.

Von 1964 an besuchten französische Schüler-Gruppen die Stadt und das Umland. In den späten 1960er oder frühen 1970er Jahren war auch der heutige französische Staatspräsident François Hollande im Zuge eines solchen Austauschs in Marburg. Wulfes hat sich allerdings vergeblich um Interviews mit Hollande bemüht.

Freundschaften halten viele Jahrzehnte

Zu Wort kommen dafür nun Freunde von früher. Der Filmemacher reiste mit ehemaligen Marburger Schülern nach Frankreich und machte sich auch dort mit der Kamera auf die Suche nach deren früheren Austauschpartnern. Herausgekommen sind Geschichten, die zeigen, welche Bedeutung ein solcher Kulturaustausch hat:
Eine Französisch-Lehrerin an Wulfes‘ ehemaliger Schule entdeckte durch eine zufällige Begegnung mit einem französischen Mädchen ihre Berufung, die später zum Beruf wurde. Dem Discjockey des in den 60ern damals populärsten Marburger Beatkellers bescherte der Schüleraustausch eine mittlerweile fast 50 Jahre überdauernde grenzüberschreitende Freundschaft zu einem Franzosen.

Wulfes hat für seinen Film drei Wochen lang in Marburg, Himmelsberg, Kirchhain, Kiel, Paris und Thouars gedreht, einer kleinen westfranzösischen Stadt nahe Poitiers. Der Film will zeigen, „wie neugierig, naiv und fröhlich sich Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren aus beiden Ländern damals begegneten“, deren Väter und Großväter sich als „Erzfeinde“ im 1. und 2. Weltkrieg gegenüberstanden. Alles war neu, ungewohnt, doch nicht immer war die deutsche Kriegsschuld tabu, sagt Wulfes.

  • Eintrittskarten für die Premiere am Dienstag – inklusive eines kleinen Sektempfangs – gibt es für sechs Euro an der Abendkasse und im Vorverkauf des Cineplex.

Von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr