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Referent bringt Licht in eine düstere Epoche

Staatsarchiv Referent bringt Licht in eine düstere Epoche

„Wir sind heute Abend zusammen gekommen, um dem farbigen Mittelalter zu huldigen“, sprach Dr. Theo Kölzer im Hessischen Staatsarchiv Marburg und räumte gründlich mit diversen Vorstellungen auf.

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Ein Besucher betrachtet sich einen Ablassbrief. (Foto: Krauskopf)

von Christine Krauskopf

Marburg . Farbig war das Mittelalter in erster Linie für die weltlichen und geistlichen Herren, wovon aufwändig illustrierten Bibeln und Urkunden zeugen. Etliche Beispiele sind zurzeit in den Vitrinen des Staatsarchiv am Friedrichsplatz ausgestellt.

Das normale Volk bekam diese bunte Pracht nicht zu Gesicht. Denn früh- und hochmittelalterliche Bibliotheken waren nicht jedermann zugänglich, berichtete der Bonner Historiker Dr. Theo Kölzer zur Ausstellungseröffnung.

Das Volk konnte sowieso nicht lesen und war mit dem Kampf ums nackte Überleben beschäftigt. Auf dem Dorf hauste es im Schmutz und mit dem Vieh unter einem Dach und mühte sich sehr für den täglichen Getreidebrei. Reserven hatten diese Menschen nicht, statistisch gesehen erlebte jeder mindestens eine Hungersnot mit, erläuterte Kölzer. Dieses Dasein wurde als gottgegeben ertragen. „Man konnte ihm nicht etwa in freier Selbstbestimmung entfliehen, um nicht ewiger Verdammnis anheimzufallen.“

Das Bild eines „finsteren“ oder „dunklen“ Mittelalters stimme ebenso wenig wie das Mittelalter als Synonym für Rückständigkeit zu verwenden, sagte der Referent und zählte ein paar Errungenschaften der Jahre etwa zwischen 500 und 1500 auf: die Brille, die Windmühlen, mechanische Uhren, den Erhalt der antiken Schriften durch Kopieren, die Grundlagen des modernen Bankgeschäfts, das Rechnen mit arabischen Zahlen, die Glaubensspaltung, die Familiennamen und das Werden der Nationen.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Freitagsausgabe der OP.

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