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Realer Fall als Basis für großen Krimi

Merle Kröger beim Krimifestival Realer Fall als Basis für großen Krimi

Das Marburger Krimifestival ist eröffnet und Krimifans bekommen wieder alles geboten, was das Genre so spannend macht. Zum Auftakt am Montag war Merle Kröger, Gewinnerin des Deutschen Krimipreises 2013, zu Gast.

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Für ihren ausgezeichneten Kriminalroman „Grenzfall“ erhielt Merle Kröger den Deutschen Krimipreis 2013. Am Montagabend stellte sie den Roman im TTZ vor.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Zwei Männer werden 1992 im deutsch-polnischen Grenzgebiet erschossen. Zwei Monate vor den rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen. Die Opfer waren Roma, die Sache wird als Jagdunfall deklariert und nie richtig aufgeklärt. Aus diesen Ereignissen heraus entwickelt sich Merle Krögers Krimi „Grenzfall“. Diese Ereignisse sind tatsächlich passiert. Kröger hat darüber gemeinsam mit Regisseur Philip Scheffner den Dokumentarfilm „Revision“ gedreht. „Grenzfall“ ist ein „Geschwisterprodukt“, wie die Autorin dem Publikum im TTZ erläuterte. Darin spinnt Kröger die Wirklichkeit in eine Fiktion weiter.

„Es gab viele Dinge, die wir bei den Recherchen erlebt haben, die aber keinen Eingang in den Film gefunden haben“, so Kröger. Der Film sei streng dokumentarisch, ganz auf den Ort des damaligen Geschehens und die Aussagen der Familien der Opfer konzentriert. Der Roman gebe ihr die Chance, „emotionale und politische Momente zu verdichten und die Realität in einen Möglichkeitsraum umzudenken“. In diesem Möglichkeitsraum lernen die Leser Adriana kennen. 1992, als der Vater erschossen wird, ist sie 13 Jahre alt.

20 Jahre später sitzt Adriana in Deutschland in Untersuchungshaft. Sie soll den Mann ermordet haben, der ihren Vater auf dem Gewissen hat. Hier kommt Mattie Junghaus ins Spiel: Die „Frau ohne festen Lebensentwurf“, die Fans von Merle Kröger bereits aus ihren ersten beiden Romanen „Cut!“ und „Kyai!“ kennen, reist nach Rumänien, in die Heimat von Adrianas Familie, um zu helfen. Kröger las sechs Kapitel, konzentriert auf ihre beiden weiblichen Hauptfiguren und erzählte dazwischen immer wieder Hintergründe des Romans und des realen Geschehens.

Die Kritik feiert die Autorin und ihr Buch als „Jimi Hendrix der deutschen Krimikultur“ und „veritables Meisterstück“. Mit weitem Abstand gewann Kröger den Deutschen Krimipreis 2013. Die im schleswig-holsteinischen Plön geborene Produzentin, Drehbuch- und Roman-Autorin lebt in Berlin. In Marburg ist sie zuvor noch nie zum Lesen gewesen, verriet sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Gestern Abend las Stephan Harbort las im TTZ aus „Die Maske des Mörders“. Am Donnerstag ist Ines Thorn mit ihrem Krimi „Frevlerhand“ ab 20 Uhr zu Gast im Lomonossow-Keller. „Frevlerhand“ ist ein historischer Krimi, der im 16. Jahrhundert in Frankfurt spielt. Gustelies, die Witwe eines Richters, entdeckt eine tote Frau in einem weißen Kleid mit einem Aschekreuz auf der Stirn. Bald tauchen weitere tote Frauen auf. Gustelies will den Mörder finden.

Bis Ende September stehen 15 weitere Lesungen, sowie zwei Krimi-Dinner und eine Veranstaltung für junge Krimifans auf dem Programm. Alle Informationen gibt es im Internet auf der Homepage www.krimifestival.de.

on Nadja Schwarzwäller

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