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Rathausgockel stoppt Ex-OB Vaupel

Krimifestival: Christina Bacher Rathausgockel stoppt Ex-OB Vaupel

Normalerweise kennt man den Historischen Saal im Rathaus als Ort für festliche Anlässe. Jetzt wurde er zum Verhörraum des Krimifestivals für Marburger Promis.

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Die Autorin Christina Bacher verhörte im Historischen Rathaussaal unter anderem den früheren Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Ein Oberbürgermeister a.D. wird vom Rathausgockel gestoppt. Ein Museumsdirektor kommt mit ominösem Koffer und dunkler Sonnenbrille. Und Krimifans haben einen Mordsspaß dabei.

Im Rahmen des Marburger Krimifestivals hatten die Organisatoren Mariella Terzo und Manfred Paulsen am Dienstag zu einer besonderen Lesung in den Historischen Saal des Rathauses eingeladen: „Marburger Promis im Verhör“. Fünf Prominente stellten sich der Herausforderung und dem Publikum ihre persönlichen Lieblingskrimis vor.

„Wie stoppt man Egon Vaupel?“ Indem man seiner Frau sagt, sie solle „Stopp“ sagen, scherzte der ehemalige Oberbürgermeister. Moderatorin Christina Bacher, die lange Zeit in Marburg gelebt hat und inzwischen selbst Krimis schreibt, präsentierte eine andere Möglichkeit: den Rathausgockel. Für alle Promis krähte der nach exakt sechs Minuten Lesezeit vom Handy. Schon nach den ersten sechs Minuten war klar: Eigentlich viel zu wenig Zeit. Vielleicht könnte Egon Vaupel eine 24-Stunden-Lesung machen, irgendwann einmal, und alle bringen den Schlafsack mit?

Der Ex-OB hatte sich „Ich vermisse Dich“ von Harlan Coben ausgesucht – obwohl er sonst eigentlich eher politische Bücher lese. Weil er über die aber mit anderen diskutieren muss und seine Frau im Urlaub genug davon hatte, drückte die ihm eben diesen Krimi in die Hand. Und stellte den rund 30 Gästen der Lesung die Geschichte über eine New Yorker Polizistin vor, die in einem Mord gegen ihre einstige große Liebe ermitteln muss.

Blue-Dolphins-Star braucht auch was für den Kopf

Profi-Basketballerin Svenja Greunke hatte sich einen Krimi ausgesucht, der einen regionalen Bezug und zudem mit ihrem Sport zu tun hat. In „Kryptonit“ wird ein Professor in Frankfurt ermordet, der zuvor als Basketballtrainer in Marburg gearbeitet hat. Autorin Verena Wilmes ist eine Freundin von Svenja Greunke, die verriet, dass sie gern lese, weil sie neben dem Sport auch etwas für den Kopf brauche. „Ich habe überlegt, ob er damit an- oder ausgeschaltet wird“, so die Sportlerin. Im „Verhör“ verriet Greunke 
dann auch, dass sie aus einer 
sportbegeisterten Familie stammt und schon als Baby in der Tragetasche in der Halle stand, während die Eltern Basketball spielten.

Moderatorin Christina Bacher war ganz klar der „gute Cop“ und legte keinem der Promis Daumenschrauben an. Im Fall von Dr. Christoph Otterbeck, Direktor des Marburger Kunstmuseums, gab sie sich angesichts seines Auftretens sogar eingeschüchtert: großer Koffer, dunkle Sonnenbrille, schwarzer Mantel. Alles stilecht. Otterbeck entführte die Gäste nach „Tannöd“. Andrea Maria Schenkel hat darin einen realen Mord auf einem Einödhof aus den 1920er-Jahren in eine fiktive Geschichte gepackt – „in eine enge Dorfwelt, wo das Grauen in den Familien, zwischen den Menschen wohnt“, wie Otterbeck erläuterte. Ihn habe das Buch auch deshalb interessiert, weil es auf Deutsch geschrieben sei und er mit Übersetzungen nicht so viel anfangen könne.

Klusmann kommt in Zeitnot

Alexandra Klusmann, lange Jahre die Frau hinter dem Marburger Krimifestival, hatte dann einen ganzen Tisch voller Bücher und ganz Skandinavien mit ins Rathaus gebracht. In ihren sechs Minuten stellte sie gleich mehrere Autoren vor, die sie begeistert haben und die allesamt auch schon zu Gast in Marburg gewesen sind: Viveca Steen zum Beispiel, der Alexandra Klusmann auf der Insel Sandhamm in Schweden über den Weg gelaufen ist, just da, wo ihre Bücher spielen. Oder Jussi Adler-Olsen, der seine allererste Lesung in Deutschland in Marburg hatte, kurz bevor der Hype um ihn so richtig losging.
Klusmann bekam nach ihrem Parforceritt durch die skandinavische Krimilandschaft, bei der sie es gar nicht mehr zum 
Lesen schaffte, die Zugabe der Veranstaltung zugestanden.

„Harte Kost“ servierte zuvor noch Andrea Katemann, Leiterin der Deutschen Blindenhörbücherei an der Marburger Blista. Sie entdeckte Raymond Chandler schon als Jugendliche für sich – sowohl die Bücher, als auch die Hörbücher mit Hans-Peter Hallwachs, Günter Lamp­recht oder Christian Brückner. „Ich fand die Figuren immer sehr beeindruckend“, so Katemann.

von Nadja Schwarzwäller

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