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Raffiniertes Spiel mit Hell und Dunkel

Marburger Schlossfestspiele Raffiniertes Spiel mit Hell und Dunkel

Mit langem Applaus wurde die diesjährige Opernaufführung der Marburger Schlossfestspiele gefeiert, bei der der Fürstensaal zum französischen Schloss mit traumhaften Sphären zwischen Licht und Schatten wird.

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„Pelléas und Mélisande“ von Claude Debussy kann man im Fürstensaal vor stimmiger Kulisse und in einer Inszenierung mit Gespür für die Architektur erleben.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Wie eine Lichtgestalt wirkt die hell gekleidete Mélisande (Tiina Lönnmark) mit ihren blonden Haaren und ihrem hellen und dennoch weichem Sopran. Vor Angst erstarrt trifft sie auf Golaud (Christian Backhaus), der auf der Jagd ist und mit seinem schwarzen Ledermantel wie ein Gegenpol zu ihr wirkt.

Die beiden Solisten Lönnmark und Backhaus schaffen es dennoch, eine Chemie zwischen ihren Charakteren entstehen zu lassen, spätestens, wenn Mélisande den ihr gegenüber knienden Golaud anleuchtet. Doch es ist dessen Halbbruder Pelléas (Kevin Dickmann, zum dritten Mal bei den Schlossfestspielen zu sehen), der Mélisandes Herz wirklich höher schlagen lässt.

Das Spiel zwischen der hellen Mélisande und der Finsternis am Schloss Allemonde, wo die meiste Handlung stattfindet, hat Enke Eisenberg raffiniert umgesetzt. Bilder von ­Gisela Weiß, auf deren Hof das Ensemble der Schlossfestspiele jedes Jahr lebt und probt, greifen die Symbolik des Dramas des Belgiers Maurice Maeterlinck auf.

Debussy setzte für seine Oper Maeterlincks Stoff musikalisch um und schuf damit eines der führenden Beispiele der Literaturoper. Im Gegensatz zur bis dahin vorherrschenden Grand opéra verzichtet Debussy auf große Arien und lässt die programmatisch angelegte Musik fortwährend durchlaufen.

Qualität trotz begrenzten Budgets erstaunlich

André Hammerschmidt, der musikalische Leiter der Schlossfestspiele, führt diese Durchsichtigkeit in seiner Fassung aus. Begleitet von einem Kammerensemble, bestehend aus Flöte, Oboe und Fagott, spielt Hammerschmidt am Flügel fast die komplette Oper hindurch. Die reduzierte Instrumentierung ist geschickt gewählt, denn gerade bei energischen Szenen überwiegt im Fürstensaal schnell der Nachhall, der es schwer macht, den gesungenen Text zu verstehen.

An sich ist der französischsprachigen Oper mithilfe der Einführung, die 15 Minuten vor der Vorstellung stattfindet, dem Programmheft und eventueller Grundkenntnisse der französischen Sprache sehr gut zu folgen. Die Gefühle werden über die Musik und das Schauspiel der Sänger transportiert, die allesamt mit hervorragenden und kräftigen Stimmen glänzen. Es ist erstaunlich, welche Qualität die Organisatoren des Vereins musica europa jedes Jahr mit ihrem begrenzten Budget auf die Beine stellen.

Auch in ihrer sechsten Inszenierung in Marburg zeigt Enke Eisenberg ein feines Gespür für die Architektur des Schlosses. Der Fürstensaal wird erneut in seiner gesamten Breite bespielt und am Ende der ersten Szene gehen Golaud und Mélisande durch das historische Hochzeitsportal. Passender kann man die Gegebenheiten kaum aufgreifen.

Das Publikum feierte das Ensemble mit einem langen, jubelnden Applaus für die gelungene, moderne und atmosphärisch stimmige Inszenierung dieser oft übersehenen Oper.

  • Die Oper ist von Donnerstag, 21. Juli, bis Samstag, 23. Juli, jeweils ab 20 Uhr im Fürstensaal des Marburger Landgrafenschlosses zu sehen.

von Mareike Bader

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