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Purcells Oper als zeitloses Erlebnis

"Dido and Aeneas" Purcells Oper als zeitloses Erlebnis

Mit viel Gefühl für den Raum und die Geschichte inszeniert Regisseurin Enke Eisenberg mit wenig Mitteln die barocke Oper „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell. Mit immer wieder neuen Perspektiven erlebt das Publikum den Fürstensaal ganz neu.

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Bilder und Klänge, die verzaubern: „Dido and Aeneas“ im Fürstensaal.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Henry Purcells einziges durchkomponiertes Bühnenwerk bietet sich geradezu an für ein Format wie die Schlossfestspiele. Sie erzählt von einer wunderschönen und doch tragischen Liebe, ist mit einer Stunde Spielzeit nicht besonders lang und schon Purcell selbst hatte als Begleitung nur ein Streichorchester vorgesehen.

Die Inszenierung der Schlossfestspiele durch Regisseurin Enke Eisenberg greift viele wichtige Bestandteile der Oper auf, setzt aber auch eigene Schwerpunkte. So erweiterte Eisenberg die Oper um zwei weitere Werke Purcells sowie um „Oft She Visits“ als Prolog, dessen originale Musik nicht überliefert ist.

Durch Verzicht auf durchchoreographierte Tänze und mit einem kaum vorhandenen Bühnenbild schafft Eisenberg so die Historie der antiken Geschichte, der barocken Musik und des gotischen Fürstensaals auf einer zeitlosen Ebene zu umgehen und dabei einen eigenen Raum zu schaffen. Nur ein großes weißes Tuch sorgt für das Bühnenbild, mit dem das Ensemble immer wieder fantastische Bilder und interessante Perspektiven zaubert.

Nahtlose Verknüpfung der drei Akte

Das Publikum sitzt reihum am Rand des Fürstensaals, der somit unverstellt in seiner kompletten Breite bespielt wird. „Für mich ist es wichtig, dass der Raum wirkt, wie er ist“, berichtete Eisenberg nach der Premiere am Freitag.

So hüpft Pamela Heuvelmans als Didos Vertraute Belinda im ersten Akt zwischen Dido und Aeneas, die jeweils an einen Pfeiler lehnen, hin und her um die aufkeimende Liebe der beiden zu bestärken.

Die drei Akte der Oper gehen nahtlos ineinander über. Grandios verkörpert die ägyptische Mezzosopranistin Farrah El Dibany die karthagische Königin Dido, mit Kevin Dickmann als trojanischer Prinz Aeneas steht ihr ein an Kraft und Ausdruck ebenbürtiger Partner zur Seite. Cornelia Haslbauer und Susan Jabrini spielten wunderbar die hinterlistigen Hexen, die zusammen mit dem Zauberer (William Kwiatkowski mit einem wunderschön kräftigen Bass) ihre Verschwörung aushecken.

Publikum begeistert

Purcell setzte bei seiner Komposition weniger auf die Virtuosität wie bei italienischen Opern, sondern setzte auf den Affektausdruck wie in Frankreich. Dies wird von allen Sängern wunderbar umgesetzt, die gut textverständlich singen. Eisenberg macht den Fürstensaal zur großen Bühne. Die Kostüme sind farblich abgestimmt und sogar die dicken Pfeiler werden ins Spiel integriert.

Auch die großen schwarzen Vorhänge sind alle geöffnet. „Da wird der Raum plötzlich lebendig“, schwärmt die Regisseurin. Das verleiht dem großen Raum mehr Hall, was jedoch nur bei den schönen Arien auffällt. In den vielen Chorpartien hingegen verstärkt dies den Klang, so dass sich die 19 Darsteller anhören wie ein großer Konzertchor. Zusammen mit dem Barockensemble und dem Laienchor, bestehend aus vielen Marburgern, schafft der musikalische Leiter André Hammerschmied ein in sich stimmiges und harmonisch ausgewogenes Klangbild.

Das Publikum bei der Premiere zeigte sich begeistert und spendete langen Applaus und viel Jubel, besonders für den aus Gießen stammenden Tenor Yannick Bernsdorff, der als immer wieder herumtorkelnder „Sailor“ sichtlich begeisterte.

von Mareike Bader

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