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Publikum wartet geduldig auf die Hits

Anne Clark im KFZ Publikum wartet geduldig auf die Hits

Sie gilt als Ikone des New Wave und der elektronischen Musik: Anne Clarks Musik prägte den Sound der 1980er Jahre entscheidend mit. Auch heute noch füllt die 54-Jährige Engländerin mühelos das KFZ.

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In dunkler Lederjacke und mit Kurzhaarfrisur präsentierte sich die Engländerin Anne Clark ihren fans im KFZ.

Quelle: Heike Döhn

Marburg. Die meisten Besucher haben zum dunklen Elektrobeat der Wave-Altmeisterin wohl schon in den 80ern getanzt und sind mit Anne Clark ein wenig in die Jahre gekommen. Trotzdem fand das Publikum durchaus auch Gefallen an der Vorband „Annagramm“, deren minimalistischer und dabei theatralisch vorgetragener Elektro-Sound auch durchaus eine Menge vom Geist des New Wave atmete, durchgemixt mit Reminiszenzen an „Ixi“ und „2Raumwohnung“.

So freundlich das Publikum das Duo auch aufnahm, gewartet haben natürlich alle auf die depressive Muse des Wave, und die erschien in dunkler Lederjacke, zierlich und mit leicht verwuschelter Kurzhaarfrisur – und erstaunlich wenig gealtert. Konzentriert und ernst bot sie die ersten Stücke in gewohnter Manier – Anne Clark ist keine Sängerin im eigentlichen Sinne, sondern trägt ihre Texte als Spoken Word Poetry vor, immer ein wenig monoton und mit wenig spürbarer Lebensfreude.

Weltschmerz heißt nicht von ungefähr ein klassischer Titel Anne Clarks, den sie zwar nicht spielte, dessen Grundton aber im Grunde in allen Texten der Songschreiberin an-klingt. Man könnte meinen, Anne Clark hat wenig zu lachen im Leben, aber wenn sie gelegentlich lächelte – oder in einem Stück sogar tatsächlich so etwas tat wie singen – dann wirkte die Dame der Düsternis plötzlich erstaunlich verschmitzt.

Grenze zum Kitsch wird gelegentlich überschritten

Begleitet wird Anne Clark von einer Band, die mit Cello, Gitarre und Keyboard für den Klangteppich sorgt, auf dem sie ihre Texte ausbreitet, und die auch immer mal wieder zeigen darf, was sie so drauf hat. Dem Hang zum Pathos, den Anne Clark auch schon im eher minimalistischen Frühwerk durchschimmern ließ, lässt die musikalische Untermalung mit viel Wabern und mystischem Raunen leider ziemlich viel Raum, weshalb die Grenze zum Kitsch gelegentlich überschritten wurde.
Am besten funktioniert die Verbindung aus Rezitation und Musik immer noch, wenn die Musik nicht an den Rändern ausfranst, sondern Anne Clarks Vortrag einen straffen Rahmen gibt.

Das Publikum folgte Clark und ihren Musikern freundlich, wartete aber natürlich trotzdem den ganzen Abend auf die beiden Songs, mit denen Anne Clark sich in die Musikgeschichte eingeschrieben hat. Zur Zugabe war es dann endlich so weit, und bei der energetischen Präsentation von „Sleeper in Metropolis“ und „Our Darkness“ sprang der Funke über – diese Musik hat an elektrisierender Eindringlichkeit über die Jahre hin rein gar nichts verloren.

von Heike Döhn

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