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Publikum spendet viel Zwischenapplaus

Canticum Antiquum Publikum spendet viel Zwischenapplaus

Beim traditionellen Karnevalskonzert zeigte der Chor Canticum Antiquum eine Hirtenmadrigalkomödie rund um die Liebe mit stilisierten Gestalten in einer flüchtigen Scheinwelt.

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Das Marburger Vokalensemble Canticum Antiquum unter der Leitung von Brigitte Krey besang mit Werken von Monteverdi, Marenzio und Frescobaldi „Bukolische Lustbarkeiten“.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Marburg. Die Bukolik beschreibt das Schäferidyll. Aus Adriano Banchieris „Vivezze di Flora e Primavera“ entnahm das Canticum Antiquum den Grundgedanken der singen und dichtenden Hirten. Als Dichterhirte Mopsus führte Ele Grau auch in diesem Jahr als Erzählerin und Moderatorin durch den Opernvorläufer mit Texten von Tasso, Vergil oder Ovid. Die Textpassagen trug sie sehr leidenschaftlich vor. Doch an manchen Stellen machte es die übertriebene Aussprache schwer dem Text angemessen zu folgen.

Wie es sich für die Karnevalskonzerte gehört, waren die Sänger und Sängerinnen auch wieder in historischen Gewändern gekleidet. Dazu erschienen die drei Amoretten Dorothea Philipps, Katharina Philipps und Uta Schwabe in feinen, fließenden Kleidern und mit langen Haaren. Dagmar Stein-Cadenbach stand als Liebesgott Eros mit einem weiß-goldenen Kleid, mit Pfeil und Bogen ausgestattet und einer Fackel in der Hand auf der Bühne.

Auch bei den Gesangsstücken der Hirtenmadrigalkomödie „Bukolische Lustbarkeiten“ bedienten sich die etwa 40 Sänger und Sängerinnen bei verschiedenen Künstlern der Renaissance. Sie mischten unter die italienischen Kompositionen von Banchieri, Frescobaldi oder Monteverdi auch deutsche Werke von Johann Hermann Schein. Nach dem schönen „Wenn Filli ihren Liebesstrahl“ gab es den ersten Zwischenapplaus aus dem Publikum. Es wirkte mitunter befremdlich, wenn zwischen den Gesangsstücken und sogar nach einzelnen Textpassagen sich das Publikum zu Beifall hinreißen ließ.

Die Leistung des Chores, der sich zum Großteil aus Gesangsschülern der Leiterin Brigitte Krey zusammensetzt, war wirklich lobenswert. Bei Madrigalen wie Monteverdis „Sovra tenere herbette“ aus dessen drittem Madrigalbuch verwoben sich die Stimmen in einer herrlichen Polyphonie ineinander und zeigten ein traumhaft schönes Klangbild. Dennoch wurde bei wichtigen Stellen stets auf die Textverständlichkeit geachtet. Die Begleitung durch Yoshio Takanayagi an der Theorbe fügte sich so nahtlos ein, dass man sie an manchen Stellen kaum als solche wahrnahm. Bei seinen beiden hervorragenden Soli von Kapsberger und Louperin hörte das Publikum äußerst konzentriert zu.

Doch der willkürlich einsetzende Applaus riss die Werkeinheit der Madrigalkomödie zu sehr auseinander, so dass man die Stücke nur noch einzeln wahrnahm. Möglicherweise verleitete dazu die wechselnde Besetzung, durch die man die Rollen nur schwer zuordnen konnte oder die Länge des Werkes, die auch Krey unterschätzt hatte. „Es war ein langes Konzert, wir haben uns etwas verkalkuliert“, gestand sie nach der Zugabe. Doch das machte nur wenigen etwas aus und so wurde das Canticum Antiquum am Ende mit einem langen, kräftigen Applaus belohnt.

von Mareike Bader

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