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Publikum feiert die Besten der Besten

„Best Of Black Gospel“ Publikum feiert die Besten der Besten

Zahlenmäßig war es wohl der größte Chor in der Geschichte Marburgs, den man am Sonntagabend in der Katholischen Kirche St. Peter und Paul hören konnte. Dabei bestand der Chor eigentlich nur aus neun Personen.

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Acht herausragende Sänger präsentierten in der ausverkauften ihr Programm „Best Of Black Gospel“.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Wer von den 500 Zuschauern angenommen hatte, dass er sich bei der Show in Passivität üben könne, hatte seine Rechnung ohne Gregory Kelly, langjähriger Organisator des Ensembles, gemacht. Seit dem 5. Dezember vergangenen Jahres ist der Chor auf großer Deutschlandtour, die ganze 51 Konzerte zählt. Bisher waren die Konzerte fast überall ausverkauft. So auch am Sonntag in Marburg. Verständlich, denn der Chor besteht aus den besten Sängern der US-Gospelszene, die einige der bekanntesten Gospel-Lieder im Programm hatten.

Gregory Kelly, der bereits mit Stevie Wonder und Diana Ross zusammengearbeitet hat und am Piano steht, führte das Publikum mit viel Charme und Humor durch die Show. Dabei waren insbesondere seine deutschsprachigen Einlagen zum Schreien komisch. „Ich komme seit fast 15 Jahren regelmäßig nach Deutschland. Hier und da lernt man schon ein bisschen was von der Sprache“, strahlte Kelly nach der Show. Immer wieder animierte er das Publikum zum Mitsingen und übergab ihm Choraufgaben.

„Ich denke, dass das Publikum es hört, wenn man nicht hundertprozentig von der Nachricht überzeugt ist“, erklärte Chastity Hinson. Gospel müsse man mit offenem Herzen und unerschütterlichem Glauben singen. Außerdem gebe es eine innige und wichtige Bindung zwischen Gospelchor und Zuhörerschaft bei einem Konzert.

Nur Piano und Schlagzeug als Begleitung

Das Publikum gab sich Gesang und Rhythmus vollends hin. Sowohl Kinder im Grundschulalter, als auch Senioren mit Gehstock konnten sich besonders den Lebensfreude vermittelnden Liedern nicht verschließen. So beispielsweise bei der Interpretation von Louis Armstrongs „When The Saints Go Marching In“ und „Oh Happy Day“ von Edwin Hawkins. Zwei schnell getaktete, peppige Stücke, die manchen Besucher durch die Bankreihen tanzen ließen.

Die instrumentale Begleitung bestand lediglich aus zwei Pianos und einem Schlagzeug, die dem Konzert den nötigen melodischen Rhythmus verlieh. Stimmliche Highlights gab es zur Genüge. Dennoch stach das sechsminütige Solo von Reverend Charles Lyles heraus, der sich dabei auf dem Piano begleitete. Leise und sanft begann Lyles, bevor seine Gesangsstimme quasi explodierte und den gedimmten Kirchensaal hell erleuchtete – Extraklasse. Ebenfalls großartig war das Stück „Freedom“, das Steven Spreadley mit seiner unheimlich voluminösen Soul-Stimme sang.

Apropos „Freiheit“: Auch einen historischen Exkurs hinsichtlich Gospel ließ Gregory Kelly in die Darbietung einfließen. Es sei die Musik der afrikanischen Sklaven, die in die USA verschleppt wurden. Ausgebeutet und ohne Besitz hätten sich die Menschen der Preisung Gottes verschrieben, um auf eine Linderung ihres Leides zu hoffen. Allerdings hielt Kelly den Exkurs kurz. Er wusste, dass die Zuhörer lieber fulminanten Stimmen lauschten als einer Lehrstunde in Geschichte beizuwohnen.

Nach rund 90 Minuten war das Konzert zu Ende. Doch die Zuschauer verlangten nach mehr. „Es gibt eine Zugabe“, sagte Kelly grinsend, während er die CD zum Live-Programm hoch hielt: „20 Lieder Zugabe!“ Das ließen sich viele Zuschauer nicht zweimal sagen und standen Schlange, um Tonträger zu erwerben und signieren zu lassen, nachdem „Best Of Black Gospel“ eine Zugabe gegeben hatte.

von Benjamin Kaiser

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