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Publikum feiert den jungen Cellisten Edward King

Eckelshausener Musiktage Publikum feiert den jungen Cellisten Edward King

So oft Bachs Cellosuiten auch gespielt werden, sie klingen jedes Mal anders. Auch der junge Cellist Edward King drückte ihnen mit seinem akzentuierten Spiel seinen eigenen Stempel auf und faszinierte auch mit Neuer Musik.

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Edward King gab am Montag in der Kirche Eckelshausen ein Konzert im Rahmen der Eckelshausener Musiktage. Foto: Gaertner

Quelle: Florian Gaertner

Eckelshausen. Sonst ist der Montag immer ein Ruhetag bei den Eckelshausener Musiktagen. Aber der künstlerische Leiter Julius Berger wollte unbedingt ein Konzert mit seinem ehemaligen Schüler Edward King unterbringen. „Ein außergewöhnlicher Cellist. Wenn ihr den nicht gehört habt, habt ihr was verpasst“, habe er gesagt, so die zweite Vorsitzende Katharina Zürcher. Bei der Suche nach einem geeigneten Spielort wurde die Eckelshausener Kirche sozusagen wiederentdeckt. In den Anfangsjahren der Eckelshausener Musiktage wurde sie regelmäßig bespielt, wurde dann aber zu klein für das wachsende Festival. Zuletzt spielte das „Trio con Brio“ dort 2011.

Am Montag erlebten in der kleinen Kirche 70 Zuhörer Edward King, der zu den herausragendsten jungen Cellisten Neuseelands gehört. Ganz klassisch begann er mit der Cellosuite Nr. 1 von Johann Sebastian Bach. Gleich bei den ersten Tönen des so bekannten Preludes hörte man die Besonderheit von Kings Interpretation. Die Dreiklangsbrüche spielte er sehr deutlich und arbeitete viel mit dem Wechsel der Dynamik und des Tempos. Beide Bach-Suiten spielte King ohne Stachel an seinem Cello. Dies entspräche der Tradition zu Zeiten Bachs, erklärte er im Gespräch. Es sei bei dieser Spielweise angenehm, die Füße frei zu haben, und seiner Meinung nach ändere dies auch den Klang des Instrumentes.

Im Mittelteil des Konzertes wurde es sehr interessant. Bei Pendereckis „Divertimento“ entlockte Edward King seinem Cello ungewohnte Klänge. Auf seltsam hohe Töne folgten sehr tiefe. Dabei sprangen Kings Finger auf dem Griffbrett so schnell und kraftvoll hin und her, dass man die Fingerdrucke deutlich hören konnte. Dazu verwendete er jede mögliche Technik, wie Streichen, Zupfen oder Klopfen. So klang das Cello mal so schön harmonisch weich, dann aber auch sehr kratzig. Dazu passte auch die Mimik und Gestik des Neuseeländers, der energisch und mit voller Leidenschaft spielte. An einigen Stellen erinnerte dies gar an den kraftvollen Haka-Tanz der Maori, der von der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft vor den Spielen aufgeführt wird, um Gegnern Angst einzujagen. Für seine Interpretation des Penderecki-Divertimentos erhielt Edward King kürzlich einen Sonderpreis bei der „International Penderecki Cello Competition“, der ihm von Penderecki persönlich überreicht wurde.

Auch das zweite Werk Neuer Musik, die „Sacher Variation“ von Witold Lutoslawski begeisterte mit fast rockiger Rhythmik, interessanten Fingergriffen und der feinen Bogenführung Kings, die sein Cello wie einen Bienenschwarm surren ließ.

In Eckelshausen spielte Edward King zum ersten Mal zwei Cellosuiten von Bach an einem Abend, erzählte er etwas müde nach dem Konzert. Jedes Konzert sei anders. Die Cellosuiten versuche er immer relativ frei zu spielen und seinem Gefühl zu folgen. Das entspricht dem Sinn Bachs, der stets Improvisationen verlangte. Mit teils expressiver Schnelligkeit flitzte Edward King durch die Cellosuite Nr. 6, die ursprünglich für die fünfsaitige Viola pomposa geschrieben wurde. Mit außergewöhnlichen Daumengriffen meisterte er diese Schwierigkeit und überzeugte mit seiner Schnelligkeit und Rhythmik. Allerdings wirkte dies bei der zweiteiligen Gavotte zu übertrieben.

Dies tat dem wundervollen Abend jedoch keinerlei Abbruch. Nach kräftigem Applaus mit Standing Ovations verabschiedete sich Edward King mit zwei Zugaben von seinem begeisterten Publikum.

Freitagabend sind die Mainzer Virtuosi ab 20 Uhr mit dem Program Poem in der Stiftskirche Wetter zu Gast.

von Mareike Bader

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