Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Publikum feiert Weltstar mit Ovationen

Giora Feidman Publikum feiert Weltstar mit Ovationen

Der Weltklasse-Klarinettist Giora Feidman spielte zum wiederholten Male in der Elisabethkirche. Doch langweilig sind seine Konzerte nie. Der fast 80-Jährige begeistert mit seinem Spiel, seiner Musik, seinem großen Herzen und seiner großen Energie.

Voriger Artikel
Musiker bringen Publikum zum Staunen
Nächster Artikel
Ein zorniges Theater-Erlebnis

Musizierend hält der Weltstar Giora Feidman Einzug in die ausverkaufte Elisabethkirche. Er liebe diese Kirche, sagte der der OP nach dem Konzert.Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Giora Feidman ist ein Weltstar ohne jegliche Allüren. Wie selbstverständlich steht er sowohl vor als auch nach dem Konzert im Eingangsbereich der Elisabethkirche, kommt den vielen Autogrammwünschen der Konzertbesucher nach und freut sich über den Kontakt zu den Menschen - wie schon bei vergangenen Konzerten in Marburg.

Er liebe die Elisabethkirche, erzählt er im Gespräch mit der OP und ergänzt, dass sie für ihn ein besonderer Ort sei, zu dem er gerne immer wieder zurückkehre. Jede Kirche habe ihre eigene Energie, schwärmt der fast 80-jährige Klarinettist, der aktuell während seiner Tour sechs Konzerte pro Woche spielt.

Auch Feidman strahlt eine eigene Energie aus - und dafür liebt ihn das Marburger Publikum. Das Konzert beginnt mit zarten Tönen, bei denen Feidman wie üblich durch den Mittelgang der Elisabethkirche ganz langsam zur Bühne geht. Kaum vorne angekommen, reicht ein Blick zu den vier Cellisten, die Feidman dieses Mal als Begleiter ausgewählt hat, und mit einem Schlag wird es lebendig und munter in der Kirche.

Die Musiker verstehen sich prächtig, stellen sich immer wieder perfekt aufeinander ein - es wird improvisiert, Melodien werden mit vielen Verzierungen erweitert und stellenweise wird rasant das Tempo angezogen. Gekonnt wechseln die Cellisten Kira Kraftzoff, Sergio Drabkin, Mikhall Degtjareff und Kirill Timofeev zwischen Streichen oder Zupfen. So tragen sie zu der fantastischen Atmosphäre der Stücke bei und geben gleichzeitig Giora Feidman Raum für dessen gekonnte Improvisationen. Feidman begeistert mit seiner Vielseitigkeit und einem enormem Lungenvolumen. Von extrem tiefen Tönen auf der Bassklarinette bis hin zu ganz hohen Tönen auf der normalen Klarinette - Feidmans Spiel ist wieder einmal verblüffend. Das Programm bietet weit mehr als nur „Cello meets Klezmer“. Es ist poppig, jazzig und manchmal fast klassisch. Einige Stücke sind von Sergio Drabkin arrangiert, das einzig neue Stück des Abend, das schöne, ein­gängige „Lullaby“, stammt von Misha Degtjareff.

„Juden und Deutsche singen gemeinsam in einer Kirche - das ist Menschheit“, sagt Giora Feidman gerührt am Mikrophon und kündigt die Zugabe vor der Pause an: Seine Mischung der Nationalhymnen Deutschlands, Israels und Palästinas, die so schön und harmonisch miteinander verflochten sind, dass sie wie aus einem Guss wirken. Zuvor ließ Feidman sein Publikum bei „Donna Donna“ wieder mitsingen.

Giora Feidman ist ein Musiker mit Herz und Seele und live ein absolutes Erlebnis. „The music will sagen alles“, kommentiert er in seiner typischen Mischung aus Deutsch und Englisch die Probleme auf der Welt, die ihn sichtlich berühren.

Gegen Ende werden bekannte Stücke gespielt, wie „What a Wonderful World“ von Louis Armstrong - das sei die richtige Melodie für diese Zeit, sagt Feidman. Einige Zuhörer seufzen schon vor dem ersten Ton des traumhaft schönen Arrangements.

Am Ende bedankt sich das Publikum begeistert mit kräftigem Applaus und nach beiden Zugaben mit stehenden Ovationen.

von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr