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Publikum feiert Orchester

Collegium musicum Stadtallendorf Publikum feiert Orchester

Das war ein Glanzpunkt, für Freunde der klassischen Musik sogar schon jetzt der Höhepunkt der diesjährigen Stadtallendorfer Kunst- und Kulturtage: 125 Besucher feierten in der Stadthalle das Collegium musicum und seine Solisten.

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Die Freude über ein begeisterndes Konzert und den Applaus des Publikums ist in den Gesichtern der Musiker des Collegium musicum Stadtallendorf und seinen Solisten abzulesen. Foto: Helmut Rottmann

Stadtallendorf. Zum Auftakt erklang eine Passacaglia Händels in der Bearbeitung von Aslamazjan. Die 23 Streicher spielten unter ihrem Spiritus Rector Georgi Kalaidjiev mit feinem Schmelz in ausgewogenem Ensembleklang, mit weichen Taktwechseln und frischen Pizzikatos. Ungewohnt waren die Klangeintrübungen gerade bei den Verzierungen.

Aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ spielten das Collegium musicum Stadtallendorf und die beiden Violinsolisten Georgi Kalaidjiev mit seiner Kollegin vom Philharmonischen Orchester des Stadttheaters Gießen, Ji-Yeon Shin, den „Herbst“ und den „Winter“. Mit Lust und Präzision gestalteten die Musiker die Schilderungen des bäuerlichen Lebens nach der Herbst-Ernte sowie die Auswirkungen von Wind, Regen, Eis und Schnee im Winter auf Mensch und Natur.

Punktgenau gelangen dem Collegium musicum Stadtallendorf die Forte-Piano-Kontraste, exakt die rhythmischen Akzentuierungen und mustergültig die Ausschmückung der Themen. Diese griffen die beiden Solisten Shin und Kalaidjiev bereitwillig auf, umspielten und erweiterten sie kunstvoll mit doppelgriffigen Passagen und akkuraten Tonläufen. Shin und Kalaidjiev spielten virtuos, feinfühlig bis zupackend, mit Herz und Leidenschaft.

Nach zwei Jahren Probe und Aufführungen von Frühjahr und Sommer mit Akkordeon und jetzt Herbst und Winter sollte das Collegium musicum sich und die Zuhörer mit einer Aufführung des ganzen Werkes von Verdi belohnen.

Das zweite der elf Klavierkonzerte Haydns ist dessen bekanntestes. Solist Volkmar Krafft schwelgte in tänzerischer Leichtigkeit, in volkstümlicher Melodik, glänzte mit virtuosen Läufen und akzentuierter Rhythmik. Ihm gelang im Zusammenspiel mit dem feinfühligen Oboisten Peter Sanders vom Philharmonischen Orchester des Stadttheaters Gießen und dem Collegium musicum eine amüsante musikalische Konversation mit spannungsvollen Momenten.

Zum Abschluss erklang Mozarts „kleine“ g-Moll-Sinfonie KV 183. Das Collegium musicum mit erweiterter Bläserverstärkung, unter anderem vier Hörner, griff die Seufzer-Thematik geschickt auf, um danach mit Freude in tänzerischer Eleganz zu wandeln. Das war Musizierfreude pur: Streicher mit frischem Klang und feinem Glanz, Bläser mit einschmeichelndem Ton. Auch wenn die Hörner manchmal rauh bis dominant klangen: Es war ein phantastischer Klang; es war ein begeisterndes Musizieren mit Lust und Leidenschaft. Zu Recht feierten die 125 Besucher das Collegium musicum Stadtallendorf für einen zauberhaften Konzertabend.

von Helmut Rottmann

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