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Publikum feiert Dirigent und Musiker

Lukas Rommelspacher und die JMP Publikum feiert Dirigent und Musiker

Seit wenigen Wochen steht der Marburger Lukas Rommelspacher am Dirigentenpult der Jungen Marburger Philharmonie. Sein Start mit Verdi, Brahms und Dvorák vor 350 Besuchern war mehr als gelungen.

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Lukas Rommelspacher leitete am Sonntag in der Lutherischen Pfarrkrche sein erstes großes Konzert mit der Jungen Marburger Philharmonie .Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Sinfoniekonzerte in einer Kirche sind durch die Akustik immer etwas Besonderes. Gleich bei der Ouvertüre aus Verdis Oper „La forza del destino“ spürte man das Ungleichgewicht der Instrumente beim Tutti. Einzeln betrachtet bestachen die Instrumentengruppen dagegen mit kräftigen Bläsern und warmen Streichern.

Lukas Rommelspacher ( lesen Sie auch den „Hintergrund“) führte das Orchester mit ruhiger und fester Hand. Der gebürtige Marburger hatte zum Sommersemester die Leitung des seit 1993 bestehenden Orchesters übernommen. Der Pianist und Dirigent begann seine pianistische Laufbahn an der Marburger Musikschule. Viele seiner ehemaligen Mitschüler und auch seine damalige Lehrerin Charlotte Schmidt-Schön saßen im Publikum, um Rommelspacher zu unterstützen, der mit dem Violinkonzert D-Dur von Brahms und Dvoráks Sinfonie Nr. 8 in G-Dur zwei große romantische Werke ins Programm genommen hatte.

Brahms einziges Violinkonzert ist für das Miteinander von Orchester und Geige, nicht für die Betonung der Solo-Partien berühmt. Man konnte durchaus befürchten, dass die Solistin Jeanine Thorpe durch das Orchester übertönt werden könnte - doch die Engländerin meisterte nicht nur diese Herausforderung mit Bravour. Mit viel Gefühl stieg die Violinistin in einem zarten Dialog mit dem Orchester ein und ging fortan völlig in der Musik auf.

Mit teils ernster Miene brillierte sie mit schnellen Sechzehntelläufen, Doppelgriffen und extremen Sprüngen. Beim eingänglichen dritten Satz, dessen Solo-Partien als die virtuosesten gelten, huschte immer wieder ein Lächeln der Spielfreude über ihr Gesicht. Das Orchester hatte sich wunderbar auf ihre Solistin eingestellt und bot einen hervorragend ausgewogenen Klang, so dass selbst im Tutti-Finale des ersten Satzes Thorpe deutlich herauszuhören war.

Nach der Pause entführten die etwa 80 Musiker das Publikum in die schöne Stimmungsmalerei von Dvoráks achter Sinfonie, die letzte, die der böhmische Komponist noch in der „alten Welt“ in Böhmen, geschrieben hat. Fabelhaft vermittelte die JMP hier die Stimmung dieser Sinfonie, die von der Leidenschaft zu Dvoráks Heimat und dem Willen nach Aufbruch bestimmt ist. Allen voran der dritte Satz, bei dem Dvorák sich vom dritten Satz der fünften Sinfonie Tschaikowskys inspirieren ließ und dessen walzerartiges Thema von den Streichern traumhaft umgesetzt wurde, bis der kraftvolle vierte Satz die Zuhörer aus dem Schwelgen in schönen Melodien riss.

Lukas Rommelspacher hatte seine Arme noch nicht ganz runtergenommen, da begann schon der Applaus, der sich wie vor der Pause immer mehr steigerte und mit Trampeln und einzelnen Standing Ovations gekrönt wurde.

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Hintergrund

Ein Dirigent, der Klassik und Fußball liebt

Gerade mal 22 Jahre jung ist der Marburger Lukas Rommelspacher und schon dirigiert er ein großes Orchester. Zum Sommersemester hat er Martin Gärtner am Dirigentenpult der Jungen Marburger Philharmonie (JMP) abgelöst. Rommelspacher machte sein Abitur am Gymnasium Philippinum und studiert derzeit Klavier und Dirigieren an der Hochschule für darstellende Kunst in Frankfurt.

Schon zu Schulzeiten hat er mehrere Preise bei Jugend musiziert mit seinem Soloinstrument Klavier gewonnen. 2012 gründete er den Jungen Chor Marburg, dessen musikalischer Leiter er ist. Zum Ausgleich spielt Lukas Rommelspacher gerne Fußball – er ist Mittelfeldspieler beim FSV Schröck.

Für Lukas Rommelspacher ist die Leitung des großen Laienorchesters eine neue, spannende Herausforderung. Er möchte das Orchester musikalisch nach vorne bringen. Und auch das ambitionierte Marburger Orchester freute sich bei der Bekanntgabe des Stabwechsels Ende März bereits „auf eine hoffentlich lange und fruchtbare Zusammenarbeit“.

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