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Publikum bejubelt Pianist und Orchester

Junge Marburger Philharmonie Publikum bejubelt Pianist und Orchester

Für das Semesterabschlusskonzert hatte sich die Junge Marburger Philharmonie (JMP) drei Werke ausgesucht, die das Publikum ebenso begeisterten wie der junge 
Pianist Xi Zhai.

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Die Junge Marburger Philharmonie begeisterte ihr Publikum beim Semesterabschlusskonzert am Sonntag im Marburger Audimax.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Es war bemerkenswert, mit welcher Präzision der 28-jährige chinesische Pianist die Anforderungen des 1. Klavierkonzerts, op. 15, von Johannes Brahms meisterte. Während in den gefühlvollen Passagen seine Finger stellenweise wellenartig über die Klaviatur flossen, entwickelten seine zart aussehenden Hände besonders in den Solo-Passagen enorm viel Kraft.

„Eigentlich ist das eine richtige Sinfonie mit Klavierstimme, kein normales Klavierkonzert“, erklärte Xi Zhai im Gespräch. Der chinesische Pianist lobte die Laienmusiker der JMP für ihren Ausdruck und ihre Musikalität und Leidenschaft und erklärte, dass das 1. Klavierkonzert von Brahms sowohl für Orchester als auch für Klavier sehr schwer sei, besonders in der Interpretation.

Kleiner Fehler im Programmheft

Die wurde von den Musikern hervorragend umgesetzt. Der junge Marburger Dirigent Lukas Rommelspacher führte sein Orchester hochkonzentriert und hielt fortwährend guten Kontakt auch mit dem Pianisten. Sehr schön ausgearbeitet waren auch die verschiedenen Instrumenteneinsätze, wie der Ruf der Hörner, die den virtuosen Charakter des Werkes unterstrichen. Mit dem wirkungsvollen, kräftigen Hauptmotiv leitete Rommelspacher mit starken Akzenten zum Finale, bei dem sich erneut die flinken Läufe im Klavier und das expressive Spiel des Orchesters trafen.

Ungewöhnlicherweise begann das Konzert mit diesem wuchtigen Werk. Das sei allerdings von Anfang an so geplant gewesen und sei lediglich im Programmheft falsch abgedruckt worden, erklärte Rommelspacher nach dem Konzert.

Die beiden Stücke nach der Pause standen in Sachen Emotionalität dem Brahms’schen Klavierkonzert kaum nach. Mit langsam anschwellenden tiefen Streichern begann die Ouvertüre aus „Nachklänge von Ossian“ von Niels Wilhelm Gade, die im Laufe des Stückes immer lebendiger wurde und durch den Einsatz der Klarinetten deutliche jüdische Einflüsse zeigte.

„Das Orchester hat riesigen Spaß am Stück entdeckt“

Spannend war vor allem die Sinfonietta Nr. 1, op. 41, von Mieczyslaw Weinberg. Weinberg, ein sowjetischer Komponist mit polnischen Wurzeln war ein Weggefährte Dmitri Schostakowitschs. Er ist im Gegensatz zu Schostakowitsch jedoch recht unbekannt geblieben. In seiner Sinfonietta mischte Weinberg folkloristische Elemente mit Stilmitteln aus Jazz, Klezmer, Blasmusik oder orientalischer Musik und deutlich modernem Anstrich.

Der Vorschlag, das Werk aufzuführen, stammte von einer Bratschistin des Orchesters, wie Helene Mönkemeyer beim neu eingeführten Einführungsvortrag berichtete. Auch den meisten Mitspielern war das Stück vorher unbekannt.
„Das Orchester hat riesigen Spaß am Stück entdeckt“, verriet Dirigent Lukas Rommelspacher im Gespräch. Dies war den Musikern anzumerken. Mit viel Elan führten die Laienmusiker durch die vier kurzen Sätze, in denen sie ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen konnten.

Das Publikum feierte die JMP ebenso kräftig wie zuvor den Solisten Xi Zhai mit langem Applaus und vereinzelten Jubel-rufen. Als Zugabe für den kaum enden wollenden Applaus gab es erneut einen kleinen Teil 
aus dem ersten Satz der Sinfonietta.

von Mareike Bader

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