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Premiere auf dem Dirigentenpult

Konzert Premiere auf dem Dirigentenpult

Zum elften Mal in Folge erklang am Wochenende Bachs Weihnachtsoratorium, und doch feierte die Kantorei der Elisabethkirche dabei eine Premiere.

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Beim Konzert der Kantorei der Elisabethkirche trat Johann Lieberknecht (links), Assistenz von Bezirkskantor Nils Kuppe, zum ersten Mal mit dem Laienchor öffentlich auf.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Johann Lieberknecht, Assistent von Leiter Nils Kuppe, übernahm am Samstag zum ersten Mal öffentlich die Leitung. Jedes Jahr ist dem Weihnachtsoratorium bei der Kantorei der Elisabethkirche ein anderes Werk vorangestellt. Dieses Jahr stand der erste Teil des Kirchenoratoriums „Die Geburt Christi“ von Heinrich von Herzogenberg auf dem Programm.

Weihnachtsoratorium - Marburg, Elisabethkirche - 05.Dezember 2015 : Foto / Michael Hoffsteter

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„Ich habe immer schon überlegt, wie ich Johann Lieberknecht die Gelegenheit geben kann, mit einem Orchester zu arbeiten“, erzählte Nils Kuppe im Gespräch. Der 30-Jährige ist seit 2009 Assistent von Nils Kuppe und hat nach seinem Studium an der Philipps-Universität ein Kirchenmusik-Studium aufgenommen. So war dies Lieberknechts erste öffentliche Aufführung mit der Kantorei der Elisabethkirche. Zugleich stand er zum ersten Mal vor einem Orchester - etwas, das er sonst erst zum Ende seines Studiums erlebt hätte, wie Kuppe erklärte. Das ruhig gehaltene Oratorium stimmte das Publikum zum Konzertgenuss ein - bei zwei Chorälen durfte sogar mitgesungen werden.

Rund 30 Kinder unterstützten den Sopran

Unter der Leitung von Nils Kuppe ist die Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium am zweiten Adventswochenende eine feste Tradition der Kantorei der Elisabethkirche geworden. „Irgendwie nutzt es sich nie ab“, erklärte der Bezirkskantor im Gespräch und betonte dabei, dass die regelmäßige Aufführung auch wichtig für seine Arbeit im Kinderchor sei. So freuen sich schon die jüngsten Kinder darauf, später mit der Kurrende mitsingen zu dürfen.

Auch dieses Mal unterstützten gut 30 Kinder den Sopran und traten sogar eigenständig auf: Sie übernahmen den Sopran-Choral „Er ist auf Erden kommen arm“, zum Accompagnato-Rezitativ von Tomás Selc (Bass). Nils Kuppe führte die Kinder mit viel Engagement und motivierte sie besonders bei den lang auszuhaltenden Tönen.

Es sei eine Freude, mit Nils Kuppe zu singen, berichtete auch Daniela Wissemann im Gespräch. Die Sopran-Sängerin singt seit sechs Jahren in der Kantorei der Elisabethkirche und verspüre jedes Jahr mehr Freude auf das Weihnachtsoratorium.

„Man spiegelt einfach die Freude wider, die Nils Kuppe als Dirigent ausstrahlt“, so Wissemann.

Langer, kräftiger Applaus

Die Vorfreude war den etwa 120 Laiensängern der Kantorei förmlich anzusehen, bevor der prächtige Eingangschor „jauchzet, frohlocket“ sicher und stimmkräftig mit dem warmen und ausgewogenen Klang der Kantorei ertönte. Als Evangelist führte dieses Jahr der Tenor Florian Feth durch die biblische Geschichte der Geburt Jesu. Mit schlichtem, aber sicherem Gesang überzeugten alle vier Solisten, deren Interpretation hervorragend zum Weihnachtsoratorium passte, das ursprünglich als Aufführung während des Gottesdienstes gedacht war. Traumhaft schön erklang die Alt-Arie „Schlafe, mein Liebster“, gesungen von der Mezzosopranistin Bernadette Beckermann.

Bei der Arie der dritten Kantate „Schließe, mein Herz“ stand ihr Violinist Milos Valent vom Barockensemble „Solamente Naturali“ als Partner zur Seite.

Die Musik der historischen Instrumente des Barockensembles sorgte auch dieses Jahr wieder für eine stimmungsvolle instrumentale Begleitung. Immer wieder standen die Oboisten oder die Flötistinnen auf, so dass ihre Instrumente gut zu hören waren.

Grandios erklang Ute Hartwichs Naturtrompete bei der Bass-Arie „Großer Herr, o starker König“ zur starken Stimme von Tomás Selc und begeisterte mit sauber ausgeführten Trillern.

Das Publikum bedankte sich mit langem, kräftigen Applaus. Mit dem Choral „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ aus dem zweiten Teil Herzogenberg-Oratoriums wurde ein würdiger Rahmen zu einem wieder einmal gelungenen Abend geschaffen.

von Mareike Bader

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