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Preis für äthiopischen Prinzen

Neue Literarische Gesellschaft Preis für äthiopischen Prinzen

Zum zweiten Mal nach 2012 wird am 1. Februar der Literaturpreis der Neue Literarische Gesellschaft Marburg (NLG) vergeben. Zum zweiten Mal geht er an einen deutsch schreibenden Ausländer.

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Prinz Asfa Wossen-Asserate hielt im Jahr 2013 eine Lesung in der Marburger Buchhandlung Elwert.

Quelle: Archivfoto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Prinz Asfa Wossen-Asserate, 1948 in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geboren, erhält den zweiten Literaturpreis der neuen Literarischen Gesellschaft Marburg. Dies teilte der Vorsitzende der NLG, Ludwig Legge, mit. Der Preis ist mit 3 000 Euro dotiert. Das Geld kommt je zur Hälfte von der Mitgliedern der NLG, die den Preisträger per Wahl bestimmen, und von der Stadt Marburg.

Vergeben wird der Preis am Sonntag, 1. Februar, um 11 Uhr im Café Vetter, dem Stammhaus des vor 41 Jahren gegründeten Literaturvereins. Die Laudatio hält der Afrikanist Professor Hermann Jungraithmayr.
2012 initiierte Legge den Literaturpreis der NLG. Damals ging er an den mongolischen Schriftsteller Galsan Tschinag. Mit Prinz Asfa Wossen-Asserate entschieden sich die rund 300 Mitglieder des Vereins wieder für einen ausländischen Schriftsteller. Ungewöhnlich ist: Wie Galsan Tschinag schreibt auch der Publizist und Historiker Dr. Asfa Wossen-Asserate seine Bücher und Essays in deutscher Sprache. Beide Autoren sind der deutschen Kultur und Sprache eng verbunden.

Publizist und Unternehmensberater

Asfa Wossen-Asserate entstammt einer uralten afrikanischen Herrscherdynastie. Er ist Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie und Urenkel der Kaiserin Menen Asfaw. Wossen-Asserate kam früh in Kontakt mit der deutschen Sprache und Kultur: Er besuchte in Addis Abeba die deutsche Schule und studierte nach dem Abitur unter anderem in Tübingen Volkswirtschaft und Geschichte. 1978 promovierte er an der Frankfurter Goethe-Universität mit einer historischen Arbeit.

Als das Kaiserhaus 1974 von der kommunistischen Militärjunta Derg gestürzt wurde, musste er in Deutschland bleiben. Erst nach dem Ende des Mengistu-Regimes 1991 konnte er in seine Heimat zurückkehren. Prinz Asfa Wossen-Asserate besitzt seit 1981 die deutsche Staatsbürgerschaft. Er lebt als Unternehmensberater und Publizist in Frankfurt.

Bekannt wurde er in Deutschland als Autor durch seinen Bestseller „Manieren“ aus dem Jahr 2003. Er hat bereits dreimal in Marburg gelesen. In der Buchhandlung Elwert stellte er 2013 sein Buch „Deutsche Tugenden“ vor, zuvor las er bei der NLG aus seinen Büchern „Ein Prinz aus dem Hause David“ und aus seinem Buch „Draußen nur Kännchen“.

Alte Tradition lebt wieder auf

In vielen seiner Bücher richte er den Blick auf die deutsche Kultur und stelle sie in einen europäischen Kontext, betonte Legge. Er schreibe und spreche ein ausgezeichnetes Deutsch und sei zudem ein äußerst liebenswürdiger Mensch, ein echter Gentleman. „Prinz Asfa Wossen-Asserate ist eine gute Wahl für unseren zweiten Literaturpreis“, sagte der NLG-Vorsitzende.

Mit dem Literaturpreis greift die NLG eine alte Tradition auf: 2005 endete die 25-jährige wechselhafte Geschichte des Marburger Literaturpreises, der 1980 von der Neuen Literarischen Gesellschaft entwickelt worden war und bis 1990 vergeben wurde.

Nach heftigen politischen Querelen wurde dem Verein der Preis 1991 entzogen und anschließend alle zwei Jahre von der Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf vergeben. 2005 wurde der Preis ersatzlos eingestellt, weil er in der Stadt Marburg kaum noch wahrgenommen wurde. „Ich habe immer daran geglaubt, dass dieser Marburger Literaturpreis dauerhaft keinen Bestand haben würde“, sagte Legge. Er sei eine politische Entscheidung gewesen.

von Uwe Badouin

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