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Politisch unkorrekter Rosenkrieg

Kultur l Kinostart: „Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt“ Politisch unkorrekter Rosenkrieg

In „Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt“ versucht ein Paar in Scheidung, seine Kinder davon zu überzeugen, dass das jeweils andere Elternteil viel besser als Kümmerer taugt. Um ihr Ziel zu erreichen, ist den beiden jedes Mittel recht.

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Die Ruhe im Haus der Familie Leroy ist vorbei. Mit allerlei Tricks kämpfen die Eltern Vincent (Laurent Lafitte) und Florence (Marina Foïs) darum, nicht das Sorgerecht zu bekommen.

Quelle: Tobis Film

Verkehrte Welt: Im französischen Rosenkrieg „Mama gegen Papa“ versuchen die Eltern alles, um bloß nicht selbst das Sorgerecht für die Kinder zu bekommen. Und so passiert es, dass der Vater seine Kinder während Paintball-Jagden bombardiert, die Mutter Spüli in die Pasta rührt, um wenig später die pubertierende Tochter auf einer Party bis auf die Knochen zu blamieren. Da könnte man zwar durchaus von Misshandlung und seelischer Grausamkeit sprechen. In Frankreich wird aber eben genau daraus eine irrwitzige, absolut politisch unkorrekte Familienkomödie.

In „Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt“ geht ein Elternpaar im Rosenkrieg bis zum Letzten, um sich bei den Kindern als Ernährer und Kümmerer zu disqualifizieren. Nach 15 Jahren Ehe- und Familienglück haben Florence und Vincent Leroy genug voneinander.

Ganz sachlich und in aller Freundschaft wollen sie sich trennen, die leidenschaftliche Liebe ist nun mal abgekühlt, man selbst ein aufgeklärtes Paar des 21. Jahrhunderts. Wären da nur nicht die drei Kinder. Ebenfalls ganz 21. Jahrhundert dürfen sie zwar fast alles und müssen fast nix, aber eine Scheidung der Eltern? Das geht auch oder gerade modernen Kindern zu weit.

Eigentlich ein ernstes Thema, doch Regie-Neuling Martin Bourboulon führt damit vor allem den Eltern die Ergebnisse ihrer überaus liberalen Erziehung vor Augen. Er zeigt zugleich, dass sie letztendlich selbst an ihrer eigenen Toleranz und Freizügigkeit scheitern, mit der es dann doch nicht so weit her ist.

Vorzeigeeltern geben alles

Gerade noch schien alles so einfach mit der Trennung in aller Freundschaft, da bändelt der fesche Gynäkologe Vincent mit einer Krankenschwester an. Das will Florence nicht dulden und fährt die Krallen aus. Noch dazu bekommt die Ingenieurin ein Angebot aus Dänemark, das sie unmöglich ausschließen kann oder will. Vincent hat endlich eine Zusage von Ärzte ohne Grenzen für einen Einsatz auf Haiti. Drei Kinder, präpubertär und pubertär, stören da nur.

Also geben die einstigen Vorzeigeeltern alles, um ihre Kinder davon zu überzeugen, dass das jeweils andere Elternteil viel besser taugt als man selbst. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht: Vincent feuert den neunjährigen Julien lautstark bei einem Schachturnier an und zieht auch gleich noch über dessen „schlitzäugigen“ Kontrahenten her – und blamiert ihn damit zu Tode.

Florence taucht betrunken auf einer Party von Emma auf, tanzt lasziv und baggert die völlig überforderten Freunde ihrer Tochter an – ganz zu schweigen von dem Spüli in der Pasta und den blauen Flecken, die Vincent seinen Kindern bei einer Paintball-Session zufügt.

Das alles ist extrem überdreht, dabei allerdings nicht immer brüllend komisch. Zur Mitte hin schleppt sich der Film von einer Albernheit zur nächsten, nimmt anschließend etwas Fahrt auf, um dann doch recht seicht zu enden. In Frankreich wurde die turbulente Komödie mit mehr als 2,7 Millionen Zuschauern bereits zum Kassenschlager, in Deutschland könnte sie sich ebenfalls zum Sommer-Hit entwickeln – schon allein als durchaus amüsantes Anschauungsobjekt für die Auswüchse moderner Lebensmodelle.

  • Der Film läuft im Capitol.

von Britta Schmeis

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