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Poesie trifft auf prächtigen Klang

Konzert Poesie trifft auf prächtigen Klang

Das war ein imposantes Bild: 130 Choristen inklusive des Kinderchors sowie das Schlagwerk füllten am Dienstag die Bühne der Stadthalle. Davor im Saal die 60 Musiker der Sinfonia Silesia Kattowitz und Dirigent Siegfried Heinrich.

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Ein imposantes Bild boten die 130 Sängerinnen und Sänger des Marburger Konzertchors und die Musiker des Orchesters aus Kattowitz in der Marburger Stadthalle.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Carl Orffs „Carmina Burana“ warf ihren Schatten voraus. Da sie mit rund einer Stunde Aufführungszeit nicht als abendfüllendes Konzert gilt, hat Professor Siegfried Heinrich ihr Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre zu „Ein Sommernachtstraum“ vorangestellt.

Die Sinfonia Silesia gestaltete schwingend-schwebende Wechsel zwischen Bläsern und Streichern, die bisweilen im Ansatz zu hart waren. Die märchenhafte Elemente stattete das Orchester bei großen Einfühlungsvermögen mit klanglicher Farbigkeit aus.

Der „Fortuna“-Chor umrahmt Orffs „Carmina Burana“. Den Auftakt sangen der Marburger und Frankfurter Konzertchor sowie der Bad Hersfelder Festspielchor kraftvoll, rhythmisch präzise, mit klarer Aussprache und weichen Wechseln zwischen kleinem und großem Chor. Er wurde leidenschaftlich unterstützt von der Sinfonia Silesia. Siegfried Heinrich dirigierte souverän, frisch und federleicht.

Der erste der drei Teile, „Primo Vere“, ist ein Lobpreis auf das Erwachen der Natur und der Liebe. Hierbei konnte der Marburger Konzertchor aus dem Vollen schöpfen: Von schlichtem Chorgesang über temperamentvolle, transparente Homophonie, mit Passagen voll tänzerischer Eleganz in federndem Rhythmus, bei denen in höchsten Lagen der Sopran an Glanz verlor, hin zum Reigen in überschäumendem Klangtaumel mit verträumt-zartem Einschub. Einen Glanzpunkt setzte Thomas Gropper beim „Sonnengesang“ mit geschmeidigem Bariton.

„In Taberna“, dem Mittelteil von „Carmina Burana“, wird ausgiebig dem Essen und Trinken gefrönt. Davon kündeten augenzwinkernd bis hin zu opernhafter Theatralik Bariton Gropper mit souverän-glatten Stimmlagenwechseln, mit im Ton forcierter Leidenschaft Tenor Christoph Waltle und in stimmlicher differenzierter Ausgelassenheit der Marburger Konzertchor sowie ein besonders beim „Tanz“ musikantisch aufspielendes Orchester.

Der dritte Teil der weltlichen Kantate, „Cour d’Amour“, widmet sich den Facetten der Liebe. Der Kinderchor des Gymnasiums Philippinum Marburg, einstudiert von Antje Oliver, legte schnell seine Nervosität ab und erfreute das Publikum mit zarten Stimmen in jugendlicher Frische.

Als A-cappella-Männerchor verdeutlichte der Marburger Konzertchor im Wechsel mit Bariton Gropper lustvoll das Zusammensein von Knabe und Mägdelein. Das war hohe Gesangskunst: Thomas Gropper beglückte die Zuhörer beim „Dies, nox et omnia“ übergangslos von schlanken Tiefen bis hin zu weichen, reinen Höhen.

Was beim „Amor“ im Wechsel mit dem Kinderchor und beim Solo „Stetit puella“ zur erkennen war, wurde beim „Tempus est locundum“ zur Gewissheit: Die Sopranistin Amber Opheim sang mit tonaler Leichtigkeit bei zarten Timbre im Wechsel von Bariton Groppner, Kinderchor und kleiner Chorgruppe. In ergreifender Poesie modellierte Opheim den Lobpreis der Liebesgöttin Venus zum Gipfelpunkt des Schlussteils.

Gleich nach dem finalen „Fortuna“ voll stimmlicher und orchestraler Klangpracht gab es einzelne Bravos im fünf Minuten langen, stürmischen Applaus, der sich zu rhythmischem Klatschen mit Fußgetrampel steigerte.

von Helmut Rottmann

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