Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Poesie trifft auf Naturwissenschaft

Mammutprojekt "Erste Erde" Poesie trifft auf Naturwissenschaft

„Erste Erde“ heißt der 800-Seiten-Wälzer, den Raoul Schrott am Donnerstagabend auf Einladung der Buchhandlung Lehmans-Elwert vorgestellt hat. Es geht um nichts weniger als die Entstehung unseres Planeten.

Voriger Artikel
Berühmtheiten aus Marburg auf der Spur
Nächster Artikel
Mit „Kleinen Dingen“ ganz groß werden

Die Geschichte der Welt als voluminöses Epos: Der österreichische Autor Raoul Schrott stellte sein Buch „Erste Erde“ vor.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Marburg. Auf dem Podium im Hörsaal der Philipps-Universität hatten neben dem österreichischen Schriftsteller Raoul­ Schrott zwei Marburger Professoren Platz genommen: der Geologe und Leiter des Mineralogischen Museums Professor Dr. Peter Masberg und der Biologe und Genetiker Professor ­Dr. Michael Bölker. Raoul Schrott, der etwas später kam, erklärte: „Es ist mir ein großes Vergnügen, dass ich hier zwei Wissenschaftler treffen kann.“ Er stellte den Wissenschaftlern etliche Fachfragen, aus denen sich ein langes und spannendes Gespräch entwickelte.

Professor Masberg gab zunächst einen kleinen Abriss über die Entstehung der Erde. In seiner sehr anschaulichen Darstellung schilderte er, wie sich mit dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren das Sonnensystem und später die Erde gebildet haben. Professor Bölker wiederum erklärte, wie das Leben auf der Erde entstanden ist, und wie er die Zukunft des Menschen einschätzt. „Wir müssen uns unseres Verstandes bedienen“, mahnte er.

Mehr Interesse an Naturwissenschaft als an romantischen Sonnenuntergängen

Im zweiten Teil des Abends erläuterte Raoul Schrott das Mammutprojekt, aus dem sein Buch „Erste Erde“ entstanden ist. Als studierter Literaturwissenschaftler und Schriftsteller sei er immer schlecht in den Naturwissenschaften gewesen, erzählte er. Dennoch habe ihn die Naturwissenschaft immer viel mehr interessiert als der romantische Blick auf schöne Sonnenuntergänge.

So hat er mit einem großzügigen Darlehen der Deutschen Kulturstiftung sein gigantisches Literaturprojekt ins Leben gerufen, das die Zeitspanne vom Urknall über die Entstehung der Erde bis hin in unsere Zeit zum Thema hat. Dabei wollte er versuchen, das heutige Wissen der Menschheit zusammenfassen, das inzwischen seiner Ansicht nach sehr stark spezialisiert ist. „Was das Wissen verloren hat, sind die menschlichen Bezüge“, betonte der Schriftsteller.

Aber wie sollte er das schaffen? Zunächst las er sich in die wissenschaftliche Literatur ein und hatte dann die Idee, an die Fundstellen der Erdgeschichte zu reisen. Sieben Jahre lang unternahm er Reisen an diese Orte, die „Stationen auf der Pilgerfahrt des Menschen“ sind, wie er sagte. So fuhr er beispielsweise nach Afrika an die Stelle, wo die ersten Skelette der Hominiden gefunden wurden. Oder er besuchte die ältesten Fossilien der Erde in Westaustralien. Diese Mikrobenmatten sind 3,5 Milliarden Jahre alt und liegen mitten im australischen Busch.

800-Seiten-Werk mit Sachbuchcharakter

Aus dem Projekt wurde das Epos „Erste Erde“, eine Mischung aus Poesie und Prosa. Er habe auf die Suggestivkraft der Poesie und die Anschaulichkeit der Bilder vertraut, erzählte der Autor. Darüber hinaus habe er die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit menschlichen Figuren verknüpft, um ein breites erzählerisches Panorama zu entwerfen.

Im letzten Teil des aufwändig gestalteten, 800 Seiten starken Werkes fasst Schrott in Sachbuchform unseren heutigen Wissensstand zusammen. „Die Arbeit an dem Buch hat mich verändert“, bekannte Schrott. Er frage sich, was das alles für die Menschen bedeute und sieht in einer solchen Betrachtung Ansätze für eine neue Ethik.

Der Schriftsteller Raoul Schrott wurde 1964 geboren und wuchs in Tunis und im österreichischen Landeck auf. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wurde vor allem mit seinen Übersetzungen der Ilias und des Gilgamesch-Epos bekannt. Weitere Werke von ihm sind: „Tristan da Cunha“ und „Die Blüte des nackten Körpers. Liebesgedichte aus dem Alten Ägypten.“

  • Raoul Schrott: „Erste Erde“, Hanser-Verlag, 840 Seiten, 68 Euro.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr