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Roman-Figuren entwickeln Eigenleben

Marburger Krimifestival Roman-Figuren entwickeln Eigenleben

Um einen toten Staatsanwalt auf dem Straßenstrich von Palermo und die ­Machenschaften afrikanischer Schlepperbanden geht es in Petra Reskis drittem Krimi „Bei aller Liebe“. Und natürlich einmal mehr um die Mafia.

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Die Mafia-Expertin und Schriftstellerin Petra Reski las beim Marburger Krimifestival.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Seit vielen Jahren berichtet Petra Reski bereits als Journalistin über das Phänomen Mafia, über deren Strukturen auf internationaler Ebene. 2014 erschien dann der erste Krimi, in dem sie sich auf fiktiver Ebene mit dem Thema befasst hat.

Eigentlich hatte sie ihre Protagonistin, die taffe Staatsanwältin Serena Vitale bereits nach diesem einen Einsatz wieder umbringen wollen, erzählte sie bei ihrer Lesung am Donnerstag vor mehr als 70 Gästen beim Marburger Krimifestival. „Mach doch lieber mehrere Bücher ­
daraus“, riet ihre Freundin Donna Leon, einer der ­Superstars der Krimi-Szene. Und siehe da: Schon war auch der Druck weg, alles in einem Roman unterbringen zu müssen.

Womit sie allerdings nicht gerechnet hatte: dass die Figuren sich verselbständigen würden. Sie habe es immer für etwas pathetisch gehalten, wenn andere­ Autoren erzählen, ihre Figuren­ entwickeln ein „Eigenleben“. Aber genau das sei ihr nun auch passiert. Im Falle von Wolfgang W. Wieneke, fiktiver „Investigativreporter im kritischen Alter“ ist es damit sogar soweit gediehen, dass der eine eigene Face­book-Seite besitzt. Und sich von seiner Erfinderin verleumdet fühlt.

Beim Schreiben über Mafia eine Schere im Kopf

„Ich würde die Krise kriegen, wenn ich das alles immer nur ernst nehme“, kommentiert Petra Reski. Den Ernst ihres Berufs kennt sie nur zu gut. Wann immer sie ein Sachbuch zum Thema Mafia verfasse, habe sie bereits beim Schreiben eine Schere im Kopf und müsse dann Satz für Satz mit einem Anwalt durchgehen – die Schwierigkeit mit dem deutschen Presserecht sei, dass Journalisten leicht verklagt werden können, so Petra Reski. Daher kam die Idee, Krimis zu schreiben.

Zuvor hatte sie auch bereits Romane verfasst, allerdings eher autobiografisch inspiriert. Mit ihrer Heldin Serena Vitale­ hat sie gemeinsam, dass beide aus dem Ruhrpott stammen und in Italien leben. Serena Vitale in Palermo, Petra Reski in Venedig. Aus Palermo hat sie 1989 zum ersten Mal berichtet. Damals sei sie mit vielen Staatsanwälten zusammengekommen, die im selben Alter wie sie gewesen seien, am Anfang ihrer Karriere, und die sie sehr beeindruckt haben. Mit vielen sei sie bis heute befreundet.

Auch unter deutschen Staatsanwälten und Polizisten habe sie „tolle Leute“ gefunden, vor denen sie großen Respekt habe. „Die können aber auch nur die Gesetze anwenden, die es auch gibt“, sagt Petra Reski. Die Verantwortung sieht sie bei den Politikern, erklärte sie im Gespräch mit den Gästen der Lesung.

von Nadja Schwarzwäller

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