Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Originelle Ideen in Hülle und Fülle

Kinder- und Jugendtheaterwoche Originelle Ideen in Hülle und Fülle

Sieben Spieltage, mehr als 90 Workshops in Schulen und 19 Produktionen aus dem In- und Ausland - die Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche war auch in der 18. Auflage ein voller Erfolg.

Voriger Artikel
Lebende Legenden und ihr derber Blues
Nächster Artikel
Meisterwerke und eine Erstaufführung

Die Compagnie Ea Eo aus Belgien eröffnete das Festival mit einer Mischung aus
Artistik und Slapstick.

Quelle: Heike Döhn

Marburg. Zum ersten Mal waren die Aufführungen zu 100 Prozent komplett ausverkauft. Am Sonntag wurden zum Abschluss die drei besten Aufführungen gekürt, die eine Jury aus fünf Kindern und drei Erwachsenen ausgewählt hatte.

Der mit 2000 Euro dotierte erste Preis geht an die belgische Compagnie Ea Eo, die das Festival mit ihrem Stück „M²“ eröffnet hatte. Gestiftet wird der Preis vom Freundeskreis Hessisches Landestheater Marburg.

Die Jonglage-Performance mit Tiefgang ist eine Mischung aus Artistik und Slapstick, bei der es um Beziehungen, Freundschaft, Nähe und Aggression geht. Die Jury lobte das präzise Zusammenspiel und die Fülle origineller Ideen, in denen das Publikum eigene Verhaltensweisen erkennen könne. Die Belgier konnten den Preis nicht persönlich entgegennehmen, schickten aber ein Grußwort, in dem sie sich für die Auszeichnung herzlich bedankten.

Über den zweiten Preis freuten sich die Darsteller des Consol Theaters aus Gelsenkirchen, die für „Gegen den Fortschritt“ ausgezeichnet wurden. Es gehe um Menschen, die Mitgefühl und Vertrauen verloren haben, so die Jury, verpackt in groteske und makabere Bilder, hart und schrill. Der dritte Preis geht an das Theaterhaus Ensemble aus Frankfurt und dessen Produktion „Anne und Zef“, in der sich der albanische Junge Zef und Anne Frank im Jenseits be­gegnen und sich von ihrer Vergangenheit erzählen, so dass Parallelen sichtbar werden. Die atmosphärisch dichte Insze­nierung bleibe im Gedächtnis haften, lobte die Jury.

Im Anschluss an die Preisverleihung trat außer Konkurrenz die Compagnie Arcosm aus Paris auf. Das Tanztheaterstück „Traverse“ erzählt von einem Mann, der in seiner Wohnung mit den immergleichen, abgezirkelten Handlungen beschäftigt ist, manische Selbstkontrolle hat ihn im Griff. Kontakte von außen bringen ihn ins Schleudern, und drei weitere Perso­nen, die auf rätselhafte Weise bei ihm eindringen, bringen sein Leben aus dem Lot. Was ist real, was nur geträumt? Und wird er es schaffen, sich von seinen Zwängen zu befreien? Die drei Männer und eine Frau der Compagnie Arcosm sind hervorragende Tänzer und Darsteller, die die Choreographie minutiös umsetzen und mit ihren Bewegungen ineinandergreifen wie ein Uhrwerk. Herausragend die Momente, in denen sie ihre Körper als Rhythmusinstrument benutzen und damit die Musik ergänzen.

Allerdings waren Darstellung und auch Thema für die Altersgruppe ab acht Jahren nicht geeignet - zu wenig Handlungselemente waren für Kinder erkennbar. Und so ließ die Aufmerksamkeit des jungen Publikums mit der Zeit doch ziemlich nach, während die Erwachsenen sichtlich von der Leistung der Tänzer begeistert waren.

von Heike Döhn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr