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Orchester und Pianist atmen Musik

Marburger Konzertverein Orchester und Pianist atmen Musik

Die Spielzeit 2013/2014 des Marburger Konzertvereins rundeten das Kammerorchester Marburg und der Marburger Pianist Andreas Hering mit einem reinen Beethoven-Programm vor 600 Besuchern glanzvoll ab.

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Der in Marburg geborene Pianist Andreas Hering musizierte gemeinsam mit dem Kammerorchester Marburg im Audimax.Fotos: Florian Gaertner

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Mit Ludwig van Beethovens Ouvertüre zu Heinrich von Collins Trauerspiel „Coriolan“ op. 42, eröffnete das hiesige Kammerorchester die Soiree im Audimax. Wendig kontrastierten die gut 50 Musiker unter der Leitung von Arndt Heyer herbe und kantable Elemente in Beethovens freier Sonatenform. Ein kraftvoller Auftakt, klare Akzentuierungen, geschmeidige Melodik, gefällige Holz- und Blechbläser, klare Rhythmik und ein insbesondere in den leisen Stellen runder Orchesterklang ließen den besonderen Charme des gern gespielten und gehörten Werkes aufleuchten.

Beethovens viertes Klavierkonzert op. 58 steht in erster Linie für Introvertiertheit und Melancholie in den Ecksätzen, ohne im Mittelsatz auf harte Kontraste im Rezitationsstil zu verzichten. Der einschmeichelnder Auftakt mit schöner Melodik in exzellent präzisen Steigerungen und Abschwächungen der Dynamik des Orchesters leiteten über zur feingliedrigen Ausgestaltung des Klavierparts von Andreas Hering. Er begeisterte mit klaren Läufen sowie lustvollem Ausmusizieren der Harmonien und der hohen Kunst der Phrasierung.

Dabei war das Kammerorchester Marburg unter dem präzisen, schnörkellosen Dirigat von Arndt Heyer ein aufmerksamer und einfühlsamer Partner. Es war zu hören und zu spüren: Der Pianist Andreas Hering und das Kammerorchester verstanden sich musikalisch, sie harmonierten glänzend aufeinander abgestimmt. Sie schienen Beethovens Musik zu atmen - was besonders im langsamen Mittelsatz voller Feingefühl, innerer Spannung, Zartheit und Sinnlichkeit zu hören und sehen war.

Den Schlusssatz gestaltete Hering mit feinnervigem Klavierspiel im Wechsel mit weichem Ensembleklang des Kammerorchesters Marburg aus, um dann kraftvoll zu kontrastieren. Bei punktierter Rhythmik, mit Ton- und Akkordkaskaden, sanglichen Melodien, und Läufen wie an einer Perlenschnur aufgereiht, zog Andreas Herzog alle Register eines reifen Pianisten mit einem auf gleicher Wellenlänge getakteten Kammerorchester.

Die Zuhörer drückten ihre Begeisterung in stürmischem Applaus mit Fußgetrampel und Bravos aus. Andreas Hering bedankte sich mit der ungewöhnlich zart und transparent gespielten Sarabande aus der Englischen Suite Nr. 2 von Johann Sebastian Bach, die das Publikum in fast atemloser Stille genoss.

Zum Abschluss erklang Beethovens zweite Sinfonie op. 36, D-Dur. Sie steht in der Tradition der Werke gleicher Gattung und Tonart von Mozart (KV 385) und Haydn (Nummer 104), erweitert durch sinfonische Virtuosität und Sinn für Dramatik mit opernhafter Atmosphäre des 1803 gleichzeitig komponierten „Fidelio“.

Das Kammerorchester Marburg unter dem Dirigat von Arndt Heyer widmete sich hingebungsvoll den Figurationen und gebrochenen Dreiklängen. Das Larghetto erstrahlte in zauberhafter Leichtigkeit und Melodiosität: Töne in zarten Farben wie mit leichter Hand gemalt. Im Scherzo konnten die Instrumentalisten lustvoll dynamische Kontraste und instrumentale Vielfalt mit prachtvollem Bläserklang im Trio zelebrieren.

Dem quirligen Finale widmete sich das Kammerorchester Marburg mit Hingabe: Strukturelle Klarheit, thematische Prägnanz, melodisches Wechselspiel mit lyrischen Elementen und effektvoll unterbrochenen dynamischen Steigerungen hin zum fulminanten Schluss. Arndt Heyer ließ das Kammerorchester Marburg Beethovens 2. Sinfonie ganz in seiner eigenen Art musizieren: Präzise, schnörkellos, klar, in der Leichtigkeit der Wiener Klassik mit klaren Hinweisen auf die Romantik und Oper, aber ohne jegliche Nähe zum „Heiligenstädter Testament“. Dafür gab es langen, herzlich-stürmischen Applaus des Auditoriums.

Die Spielzeit 2014/2015 des Marburger Konzertvereins eröffnet das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag am 18. Oktober um 20 Uhr im Audimax.

von Helmut Rottmann

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