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Orchester kämpft mit dem Kirchenhall

Kammerorchester der Jungen Marburger Philharmonie Orchester kämpft mit dem Kirchenhall

Ein schönes Programm erwartete die 170 Zuhörer am Samstagabend mit Werken von Edward Elgar und Wolfgang Amadeus Mozart. Doch die Elisabethkirche macht es Musikern nicht gerade leicht.

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Das Kammerorchester der Jungen Marburger Philharmonie musizierte in der Elisabethkirche unter der Leitung von Hans-Jürgen Richter.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Nur selten finden klassische Konzerte in der Elisabethkirche statt. Das „Warum?“ beantwortete sich beim Konzert des Kammerorchesters der Jungen Marburger Philharmonie (JMP) schnell: Die Akustik der großen Elisabethkirche mit ihren drei Schiffen und bis zu 20 Meter hohen Gewölbedecken ist schwierig, der kirchentypische Nachhall stark.

So vermischten sich die Stimmen des Orchesters zu einem einzigen Klangteppich, aus dem höchstens die hohen Violinen oder die kräftigen Trompeten mal hervorstechen konnten.

Dabei war das Spiel der 30 Laienmusiker unter der Leitung von Hans-Jürgen Richter technisch kaum zu bemängeln. Gerade zu Beginn des Konzertes vermochten sie bei Elgars „Serenade für Streichorchester in e-Moll“ noch durch das kräftige Anschwellen des Themas für einen melodischen und eindringlichen Klang zu sorgen. Doch immer wieder zog der Klang zu langen Nachhall mit sich und so plätscherte das Stück gerade auch durch die wunderschönen Melodien, die sehr gefühlvoll gespielt wurden, vor sich hin.

Ebenso erging es Mozarts Sinfonie Nr. 34, die für viele als ein vernachlässigtes Meisterwerk gilt. Hier kamen weder der majestätische Beginn des ersten Satzes mit seiner marschartigen Rhythmik und dem Einsatz von Pauke und Trompete noch der stürmische Charakter des dritten Satzes vollkommen zur Geltung. Die beiden Oboistinnen Annette Himmelmann und Nele Stibani hatten alle Mühe kraftvoll genug zu spielen, um mit dem schönen Oboenmotiv inmitten des Orchesterklanges auch wirklich hervorzustechen.

Zusammenspiel zwischen Solistin und Orchester leidet

Dass die Elisabethkirche jedoch sehr wohl für Solo-Künstler geeignet ist, zeigte sich bei Mozarts „Violinkonzert Nr. 5“. Solistin Anna Sophie Dauenhauer bestach mit klarem Klang und einem hervorragenden präzisen Spiel. Auf eindrucksvolle Weise präsentierte sie ein Spiel auf hohem Niveau und zeigte damit, dass sie zu Recht Preisträgerin mehrerer internationaler Violinkonzerte ist und sich mit namhaften Orchestren messen lassen kann, wie dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, das auch schon in Marburg zu hören war.

Doch gerade hier beim Zusammenspiel mit Anna Sophie Dauenhauer zeigte sich der Unterschied zwischen der professionellen Musikerin und dem Laienorchester zu deutlich – und das lag wieder vor allem an der Akustik. Während Dauenhauers Triller und präzise Läufe das Publikum begeisterten, wirkte das Spiel des hinter ihr spielenden Orchesters zu flach.

Zwar sind alle fünf Violinkonzerte Mozarts so komponiert, dass die Virtuosität des Soloparts im Vordergrund steht – so deutlich wird es aber selbst Mozart nicht gemeint haben. So wurde das Spiel des Orchesters kaum wahrgenommen und verkam als Hintergrundbeschallung des fantastischen Spiels Dauen­hauers.

Das Konzert war dennoch hörenswert, es hätte nur eben an einem anderen Aufführungsort noch schöner klingen können. Das Publikum bedankte sich mit langem Applaus und wurde mit der Reprise aus dem ersten Satz der Mozart-Sinfonie als ­Zugabe belohnt.

von Mareike Bader

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