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„Open Eyes“ nur über Kopfhörer

wegen Beschwerden „Open Eyes“ nur über Kopfhörer

Das „Open Eyes“-Filmfest im Trauma, welches in diesem Jahr bereits zum 23. Mal stattfand, hätte fast gar nicht stattgefunden. 400 Kopfhörer machten es dann doch noch möglich.

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Sebastian Spors (von links) , Sonja Marsch, Anne Weigel, Rebecca Partikel und Clara Toker sind der harte Kern des Open-Eyes Orga-Teams und stolz auf den anhaltenden Erfolg des Freiluft-Filmfestivals.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Eine Nachbarin hatte sich wegen zu lauter Veranstaltungen im Vorfeld beschwert und damit gedroht, die Veranstaltung platzen zu lassen, falls diese nicht ausschließlich innerhalb der Gebäude abgehalten würde. Dies kam entsprechend der langjährigen Tradition als Freiluftfestival natürlich nicht in Frage, also mussten die Veranstalter kreativ werden.

„Letztlich haben wir uns dann darauf geeinigt, dass wir sämtlichen 400 Besuchern, die der Garten maximal fasst, einfach Kopfhörer aufsetzen. Etwas extrem aber funktioniert, allerdings hat uns der Spaß auch 2 000 Euro gekostet,“ berichtete Sebastian Spors, der Teil des Orga-Teams ist. Dadurch blieb es im Garten leise, wobei die Akustik auf den Ohren für alle gleich war. Dafür erlebten die insgesamt etwa 1.400 Zuschauerinnen und Zuschauer an den drei Tagen die Filme etwas isolierter.

Die Regisseure beziehungsweise Filmteams die angereist waren, genossen ihren Aufenthalt in Marburg aber trotzdem wie in jedem Jahr, denn für sie ist das „Open Eyes“ vor allem wegen der familiären Atmosphäre etwas ganz Besonderes.
„Ich finde das einfach toll, wie ihr euch um uns kümmert, da ist es auch kein Problem denke ich, dass man für die Anreise selbst aufkommen muss, immerhin verköstigt ihr uns und findet immer eine Unterkunft, was ja alles nicht selbstverständlich ist,“ so Jeff Coons aus Berlin.

Festival für Filmkünstler wichtig

„Ich war auch schon auf viel kleineren Veranstaltungen, mir geht es vor allem darum, dass die Filme wertgeschätzt werden und man sich mit den Zuschauerinnen und Zuschauern austauschen kann, das geht bei den großen Festivals oft nicht,“ meinte Lopez Gsos aus Spanien. „Bei denen erfährt man manchmal überhaupt nicht, ob der eigene Film jetzt überhaupt dabei ist oder nicht,“ pflichtete Coons bei.

Generell ist das Leben als freischaffender Filmemacher nicht einfach. Mit Kurzfilmen ist kaum Geld zu verdienen, denn die oft sehr anspruchsvollen künstlerischen Inhalte eignen sich weniger für die breite Masse. Auch aus diesem Grund sind in diesem Jahr mit 145 Filmen wieder besonders viele Produktionen aus Spanien unter den rund 800 Einreichungen. „Wir werden vom Staat unterstützt, bzw. von der jeweiligen Region, in unserem Fall Navarra. Wenn wir dort den Film auch drehen, gibt es ein gutes Budget, in unserem Fall rund 30 000 Euro,“ erklärte Regisseur Jon Caballero. Der Großteil aller zugeschickten Beiträge kommt aber nach wie vor aus Deutschland, 421 waren es in diesem Jahr.

Wenig überraschend waren diesmal viele Filme zum Thema Flüchtlinge und Migration eingereicht worden, zusätzlich gab es mehr Beiträge mit Bezug zur Trans-, Inter- und Homosexualität. Den Großteil machten allerdings auch in diesem Jahr wieder Kurzfilme zu den klassischen Themen wie Liebe, Beziehungen und Familie aus. Insgesamt folgten 50 Filmschaffende unter den 80 letztendlich ausgewählten Filmen der Einladung des Trauma-Teams und genossen sichtlich das abwechslungsreiche Angebot aus Garagenkino, Fragerunden, Animationsfilmtagen und Aftershow-Partys.

von Marcus Hergenhan

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