Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
"Oben bleiben": Ein Blick in ein Schauspielerleben

Premiere "Oben bleiben": Ein Blick in ein Schauspielerleben

Ex-Intendant Ekkehard Dennewitz arbeitet wieder für das Hessische Landestheater - für ein Stück. Er führt Regie in „Oben bleiben“. Auf der Bühne steht seine Frau Uta Eisold. Premiere ist am Sonntag um 19.30 Uhr.

Voriger Artikel
Thriller über die Abgründe einer Vorzeige-Ehe
Nächster Artikel
Die „Veränderung“ kommt an

Uta Eisold hockt am Schminktisch. In „Oben bleiben“ spielt sie die Schauspielerin Vera Landis, die die Bilanz eines Schauspielerlinnenlebens zieht.Foto: Arne Landwehr

Marburg. „Ich bin nicht Sie. Ich bin Kunst!“ Das sagt Vera Landis in Carsten Golbecks „Oben bleiben“. Und wer will das nicht, „Oben bleiben“. Schauspieler ganz besonders.

Das Besondere: „Oben bleiben“ am Hessischen Landestheater ist eine kleine Familienproduktion, ein Stück für eine Schauspielerin mit Uta Eisold als Heldin der Bühne und ihrem Mann Ekkehard Dennewitz als Regisseur. Es ist die erste Regiearbeit von Dennewitz am Landestheater, seit er 2010 nach 19 erfolgreichen Jahren in Marburg in Ruhestand ging.

Der freischaffende Theater-Autor Carsten Golbeck wirft mit seinem Debütstück „Oben bleiben“ einen Blick hinter die Kulissen des nach außen so strahlenden Schauspielerlebens. Es ist ein tragikomisches Stück, das sich alle jungen Menschen ansehen sollten, die davon träumen im Scheinwerferlicht der Theaterbühne oder des Filmsets zu stehen. „Was steckt hinter dem schönen Schein eines Schauspielerlebens? Was bringt einen Menschen dazu, sich in die Seele anderer Menschen hineinzubegeben, sich allabendlich in einen Helden, Narren oder in ein Ungeheuer zu verwandeln und sich den starrenden Augen der Menge auszusetzen?“, das sind Fragen, mit denen Dennewitz und Eisold sich auseinandersetzen.

Vera Landis wartet auf ihren Auftritt. Garderobe, Maske, Requisiten und vor allem ihr Spielpartner und Ex-Ehemann Tom fehlen. Dafür ist das Publikum schon da, viel zu früh übrigens und noch dazu sitzt es auf der falschen Seite.

Zeit für die Heldin, Bilanz eines Schauspielerlebens zu ziehen. Was hat es auf sich mit dem Glanz der Bühne, wenn man älter wird. Woher kommt sie, diese die Leidenschaft für das Theater. Und warum darf man sich nie unterkriegen lassen in einer Wegwerfgesellschaft, die alternde Schauspielerinnen nicht schätzt, lieber TV-Serien glotzt.

So erinnert sich Vera Landis an den 9. November 1989, als sie der Premiere „Die Überlebende der Titanic“ entgegenfiebert, vor der der Regisseur kurzerhand mit dem Stoff nach Hollywood abgehauen ist. Und so steht der Untergang der Titanic als Metapher für eine Gesellschaft, in dem eine Frau um ihre Würde kämpft. Das Stück scheint wie geschaffen für Uta Eisold: „Da gibt es viele Parallelen im Stück zu meinen eigenen Erfahrungen - unter anderem eben die Ereignisse um den 9. November 1989, den ich übrigens wirklich auf der Bühne erlebt habe“, sagt sie.

Für Dennewitz war es schon „ein bisschen merkwürdig“ in seinem alten Theater zu arbeiten, an dem sich auch personell so viel geändert hat. Und auch er erinnert sich an den 9. November 1989, der eine zentrale Rolle in dem Stück spielt. „Damals waren wir im Vogtland unterwegs mit ,Diktatur des Gewissens‘. Bei der Vorstellung kam weinend eine junge Schauspielerin auf mich zu und rief: ,Die haben die Mauer eingeschmissen‘.“ Das Ensemble habe sofort nach der Vorstellung - für Schauspieler gilt: The Show must go on - nach Hof in Bayern fahren wollen, doch der Busfahrer habe abgelehnt - aus Angst, erzählt Dennewitz. Diese ganz persönlichen Erfahrungen machen „Oben bleiben“ zu einem besonderen Stück für das Theater-Ehepaar.

Vorstellungsmarathon

Das Hessische Landestheater fährt am Wochenende nach eigener Aussage „schweres Geschütz auf - mit vier Vorstellungen an vier Tagen“:

Am Donnerstag und am Samstag ist jeweils ab 19.30 Uhr in der Galeria Classica Büchners „Woyzeck“ zu sehen - als Musicalversion von Tom Waits und Kathleen Brennan. Es ist die Erfolgsproduktion der noch jungen Spielzeit.

Am Freitag versuchen Louis und Julie in der französischen Komödie „Durch den Wind“ das Familienvermögen vor ihrem Vater zu retten, der mit Geld nicht besonders gut umgehen kann. Zu sehen ist das Stück von Nathalie Fillion, das am Landestheater als deutsche Erstaufführung auf die Bühne gebracht wurde, ab 19.30 Uhr im Theater am Schwanhof.

Der „Vorstellungsmarathon“ endet am Sonntag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr in der Black Box des Hessischen Landestheaters Marburg im Theater am Schwanhof mit der Premiere von „Oben bleiben“ . Weitere Vorstellungen sind am 9. und 14. November.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr