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OP startet in den Lesesommer

Buchtipps OP startet in den Lesesommer

Die OP startet ihren Lesesommer. Jeden Tag stellen wir ein interessantes Buch vor - für den Strand, das Freibad, den Garten oder den Balkon.

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Hoch über der Stadt liest ein junger Mann. Besonders im Sommer greifen viele Deutsche zu Büchern.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nach wie vor gilt: Die Deutschen lesen gerne, trotz Internet und Smartphone, trotz einer Fülle von TV-Sendern. Bücher sind einer repräsentativen Umfrage aus dem vorigen Jahr zufolge für gut 61 Prozent der Deutschen ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Für jeden Zweiten sind sie sogar „wie gute Freunde“. Die Folge: Deutschland hat nach den USA den zweitgrößten Buchmarkt der Welt.

Besonders viel gelesen wird in den Ferien, wenn der Alltagsstress abfällt. Seit vielen Jahren gibt die OP daher ihren Leserinnen und Lesern im Sommer jeden Tag einen Buchtipp: Krimis, Liebesromane, Humor. Leichte Lektüre für schöne Tage.

Wir starten heute mit einem ungewöhnlichen Buch eines Reisemuffels, das den Zuhausegebliebenen mit schrägem Witz über den Sommerfrust hinweghilft, wenn man in Marburg überall einen Parkplatz bekommt, während alle anderen in Staus oder schlechten Hotels stecken: „Bin ich blöd und fahr in Urlaub?“ meint Falko Löffler, der im hessischen Vogelsberg lebt und in Marburg Literatur- und Medienwissenschaft studiert hat. Sein Tipp: „Zuhause bleiben. Denn daheim ist eindeutig das bessere Draußen!“ Weil es draußen gefährlich ist: „Die Einheimischen haben Sie ausgelacht und Ihnen das Geld aus der Tasche gezogen, von den hinterhältig grinsenden Tieren wurden Sie angespuckt.“

Löffler blickt nach eigenen Angaben zurück auf eine jahrzehntelange Praxis als Reiseverweigerer. Mit diesen Erfahrungen im Rücken bietet er allen Zuhausebleibern die komplette Stubenhocker-Checkliste. Und woran erkennt man einen Stubenhocker? „Sie machen in der Öffentlichkeit keinen Lärm, räumen immer hinter sich auf und sind niemandem im Weg“, meint der Autor.

So warnt er vor Pauschalreisen (Legehennen unter den Urlaubern), vor Urlaub im Kinderhotel (bunt, schrill, nicht enden wollend), vor Kreuzfahrten (Gefängnisflair). Ganz eindeutig sind auch Löfflers Hotelklassifizierungen: Ein Stern in Deutschland bedeute „Zimmer mit Dusche / WC, tägliche Reinigung, Telefon, Tisch und Stuhl“.

Im Ausland: Hotel steht noch (größtenteils), Schlüssel verfügbar, Zierkakerlake garantiert, mindestens ein Fenster (teilverglast), bei zwei Sternen kommt die „personalisierte Begrüßung durch Straßengangs“ hinzu.

Und fünf Sterne im Ausland sind laut Löffler gleichbedeutend mit: Zimmer mit Dusche / WC, tägliche Reinigung, Telefon, Tisch und Stuhl. Für Löffler ist daher glasklar: „Machen Sie es sich bequem. Schalten Sie ab. Stellen Sie sich vor, es ist Urlaub. Und Sie fahren einfach nicht hin.“

In Kürze erscheint bei Goldmann sein neues Buch, wieder ein „knallharter“ Erfahrungsbericht: „Ich kann da nicht nüchtern hin“ - etwa zur Hochzeit der nervigen Cousine oder zum 90. Geburtstag von Opa.

von Uwe Badouin

LESEPROBE

Eine gute Autobahnraststätte ist eine, die Sie nicht lange von Ihrer Reise abhält. Also ist eine schlechte Autobahnraststätte, von der Sie so schnell wie möglich wieder verschwinden wollen, eine gute Autobahnraststätte. Viele von ihnen bemühen sich nach Kräften, Ihnen in dieser Hinsicht entgegenzukommen. Sie wirken von außen, als hätten sie schon die Truppen auf dem Weg zur Ostfront verköstigt: dunkler Backstein, flache, fiese Dächer und eine Außenanlage mit dem rustikalen Charme eines Gefängnishofes in Kasachstan. Innen wird es auch nicht besser: Das Essen an der heißen Theke wird angerichtet nach dem Kochbuch „1001 Möglichkeiten, was Sie aus Bratwurst machen können“. Was Sie dann auf Ihren Tellern finden, ist so kalt wie das Herz der Verkäuferin, die Sie im Dialekt der jeweiligen Region runterputzt, wenn Sie sich erdreisten, mit einem großen Schein bezahlen zu wollen. Die Bestuhlung wurde in der örtlichen Grundschule geklaut. Es gibt eine Petition, die Tapete unter Denkmalschutz zu stellen. Die Toilette im Keller ist römischen Ursprungs, wurde damals aber nur verwendet, um die Köpfe der gefangenen Germanen einzulagern, und so riecht es auch noch heute.

Falko Löffler: „Bin ich blöd und fahr in Urlaub?“, Goldmann, 240 Seiten, 8.99 Euro.

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